Quelle: Chris Ratcliffe / Bloomberg / Getty Images

Ein bemerkenswertes Comeback im Segment der Industriemetalle erlebt Kupfer: Der Preis stieg in kurzer Zeit um 40 Prozent – von seinem tiefsten Stand seit vier Jahren im März auf zuletzt mehr als 6.500 US-Dollar. Die Rally auf ein Zweijahreshoch hat viel mit der überraschend schnellen und kräftigen Erholung der Kupfernachfrage in China zu tun. Das reichliche Kreditangebot, eine positive makroökonomische Stimmung und ein fester Renminbi gegenüber der US-Währung flankieren die Entwicklung.

Begrenztes Angebot

Die Regierung in Peking hat zur Stützung der pandemiegeschwächten Wirtschaft die Genehmigung von Infrastrukturprojekten beschleunigt. Im 1. Halbjahr wurden allein 13 Flughafenprojekte und 19 Eisenbahn- und Nahverkehrsprojekte genehmigt. Finanziert werden die Maßnahmen über kommunale Sonderanleihen (Gesamtvolumen: 535 Milliarden US-Dollar), von denen inzwischen 60 Prozent emittiert sind. Die Bautätigkeit dürfte sich im 2. Halbjahr auf ihrem hohen Niveau halten und zu einer moderaten Beschleunigung der Kupfernachfrage auch in der zweiten Jahreshälfte beitragen.

Auf der Angebotsseite haben in den vergangenen Monaten Minenschließungen in Peru und Chile zu verbesserten Fundamentaldaten von Kupfer beigetragen. Die Produktion in Peru, weltweit die Nummer 2, dürfte nach einem fast zwei Monate andauernden Stopp erst Anfang August wieder ihre volle Kapazität erreichen.

Dagegen halten sich in Chile, dem größten Kupferproduzenten der Welt, die Betriebsstörungen durch die Pandemie bisher noch in Grenzen – ausgestanden ist das Thema aber nicht. Das größere Risiko für Versorgungsunterbrechungen geht aber von Streiks aus. Die Gewerkschaften in den Bergwerken Zaldivar und Centinela (Produktionskapazität: 370.000 Tonnen pro Jahr) haben bereits für Arbeitsniederlegungen gestimmt. Kommt es dazu, könnte die Jahresproduktion um 3 Prozent gegenüber 2019 sinken.

Hohe Nachfrage

Im Segment der Edelmetalle hat sich beim Gold die gute Kursentwicklung der vergangenen Monate zu Beginn des 2. Halbjahres noch einmal beschleunigt. Anfang August durchbrach die Gold-Notierung erstmals die Grenze von 2.000 US-Dollar je Unze (31,1 Gramm) – und markierte mit 2.052 US-Dollar ein neues Allzeithoch. Ein wesentlicher Grund für die starke Performance ist die hohe Nachfrage nach Exchange Traded Funds (ETFs), die mit physischem Gold hinterlegt sind. Die ETFs verzeichnen seit Dezember 2019 ununterbrochen hohe Zuflüsse. Im 1. Halbjahr 2020 wurden 734 Tonnen Gold im Gegenwert von knapp 40 Milliarden US-Dollar nachgefragt. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2009 lagen die Nettoankäufe von Gold für ETFs bei 646 Tonnen. Die börsennotierten Fonds haben damit in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 45 Prozent der weltweiten Goldproduktion absorbiert. 52 Prozent aller Anlagen in Gold-ETFs werden aktuell in den USA gehalten, 43 Prozent in Europa.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 28.07.2020. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Zu den wichtigen Akteuren am Goldmarkt gehören auch die Notenbanken, die schmuckverarbeitende Industrie und private Käufer von Münzen und Barren. Die meisten physischen Käufe sind in Indien und China zu verzeichnen. Nach Zinssenkungen und Liquiditätshilfen durch die chinesische Zentralbank könnte sich die Geldmenge (M2) im Reich der Mitte in den kommenden Monaten ausweiten. Dies spricht trotz der aktuell hohen Notierungen auch in China für eine steigende Goldnachfrage. Außerdem dürften Anleger sich dort künftig verstärkt gegen Währungsverluste mit Gold absichern. Dagegen könnte in Indien die Ausweitung der Corona-Pandemie zu Arbeitsplatz- und Einkommensverlusten führen, die eine Zurückhaltung bei Goldkäufen zur Folge hätten.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 07.08.2020