Rückläufige US-Lagerbestände, sinkende strategische Reserven – doch nicht einmal „Laura“, stärkster Hurrikan in Louisiana seit 160 Jahren, brachte Ende August den US-Ölmarkt richtig in Wallung. Nach den Turbulenzen im Frühjahr herrscht weiterhin sommerliche Ruhe an den globalen Ölmärkten. Das Handelsvolumen an den Terminbörsen fiel für Öl sowohl der Nordseesorte Brent als auch der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) Ende August auf den niedrigsten Stand seit gut 5 Jahren.

Die Notierungen haben sich inzwischen aber für beide Sorten auf dem Niveau von Anfang März eingependelt. In Asien hat der Ölverbrauch nahezu den Stand von vor der Corona-Krise erreicht. Auf der Angebotsseite halten sich die OPEC und ihre Partner (OPEC+) diszipliniert an ihre Produktionsquoten und reduzieren die tägliche Ölförderung im Vergleich zum März 2020 um gut 8 Millionen Barrel (159 Liter je Fass). Gleichzeitig ist in den USA die Zahl der aktiven Bohrlöcher auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Allerdings haben OPEC+, die USA und Kanada ihre Fördermengen im August um insgesamt circa 2,5 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Trotz der laufenden Konjunkturerholung erwartet die Deutsche Bank vorerst nicht, dass die Ölpreise ihr Niveau von Anfang des Jahres (Brent 68 US-Dollar, WTI 63 US-Dollar) zeitnah erreichen könnten – die Terminmärkte signalisieren aber einen leichten Aufwärtstrend: So werden Kontrakte auf WTI-Öl mit Laufzeit bis Dezember 2021 derzeit mit einem Aufschlag von 2,50 US-Dollar je Barrel auf den aktuellen Kontrakt gehandelt. 

Begrenztes Angebot

Deutlich turbulenter ging es zuletzt an den Edelmetallmärkten zu. Ausgelöst durch einen Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen erlitt der Goldpreis Anfang August innerhalb von nur 30 Stunden ein kräftiges Minus von 8 Prozent. Die Silbernotierung brach vorübergehend sogar um 20 Prozent ein, bevor eine kräftige Gegenbewegung die Verluste bei rund 6,5 Prozent begrenzte. Es war der erste nennenswerte Rückschlag seit März, als die Edelmetalle ihr Jahrestief markierten. In den vergangenen Monaten hatten die Notierungen um 43 Prozent bei Gold und um 120 Prozent bei Silber kräftig zugelegt.

Relevanter Faktor für die Rekordjagd der Goldnotierungen waren in den vergangenen Wochen Käufer börsengehandelter Produkte, die mit physischem Gold hinterlegt sind. Diese erwarben bis Ende Juli 899 Tonnen.  Dagegen hat die Bedeutung der Zentralbanken für die Goldnachfrage zuletzt abgenommen. Der Internationale Währungsfonds hat für Juli 2020 nur noch Nettoankäufe im Volumen von knapp 9 Tonnen gemeldet. Damit haben die Notenbanken ihren Reserven so wenig Gold hinzugefügt wie seit Dezember 2018 nicht mehr; brutto wurden 27 Tonnen erworben. Die Türkei war dabei mit 19 Tonnen für den Löwenanteil verantwortlich, Katar, Indien und Kasachstan lediglich für geringe Mengen. Auf der Verkäuferseite befanden sich hingegen Usbekistan mit 11,6 Tonnen und die Mongolei mit 6,1 Tonnen. Im Gesamtjahr 2020 haben die Notenbanken rund um den Globus bis Ende Juli gut 200 Tonnen Gold gekauft. 

Langfristige Chancen

Gold oder Silber: Welches der beiden Edelmetalle die besseren Perspektiven aufweist, hängt auch von der konjunkturellen Entwicklung insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe ab – die Silbernachfrage resultiert zu rund 50 Prozent aus der Industrie. Aktuell wird Gold mit dem 70-fachen des Silberpreises gehandelt, während der Markturbulenzen im März kletterte der Faktor sogar auf den Rekordwert von 127. Der Mittelwert der vergangenen 50 Jahre liegt bei 59. Langfristig könnte der kleine Bruder des Goldes vom Einsatz in der Photovoltaik und der Elektromobilität profitieren.

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Redaktionsschluss: 10.09.2020