Quelle: Opla / Getty Images

Klarer Sieg für Eisenerz: Der Preis für den Grundrohstoff der Stahlproduktion ist 2020 um gut 68 Prozent gestiegen – fast doppelt so stark wie der für das zweitplatzierte Silber. Allein im Dezember legte die Notierung um mehr als 15 Prozent auf zuletzt knapp 156 US-Dollar zu – und markiert damit ein 7-Jahreshoch. Wichtigster Treiber der Hausse ist die boomende Stahlproduktion in China, während der Rest der Welt einen Gesamtrückgang von rund 10 Prozent meldet.

Starke Nachfrage

Die chinesische Regierung hat 2020 umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen zur konjunkturellen Belebung beschlossen. Wesentliches Finanzierungsinstrument sind öffentliche Anleihen. Sie gelten gleichzeitig als Indikator für die mögliche Stahl- und Eisenerznachfrage. Von Januar bis Oktober 2020 haben die Regionalregierungen in China Papiere im Volumen von umgerechnet 675 Milliarden US-Dollar emittiert – plus 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Da sich die Anleiheemissionen erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei bis drei Quartalen auf die tatsächlichen Baubeginne auswirken, dürfte die Nachfrage aus dem Infrastruktursektor auch im 1. Halbjahr 2021 hoch bleiben.

Gleichzeitig erwartet die Deutsche Bank, dass die prognostizierte Konjunkturerholung die Stahlproduktion auf industriellen Schlüsselmärkten wie Europa oder den USA weiter befeuert. Die Stahlpreise haben in der Europäischen Union inzwischen ein 2-Jahreshoch erreicht. Setzt sich dieser Trend fort, werden die Produzenten ungenutzte Kapazitäten hochfahren und damit auch die Eisenerznotierungen stützen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die anziehende Automobilproduktion und die robuste Nachfrage aus der Bauwirtschaft. Hohe Preise, gute Finanzierungsbedingungen, der Mangel an renditestarken Alternativen und der Trend zu mehr Homeoffice stützen hier insbesondere den Sektor Wohnimmobilien.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 07.01.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Während die Perspektiven für die Nachfrage nach Eisenerz in den kommenden Monaten recht gut sind, drohen auf der Angebotsseite Engpässe. So können die großen Minenbetreiber in Australien nach einem Jahr mit einem deutlichen Exportanstieg vorerst keine nennenswerten zusätzlichen Kapazitäten schaffen, um das Angebot spürbar auszuweiten. In Brasilien kämpft ein großer Minenbetreiber weiterhin mit Lizenzproblemen. Es ist fraglich, ob der weltgrößte Eisenerzexporteur die eigenen Produktionsprognosen erfüllen kann. Ohnehin begrenzt die Regenzeit im Amazonas die Eisenerzförderung.

Wachsende Risiken

Einen zunächst guten Start ins neue Jahr erwischte Gold. Die Notierungen profitierten dabei von einem ungebremsten Corona-Infektionsgeschehen in Europa und den USA. Investoren parkten deshalb zumindest einen Teil ihrer liquiden Mittel in „sicheren Häfen“. Auch der schwache US-Dollar und eine allgemein starke Nachfrage nach Rohstoffen haben den Goldpreis gestützt. 

Der deutliche Anstieg der US-Renditen im Zusammenhang mit dem Wahlsieg der Demokraten bei den Stichwahlen in Georgia leitete dann aber die vorläufige Trendwende ein. Mit der eigenen Mehrheit in beiden Kammern – Repräsentantenhaus und Senat – kann die neue US-Regierung nun deutlich üppigere Corona-Hilfspakete schnüren als bislang gedacht. Auf längere Sicht würde eine höhere Staatsverschuldung zu steigenden Inflationsraten und damit auch zu steigenden Zinsen führen. Allein am 8. Januar brach der Goldpreis um 5 Prozent ein und notierte zuletzt bei knapp 1.850 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Nimmt der Konjunktur-optimismus zu, verliert die Krisenwährung Gold an Reiz.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 13.01.2021; 16 Uhr