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Ein Frühindikator für die Erholung der Weltwirtschaft nach dem Corona-Schock ist der Anstieg der Stahlproduktion – in der Europäischen Union im Oktober um 13 Prozent gegenüber dem Vormonat. Entsprechend ziehen die Notierungen an: Im November stieg der Preis für warmgewalzten Stahl (Hot-Rolled Coil, HRC) auf über 530 Euro pro Tonne – ein Plus von gut 25 Prozent im laufenden Jahr.

Dieser Trend könnte sich fortsetzen, weil die Produzenten aktuell nicht mit der Nachfrageerholung Schritt halten. Knapp 20 Prozent der Hochofenkapazität in Europa liegen noch still. Außerdem wird für 2020 mit einem Importrückgang von 15 Prozent gerechnet. Chinas Stahlexporte in die EU sind bislang um netto 39 Prozent gesunken. Auch aus der Türkei, dem größten Stahllieferanten nach Europa, wird wegen Wettbewerbsverstößen türkischer Produzenten weniger geliefert.

Für 2021 erwartet die Deutsche Bank ein Nachfragewachstum bei Stahl um fast 14 Prozent. Treiber dürften die Endverbrauchssektoren und niedrige Lagerbestände sein. Unterdessen nähert sich die Differenz zwischen Stahlpreisen und Rohstoffkosten weiter der Rekordhöhe von 400 US-Dollar pro Tonne an. Der Spread ist seit Ende Juni von 154 auf rund 330 US-Dollar pro Tonne geklettert. Investoren könnten Stahlkonzerne belohnen, die verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen und CO2-Emissionen reduzieren.

Mögliches Überangebot

Ein kräftiger Anstieg der Edelstahlproduktion in China (Prognose 2020: +3 Prozent), aber auch in Indonesien (+13 Prozent) hat maßgeblich die Nickelpreise befeuert. Die Notierungen sind seit ihrem Tief im März massiv um mehr als 45 Prozent gestiegen. Das geht aber nicht nur auf das Konto der höheren Stahlproduktion. Ein weiterer Treiber ist der Markt für Elektrofahrzeuge (EVs). Das Metall wird für die Batterieproduktion auf Basis von Nickel, Mangan und Kobalt (NMC) benötigt. In Deutschland haben reine EVs und Plug-In-Hybride im Oktober 17,6 Prozent Marktanteil bei den Neuzulassungen erreicht – Rekord. Im Gesamtjahr 2020 könnten EVs europaweit einen Neuzulassungsanteil von 10 Prozent erreichen.

Allerdings werden die NMC-Batterien vorzugsweise in Europa verbaut. In China kommen verstärkt die billigeren Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LFP) zum Einsatz, was wiederum die Nickel-Notierungen belastet. Das gilt auch für eine absehbar höhere Produktion von Nickel-Roheisen (NPI) in Indonesien. NPI ist eine billigere Alternative zu reinem Nickel. 2020 und 2021 könnten die Kapazitäten um insgesamt 345 Kilotonnen steigen und den Gesamtmarkt in ein Überangebot treiben – mit entsprechend negativen Folgen für die Preisentwicklung.

BIP im Vergleich

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 04.12.2020 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Kontrollierte Erhöhung

Nach harten Verhandlungen haben die OPEC und ihre Partner (OPEC+) sich darauf geeinigt, die Ölfördersenkungen 2021 langsamer als zuvor geplant zu lockern. Der fragile Markt erhält damit mehr Zeit, das zusätzliche Angebot aufzunehmen. Anstelle der vor einiger Zeit vereinbarten 1,7 Millionen Barrel pro Tag werden die OPEC+-Staaten im Januar 500.000 Barrel pro Tag mehr auf den Markt bringen. Derzeit drosselt die Allianz ihre Tagesproduktion noch um 7,7 Millionen Barrel – rund 8 Prozent des weltweiten Angebots. Außerdem vereinbarten die Öl-Minister monatliche Beratungen, um abzustimmen, wie die Produktion in den folgenden Monaten angepasst werden soll. Dies lässt für die Zukunft eine gewisse Flexibilität erwarten.

Nach der Einigung stiegen die Ölpreise der Nordsee-Sorte Brent auf das höchste Niveau seit dem 6. März 2020. Dass Öl zur Lieferung in einem Jahr nun etwas billiger ist als Öl zur sofortigen Lieferung, signalisiert aktuell eine robuste Nachfrage. Sollte die Corona-Pandemie durch Impfstoffe eingedämmt werden, besteht für die Ölpreise 2021 ein moderates Aufwärtspotenzial.

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Redaktionsschluss: 10.12.2020