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Seit Juni bewegen sich die Notierungen für Rohöl innerhalb einer engen Bandbreite. Angesichts eines zusätzlichen Tagesangebots von knapp 800.000 Barrel (1 Fass = 159 Liter) aus Libyen und vereinzelten – auch pandemiebedingten – regionalen Störungen auf der Nachfrageseite dürfte sich daran bis Jahresende kaum etwas ändern. Der Sieg des Demokraten Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl könnte nun allerdings erneuerbaren Energien einen Schub geben – obwohl der Senat sehr wahrscheinlich in republikanischer Hand bleiben wird.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank würde eine politische Wende in den USA aber erst mittel- bis langfristig die Ölpreise belasten. 2021 könnte der Amtswechsel im Weißen Haus sogar die Preise stützen. Mögliche Beschränkungen für Bohrungen und Fracking könnten die Versorgung stören – und in der Folge zu steigenden Notierungen führen.

Auf der Nachfrageseite dürfte das nun in Kürze zu erwartende US-Corona-Hilfspaket der Ölnachfrage Impulse geben. Der Impfstoff gegen das Coronavirus, der voraussichtlich ab Anfang 2021 zur Verfügung stehen dürfte, sollte die fiskalpolitischen Maßnahmen zur Stützung der US-Konjunktur noch erheblich verstärken – und einen Ausbruch der Rohölpreise aus der aktuellen Spanne nach oben ermöglichen. Erst auf lange Sicht dürfte eine Fokussierung auf erneuerbare Energien die Ölnachfrage kannibalisieren.

Möglicher Deal

Wichtigster Faktor für den Ölmarkt während einer Biden-Präsidentschaft könnte aber die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran sein. Zur Disposition stehen bis zu 2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, die zusätzlich auf den Markt kämen. Ziel der US-Regierung dürfte ein langfristig belastbarer, aber für die USA verbesserter Atom-Deal sein. Bis dahin ist es ein weiter Weg, daher dürften die Sanktionen vorerst nur marginal gelockert werden. Die Deutsche Bank erwartet deshalb für 2021 ein zusätzliches Ölangebot von nur 200.000 Barrel pro Tag aus dem Iran.

Starke Nachfrage aus China, Hoffnung auf ein großes US-Konjunkturpaket, schwacher US-Dollar und auf der Angebotsseite pandemiebedingte Störungen in Südamerika: Seit März kletterten die Preise für Kupfer um 60 Prozent und lagen im Oktober erstmals seit Juni 2018 wieder über der Marke von 7.000 US-Dollar je Tonne. Die Organisation der Kupferproduzenten (IWCC) rechnet für die nächsten zwei Jahre mit einem Angebotsdefizit. Deshalb bleiben bei steigender Nachfrage (2021: + 5 Prozent) die mittelfristigen Perspektiven für Kupfer gut.

Wenig Potenzial

Erstmals seit 10 Jahren waren Zentralbanken im dritten Quartal Nettoverkäufer von Gold. Nachdem im Vorjahresquartal Notenbanken noch knapp 142 Tonnen Gold erworben hatten, verkauften sie von Juli bis September netto zwölf Tonnen. Verkäufer waren: Usbekistan mit 35 Tonnen, die Türkei mit 22 Tonnen und Russland (85 Tonnen).

Goldpreis vs. US-Dollar

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 10.11.2020 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Auch die physische Nachfrage schwächelte: Die Verbraucher haben so wenig Schmuckgold wie zuletzt 2009 erworben. Während in China nur etwas weniger Gold gekauft wurde, sackte die Schmucknachfrage in Indien um 50 Prozent ab. Immerhin erwarben Investoren 2 Prozent mehr an Münzen und Barren als im dritten Quartal des Vorjahres. Auch auf der Angebotsseite machte sich Corona bemerkbar. Die Produzenten förderten wegen pandemiebedingter Unterbrechungen 3 Prozent weniger Gold. Im Oktober entwickelte sich der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) fast ausschließlich entgegengesetzt zum Kurs des US-Dollars. Konnte der Greenback zulegen, fielen die Goldnotierungen, weil das Edelmetall in Ländern außerhalb den USA teurer wurde.

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Redaktionsschluss: 12.11.2020