Quelle: Opla / Getty Images

Die Hoffnung auf eine globale Konjunkturerholung und der Renditeanstieg langlaufender Staatsanleihen insbesondere in den USA haben Gold zum Jahresstart belastet. Mit einem Verlust von rund 6 Prozent gehört die Krisenwährung zu den Rohstoffen, die sich 2021 bislang am schlechtesten entwickelt haben. Investoren schichten zudem ihre Anlagen aktuell in zyklische Metalle um. Mittel- bis langfristig könnte Gold Aufwärtspotenzial bieten, kurzfristig erscheinen weitere Rücksetzer wahrscheinlich.

Begrenztes Potenzial

Besser läuft es für ein anderes Edelmetall mit industrieller Verwendung: Platin, das zuletzt auf einem Sechs-Jahreshoch notierte. Ein Grund für die Preisrallye dürfte das Angebotsdefizit sein, das sich 2021 noch ausweiten könnte. Darauf deuten Daten aus Südafrika hin. Platin wird in Katalysatoren verbaut. Striktere CO2-Grenzwerte und eine mit Abflauen der Pandemie erhöhte Kfz-Nachfrage könnten zu Engpässen führen. Auch Investoren haben zuletzt durch ihre Nachfrage nach physischem oder als Wertpapier gehandeltem Platin die Notierungen gestützt.

Rohstoffe: Nachfragefaktor Automobil

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 26.02.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Wie bei Platin spielt auch für Nickel der Automobilsektor eine bedeutende Rolle. Der Höhenflug des Industriemetalls war zuletzt eng an die Entwicklung der Elektromobilität gekoppelt. Trotz eines vorübergehenden Preiseinbruchs in der ersten Welle der Corona-Krise legte die Notierung in den vergangenen 12 Monaten um mehr als 25 Prozent zu. Die Deutsche Bank bleibt zwar optimistisch gestimmt, ist aber skeptisch, was das weitere Preispotenzial betrifft. Zuletzt notierte Nickel wieder deutlich unter seinem 6-Jahreshoch von über 20.000 US-Dollar.

Nickel hat vom Schub im Bereich der Elektrofahrzeuge (EV) profitiert. Dies basierte auf der Annahme, dass die Nickel-Mangan-Kobalt-Batterien (NMC) mit vergleichsweise hoher Energiedichte in den kommenden Jahren an der Spitze der Entwicklung stehen werden. Inzwischen aber hat die Verwendung von Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LFP) einen Aufschwung erlebt. Von Januar bis November 2020 entfielen 41 Prozent der Batterieproduktion in China auf LFP-Batterien, deren bislang geringer Marktanteil in Europa nun auch dort bis 2025 auf 20 Prozent signifikant steigen könnte.

Grund ist die erhöhte Nachfrage nach billigeren EVs – und Batterien sind ein wichtiger Kostenfaktor. Zum Vergleich: NMC-Aggregate kosten im Schnitt 20-30, LFP-Batterien nur 5-10 US-Dollar pro kg. Außerdem birgt die Verwendung von Kobalt ein Reputationsrisiko.

Ein weiterer Faktor, der den Preisanstieg bei Nickel begrenzen dürfte, ist die zweigeteilte Klassifizierung des Metalls und das Überangebot von Nickel-Roheisen (NPI). Das Ferrometall kann in der Edelstahlproduktion das teurere raffinierte Nickel substituieren, wenn die Preise eine Toleranzgrenze überschreiten. Im Umfeld des NPI-Überangebots fahren die Notierungen für raffiniertes Nickel vorläufig mit angezogener Handbremse.

Hohe Nachfrage

Das gilt nicht für Zinn. Der Preis für das Basismetall hat sich seit Ende März 2020 verdoppelt, allein in diesem Jahr ging es um 30 Prozent aufwärts. An den Märkten herrscht momentan akute Knappheit. Die Preise für sofort lieferbares und verfügbares Zinn liegen Tausende von US-Dollar über den Notierungen an der Londoner Metallbörse (LME) für Kontrakte in drei Monaten. Auch die Lagerbestände an der LME sinken immer weiter. Die Nachfrage nach Zinn, das bei der Herstellung elektronischer Bauteile und zum Löten benötigt wird, könnte im Jahresverlauf hoch bleiben – insbesondere, wenn die erwartete Nach-Pandemie-Konjunkturerholung eintritt. Sofern das Angebot nicht zeitnah erhöht wird, dürfte hier weiteres Preispotenzial bestehen.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 04.03.2021; 16 Uhr