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Der Aufwärtstrend an den Rohölmärkten seit Ende November ist aktuell weiterhin intakt. Dazu beigetragen hat gleich zu Jahresbeginn das Online-Treffen der Organisation erdölexportierender Länder samt Kooperationspartner (OPEC+). Dabei verständigte sich das Kartell nach kontroverser Diskussion darauf, bis Ende März die geplante tägliche Fördermenge um 850.000 Barrel (1 Fass = 159 Liter) zu senken.

Das Ergebnis war auch für Marktbeobachter eine Überraschung. Denn im Vorfeld des Treffens hatte insbesondere Russland auf eine Produktionsausweitung um 500.000 Barrel pro Tag gedrängt, stieß damit aber auf Widerstand der OPEC-Staaten. Saudi-Arabien preschte schließlich vor und überraschte mit einer freiwilligen Produktionskürzung um eine Million Barrel pro Tag für die nächsten zwei Monate. Russland und Kasachstan wurde im Gegenzug erlaubt, im selben Zeitraum die Tagesproduktion um zusammen 75.000 Barrel zu erhöhen.

Fragile Nachfrage

Insbesondere der saudische Energieminister Abdulasis bin Salman verwies auf eine in manchen Bereichen weiterhin schwache und fragile Ölnachfrage. Tatsächlich könnte die zweite Coronavirus-Welle zu einem Rückschlag im 1. Quartal führen. Der globale Flugverkehr liegt immer noch um mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von vor Beginn der Pandemie. Angesichts noch zunehmender Kontakteinschränkungen und vermehrter Ausgangssperren dürfte die Mobilität weiterhin gedämpft bleiben. Im Januar und Februar könnte deshalb unter dem Strich ein Nachfragerückgang von 500.000 Barrel pro Tag gegenüber Dezember 2020 stehen.

Der freiwillige Verzicht der Saudis dürfte den Markt vor einer Überproduktion bewahren und damit die Ölnotierungen stützen. Für das 2. Quartal erwartet die Deutsche Bank eine steigende Nachfrage, wenn Impfprogramme und wärmeres Wetter die COVID-19-Neuinfektionen signifikant senken sollten. In den USA fasste die neue Regierung erste Beschlüsse: Für staatlichen Grund und Boden werden kurzfristig keine neuen Bohrlizenzen erteilt.

Die Zahl der Bohrlöcher von nordamerikanischen Produzenten stieg zuvor noch etwas an. Nach Einschätzung von Analysten dürfte sich das beschleunigen, wenn die Notierungen für die US-Ölsorte WTI die Schwelle von 60 US-Dollar pro Barrel nachhaltig überschreiten. Davon war der Markt zuletzt noch gut 10 Prozent entfernt. Die Rohöllagerbestände in den USA fielen in der vergangenen Woche um knapp zehn Millionen Barrel, was zuletzt den Preis stützte.

Anzahl der aktiven Bohrlöcher in den USA

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 28.01.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Wachsende Risiken

Im Gegensatz zu den übrigen Edelmetallen hat der Platinpreis auf aktuellem Niveau seit Jahresbeginn leicht zugelegt – war zuletzt aber immer wieder auch unter Druck geraten. Zuvor kletterte er jedoch mit rund 1.155 US-Dollar je Feinunze auf das höchste Niveau seit vier Jahren und hat sich somit gegenüber seinem zyklischen Tief im März 2020 verdoppelt.

Verantwortlich für die Kursrally ist zum einen die Angebotsseite. Ebenso wie Rhodium stammen auch 70 Prozent des weltweit geförderten Platins aus Südafrika. Die dortigen Minen leiden unter erneuten temporären Stilllegungen, sowohl wegen des Wiederaufflammens der Coronavirus-Pandemie als auch wegen Problemen bei der Stromversorgung. Zum anderen profitierte das Edelmetall auch von robuster Nachfrage nach börsengehandelten, mit physischem Platin hinterlegten Zertifikaten. Auch die physische Nachfrage aus dem asiatischen Raum zog an. Obgleich die Minen in Südafrika im Jahresverlauf ihre Produktion steigern dürften, könnte Platin wegen anziehender industrieller Nachfrage dennoch 2021 das interessanteste Edelmetall bleiben.

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Redaktionsschluss: 04.02.2021, 16 Uhr