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In Asien, Europa und den USA nimmt die Konjunktur nach dem Corona-Schock wieder Fahrt auf. Doch der Aufschwung bleibt zunächst fragil – zumal eine zweiten Infektionswelle im Herbst in einigen Regionen durchaus ein realistisches Szenario sein könnte. An den Kapitalmärkten sind die Akteure zwar überwiegend erstaunlich optimistisch, beobachten aber wachsam das Infektionsgeschehen und reagieren auf die aktuelle Entwicklung der Pandemie.

Kleiner Lichtblick

Die jüngsten Konjunkturprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Welthandelsorganisation (WTO) vermitteln weiterhin ein eher düsteres Bild. Der IWF hat die globalen Wachstumserwartungen für dieses Jahr auf –4,9 Prozent und für 2021 auf 5,4 Prozent erneut nach unten korrigiert. Im April hatten die Experten für 2020 noch mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Höhe von „nur“ 3 Prozent und für 2021 mit einem stärkeren BIP-Zuwachs um 5,8 Prozent gerechnet. Für die USA werden in diesem Jahr –8,0 Prozent, für China 1 Prozent, für die Eurozone satte –10,2 Prozent und für Deutschland –7,8 Prozent prognostiziert. Allerdings erwartet der IWF bereits im 3. Quartal wieder eine spürbare wirtschaftliche Expansion.

Die Volkswirte der WTO rechnen mit einem Einbruch des Welthandels im 2. Quartal um 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im 1. Quartal hielt sich das Minus mit 3 Prozent noch in moderaten Grenzen. Aufgrund der diversen umfangreichen Konjunkturpakete ist die WTO inzwischen etwas optimistischer gestimmt als noch im April. Für 2021 prognostiziert sie Zuwächse beim globalen Handel zwischen 21 und 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Frisches Geld

Unterdessen wird es immer wahrscheinlicher, dass die US-Regierung ein viertes Konjunkturpaket zur weiteren Stabilisierung der Wirtschaft schnürt. Mit „Fiscal Four“ schielt US-Präsident Donald Trump sicherlich auch auf seine mögliche Wiederwahl im November, die nach aktuellen Umfragen stark gefährdet ist. Die Demokraten werden sich nicht gegen ein weiteres Hilfsprogramm sperren, haben sie doch bereits selbst einen Hilfsplan in Höhe von 3 Billionen US-Dollar vorgelegt. Ein reines Infrastrukturprogramm im Volumen von 1 Billion US-Dollar, wie es die Trump-Administration in den Raum gestellt hat, dürfte im Kongress aber abgelehnt werden.

Eile ist geboten: Ende Juli läuft in den USA die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung aus. Ohne eine Einigung in diesem Punkt würden Betroffene über Nacht rund zwei Drittel ihres Einkommens verlieren – keine gute Voraussetzung für eine konjunkturelle Erholung. Außerdem gehen die Abgeordneten dann in den Sommerurlaub. Deshalb könnte „Fiscal Four“ noch vor dem 31. Juli beschlossen werden. Der Umfang dürfte wohl höchstens bei 1,5 Billionen US-Dollar liegen. Nicht die Demokraten, sondern Trumps Republikaner stehen auf der Bremse. Sie wollen die ausufernde Staatsverschuldung eindämmen.

„Fiscal Four“ könnte auf fünf Elementen fußen. Sehr wahrscheinlich umfasst es einen neuen Hilfsfonds für Bundesstaaten und Kommunen. Auch eine Verlängerung der Notfall-Arbeitslosenversicherung bis zum Jahresende dürfte enthalten sein. Um keine falschen Anreize bei der Jobsuche zu setzen, könnte sie monatlich verringert werden. Kleine Unternehmen dürfen ebenfalls mit weiteren Zuschüssen rechnen. Größere Unternehmen können wiederum auf die direkte Erstattung der Körperschaftssteuer hoffen, private Haushalte auf einen zweiten Scheck (Helikoptergeld). Unter dem Strich könnte „Fiscal Four“ das US-Defizit um rund 6 Prozent des BIP erhöhen und das Wirtschaftswachstum 2020 um 2 bis 3 Prozentpunkte stärken.

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Redaktionsschluss: 09.07.2020