Asien, Europa, USA – der konjunkturelle Tiefpunkt der Coronavirus-Krise ist vorerst überwunden, die globale Wirtschaft auf Erholungskurs. Im Juni hat der Welthandel im Vormonatsvergleich um 7,6 Prozent zugelegt – so stark wie noch nie. Konjunkturelle Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich der Aufwärtstrend im Juli und August fortgesetzt hat. In einigen asiatischen Ländern liegen die Exporte schon wieder nahe am Vorkrisenniveau, in China sogar darüber. Asien profitiert in besonderem Maße vom globalen Wachstum der Nachfrage nach digitalen und medizinischen Produkten im Zuge der Pandemie. Dank der schnellen Erholung der chinesischen Wirtschaft zogen zuletzt auch die Exporte in den großen Industriestaaten an.

Im August überraschte zudem die Stimmung der chinesischen Einkaufsmanager positiv. Im Dienstleistungssektor kletterte der einschlägige Index auf 55,2 Punkte. Das ist der höchste Stand seit Januar 2018. Der leichte Rückschlag beim Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ist kaum der Rede wert. Der zukunftsorientierte Teilindex für die Auftragseingänge ist den vierten Monat in Folge gestiegen – ein weiterer Beleg dafür, dass der Aufschwung in China weiterhin auf einem breiteren Fundament steht.

Wichtiger Konsum

Eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Dynamik in Corona-Zeiten spielt der private Konsum. Asiatische Staaten, in denen die Pandemie schnell eingedämmt wurde, verzeichneten entweder einen relativ moderaten Rückgang der Einzelhandelsumsätze und/oder kehrten innerhalb relativ kurzer Zeit zum Vorkrisenniveau zurück. In China brachen die Umsätze zwischen Dezember und Februar um dramatische 43 Prozent ein, lagen aber bereits drei Monate nach dem Ende des Lockdowns wieder auf normalem Niveau. Ähnlich verlief die Entwicklung in Vietnam.

Optimistisch stimmt in diesem Zusammenhang der US-Einkaufsmanagerindex, der im August mit 54,6 Punkten ein 18-Monatshoch markierte. Der Anstieg gegenüber dem Juli-Wert betrug satte 4,4 Punkte und bestätigt die Einschätzung, dass sich die US-Wirtschaft seit dem dramatischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal auf Expansionskurs befindet.  Trotz eines weiterhin starken Infektionsgeschehens und Rekordarbeitslosigkeit in den USA scheint der Dienstleistungssektor in guter Verfassung zu sein. Das lässt positive Rückschlüsse auf den privaten US-Konsum zu, der mit rund 70 Prozent zum BIP beiträgt und eine wichtige Säule der US-Konjunktur ist.

Positive Überraschung

Neue Impulse würden auch der Konjunktur der Eurozone guttun: Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für August signalisieren, dass der Aufschwung langsam an Dynamik verliert. Der sektorübergreifende Stimmungsindex gab um 3,0 auf 51,9 Punkte nach. Das hat die Volkswirte, die einen zum Vormonat unveränderten Wert prognostiziert hatten, negativ überrascht. Besonders deutlich gab der PMI für den Dienstleistungssektor nach: von 54,7 auf 50,5 Punkte. Immerhin bleibt er damit knapp oberhalb der Expansionsschwelle. Weniger skeptisch gestimmt sind die Einkaufsmanager aus dem Verarbeitenden Gewerbe – der PMI dort fiel um lediglich einen Punkt auf 51,7 Zähler. 

Für eine positive Überraschung sorgten dagegen erneut Daten aus Deutschland. Die Wirtschaftsleistung ist mit 9,7 Prozent im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal nicht ganz so stark eingebrochen wie ursprünglich gemeldet (–10,1 Prozent). Außerdem wurden nun auch Detaildaten zur Entwicklung des BIP veröffentlicht. Besonders kräftige Rückgänge verzeichneten im abgelaufenen Quartal die Exporte (–20,3 Prozent) und die Ausrüstungsinvestitionen (–19,6 Prozent).

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Redaktionsschluss: 10.09.2020