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Die Corona-Krise hat bestehende globale Ungleichgewichte zumindest teilweise noch verschärft. So verdoppelte sich Chinas Leistungsbilanzüberschuss 2020 gegenüber 2019 nahezu auf 310 Milliarden US-Dollar (USD). Der Anstieg des Saldos resultierte vor allem aus einer Zunahme der Nettoexporte, da chinesische Unternehmen erheblich von der zusätzlichen Nachfrage im Zusammenhang mit Corona (elektronische Ausrüstungsgüter, medizinische Schutzausrüstung) profitierten. Weltweite Reisebeschränkungen haben andererseits Chinas Dienstleistungsdefizit um fast 110 Milliarden USD verringert; dies hat ebenfalls maßgeblich zum Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses beigetragen.

Hohes Defizit

Das gegenteilige Bild zeigt sich in den USA. Deren chronisch defizitäre Leistungsbilanz hat sich im Pandemiejahr weiter verschlechtert. Der Fehlbetrag im Warenhandel ist um mehr als 40 Milliarden USD angewachsen. Gleichzeitig sanken die Überschüsse in der Dienstleistungsbilanz gegenüber 2019 um 55 Milliarden USD. Darüber hinaus sind die Erträge von US-Bürgern aus im Ausland angelegtem Vermögen coronabedingt um 50 Milliarden USD eingebrochen.

Volkswirtschaft: Defizite der Pandemie

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 26.02.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Deutschland, das nach China mit 261 Milliarden USD den höchsten Leistungsbilanzüberschuss ausweist, meldet einen leichten Rückgang. Die Veränderung fiel im Vergleich zu den USA oder China aber gering aus. Dennoch bleibt der Leistungsbilanzsaldo mit 6,9 Prozent (2019: 7,1 Prozent) des Bruttoinlandsprodukts (BIP) weiterhin recht hoch. Damit liegt er zwar deutlich unter dem 2015er-Höchststand von 8,6 Prozent, aber eben auch über der EU-Zielvorgabe von 6 Prozent.

Mehr Schulden

Nicht kleckern, klotzen – das galt schon unter der Regierung von Donald Trump. Im Rahmen der Pandemiebekämpfung kletterte das öffentliche US-Defizit auf über 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Vorausgesetzt Präsident Joe Biden bekommt sein geplantes Fiskalprogramm durch den Kongress, dürfte der Fehlbetrag 2021 mit fast 10 Prozent erneut einen relativ hohen Wert erreichen. Dann könnte die Bruttoverschuldung des Bundeshaushalts erstmals seit den 1940er-Jahren auf mehr als 100 Prozent des BIPs ansteigen. Die Langfristprognose für die Verschuldungsquote wurde bereits von 180 auf 200 Prozent im Jahr 2050 angehoben.

Sorgen über die Schuldentragfähigkeit der USA halten sich mit Blick auf die gesunkene Zinsbelastung des Staates aber in Grenzen. So sind die durchschnittlichen Zinszahlungen in Relation zum BIP von über 8 Prozent im Jahr 1985 auf zuletzt unter 2 Prozent zurückgegangen – während sich die Schulden gemessen an der Wirtschaftsleistung verdoppelt haben. Zur Beurteilung der langfristigen Schuldentragfähigkeit ist vor allem das Verhältnis von Zinsniveau und nominalem BIP-Zuwachs relevant: Bei einem Wirtschaftswachstum über Zinsniveau ist ein bestimmtes Haushaltsdefizit möglich, ohne dass die Verschuldungsquote weiter ansteigt.

Seit der Großen Finanzkrise 2008 liegt das nominale US-Wachstum wieder über dem Zins, wobei die Differenz im Durchschnitt allerdings nur 0,7 Prozentpunkte beträgt. Um die Verschuldungsquote der USA zu stabilisieren, reicht es heute aber, das Defizit auf 3 Prozent zu begrenzen. Gelingt es der Geldpolitik, die Refinanzierungskosten für die öffentliche Hand auf dem aktuell niedrigen Stand zu halten, während gleichzeitig Inflation und nominales BIP-Wachstum anziehen, könnte sich der fiskalische Spielraum sogar noch vergrößern. Allerdings stiegen die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen zuletzt an. Denn mit der Konjunkturerholung, die sich auch in stark gestiegenen Einzelhandelsumsätzen zeigt, und dem geplanten Fiskalpaket in Höhe von rund 1,9 Billionen USD nehmen derzeit auch die Inflationserwartungen zu.

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Redaktionsschluss: 04.03.2021; 12 Uhr