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Am europäischen Konjunkturhimmel ziehen einige dunkle Wolken auf. Der ifo Geschäftsklimaindex, verlässliches Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft, ist im Januar um 1,1 auf 90,1 Punkte gesunken. Die 9.000 befragten Unternehmer bewerteten dabei im Durchschnitt sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die nahe Zukunft als schlechter.

Besonders heftig brach das Klima im Handel ein. Der Lage-Indikator rutschte in den negativen Bereich und die Zukunftserwartungen trübten sich ebenfalls massiv ein – möglicherweise ein Hinweis auf eine geringere Dynamik des Welthandels. Die zweite Corona-Welle habe die starke Konjunkturerholung in Deutschland nach dem ersten Lockdown vorerst beendet, lautet das Fazit des ifo-Instituts. Allerdings erwarten die ifo-Forscher für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,6 Prozent. Bundesbank und Bundesregierung gehen aktuell von 3 Prozent Plus aus.

Kräftiger Aufschwung

Die Deutsche Bank rechnet damit, dass der verlängerte Lockdown den Jahresstart verhagelt – ein Rückgang des BIP im 1. Quartal ist wahrscheinlich. Obwohl der Impfstart in Deutschland bisher eher schleppend verläuft, könnte die konjunkturelle Erholung im Frühjahr stark ausfallen, weil saisonale Einflüsse die Pandemie eindämmen dürften. Die Beschränkungen sollten dann zurückgefahren werden.

Eine wichtige Rolle für die Konjunkturerholung dürften die Verbraucher spielen. Die Haushalte verfügen dank staatlicher Einkommenshilfen und einer durch die Lockdowns quasi erzwungenen hohen Sparquote über große finanzielle Reserven. Der private Konsum könnte 2021 mit rund 5 Prozent stärker zulegen als das BIP insgesamt. Die Deutsche Bank rechnet im Verlauf des 2. Halbjahres mit einer Rückkehr der Wirtschaftsleistung auf Vorkrisenniveau.

Das hat auch damit zu tun, dass die deutsche Wirtschaft 2020 besser als bedacht durch die Krise gekommen ist. Der BIP-Einbruch um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr fiel geringer aus als 2009 zu Beginn der Großen Finanzkrise (-5,7 Prozent). Damit dürfte Deutschland auch im internationalen Vergleich relativ gut dastehen.

Der etwas moderatere BIP-Einbruch hat außerdem die öffentlichen Kassen ein wenig geschont. Mit 4,8 Prozent des BIP fiel das Budgetdefizit deutlich kleiner aus als prognostiziert. Zum Vergleich: In den Euroländern Frankreich, Italien und Spanien werden Fehlbeträge zwischen 11 und 13 Prozent erwartet. Allerdings wurde in Deutschland auch ein Teil der Corona-Hilfen in dieses Jahr verschoben.

Öffentliches Defizit ausgewählter Staaten und Regionen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 28.01.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Hohe Belastung

Trotz des Freihandelsabkommens mit der EU müssen die Briten mit erheblichen wirtschaftlichen Belastungen durch den Brexit rechnen. Infolge des Austritts sind wesentliche nicht-tarifäre Handelshemmnisse entstanden. Unterschiedliche Sicherheits- und Gesundheitsstandards für tierische und pflanzliche Produkte erfordern doppelte Zertifizierungen, möglicherweise sogar den Aufbau zusätzlicher Produktionslinien. Auch der administrative Aufwand etwa durch Zollformalitäten steigt.

Allein die nicht-tarifären Handelshemmnisse dürften das britische BIP kurzfristig um etwa 0,6 Prozent belasten. Ohne Handelserleichterungen insbesondere bei Dienstleistungen könnten die Belastungen langfristig sogar 5-10 Prozent des BIPs erreichen. Da Großbritannien die Corona-Pandemie bislang nicht im Griff hat und inzwischen den dritten harten Lockdown durchläuft, erwartet die Deutsche Bank eine erneute Rezession. Nach einem Minus von rund 1 Prozent im 4. Quartal 2020 droht für das laufende Quartal ein weiterer Rückgang um 1,4 Prozent. Dank der Impfoffensive könnte die erwartete Konjunkturerholung aber aufgrund des hohen Dienstleistungsanteils der britischen Wirtschaft relativ stark ausfallen.

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Redaktionsschluss: 04.02.2021, 16 Uhr