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An den Börsen wird die Zukunft gehandelt – und die ist grün(er). Der Zufluss in nachhaltige Investmentfonds reißt nicht ab. Im November sind nach Bloomberg-Berechnungen rund 7,2 Milliarden US-Dollar in europäische und US-amerikanische Exchange Traded Funds (ETFs) geflossen, 50 Milliarden US-Dollar seit Jahresbeginn. Der Nachfrageschub für ESG-Fonds, die neben ökologischen (Environment) und sozialen Aspekten (Social) auf verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) setzen, ist auch eine Reaktion auf politische Entwicklungen.

So haben sich Japan, Korea, die Europäische Union und die USA bis 2050 zur Klimaneutralität verpflichtet, China will dieses Ziel bis 2060 erreichen. Die Konjunkturpakete, die in der EU und von der künftigen US-Regierung unter Joe Biden auf den Weg gebracht werden, sind in Teilen auch Steuerungsinstrumente für den langfristigen Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Finanzanalysten haben berechnet, dass der Klimawandel bis 2030 jährlich mehr als 3 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) an volkswirtschaftlichem Schaden verursacht. Bis Ende des Jahrhunderts könnten sich die Kosten unter Berücksichtigung von Extrem-Wetterereignissen, Massenmigration und wachsender Ungleichheit auf 69 Billionen US-Dollar belaufen. Die Umsätze für Lösungen im Bereich des Klimaschutzes könnten bis 2025 auf rund 2 Billionen US-Dollar zulegen.

Verfügbare Einkommen

Vergleichsweise kräftig könnte sich die US-Wirtschaft erholen. Die Regierung wird wahrscheinlich wieder stärker den Multilateralismus pflegen. Gleichzeitig verhindert die geteilte Macht im Kongress, dass der künftige US-Präsident Joe Biden allzu viele Forderungen der Parteilinken um Bernie Sanders umsetzen kann. Eine stärkere Regulierung der Wirtschaft oder auch nur die teilweise Rücknahme von Trumps Steuerreform wären aus Sicht von Unternehmern und Investoren keine gute Idee.

Im Unterschied zu früheren Rezessionen sind die verfügbaren Einkommen in den USA während der Corona-Krise dank staatlicher Hilfen zeitweise um mehr als 10 Prozent gestiegen. Die Privathaushalte haben aus Verunsicherung über ihre wirtschaftliche Zukunft rund eine Billion US-Dollar zusätzlich gespart. Nun wächst die Zuversicht, dass durch Impfungen das Virus besiegt wird und Alltagsbeschränkungen bald Geschichte sind. Ein Großteil des angesparten Geldes dürfte dann schnell in den Konsum fließen und das BIP-Wachstum anschieben. Die US-Konjunkturerholung sollte deshalb im Verlauf von 2021 Fahrt aufnehmen.

Globaler Aufschwung

Die Weltwirtschaftsleistung dürfte schon im zweiten Quartal 2021 auf den Ausgangswert von vor der Krise zurückkehren – auch weil China und andere asiatische Länder den Krisenmodus weitgehend hinter sich gelassen haben. Mit einer schnellen Normalisierung sinkt das Risiko nachhaltiger wirtschaftlicher Belastungen durch die Coronavirus-Krise: Das Potenzialwachstum wird weniger stark beeinträchtigt, der Anstieg der Unternehmensinsolvenzen fällt geringer aus, während sich die Staaten nicht noch höher verschulden müssen. Das sind gute Nachrichten für die Märkte, die sich im neuen Jahr über mehr Wachstum bei gleichzeitig moderateren Risiken freuen können.

Covid-19 beherrscht die Märkte

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 19.11.2020 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 dürfte sich positiv auf die Konjunkturentwicklung der Schwellenländer auswirken. Den größten ökonomischen Nutzen haben mutmaßlich Staaten, deren wirtschaftliches Wohlergehen besonders stark von Sektoren abhängt, die unter dem „social distancing“ leiden. Dazu gehören etwa die Türkei oder Mexiko, die normalerweise hohe Einnahmen aus dem Tourismussektor verbuchen.

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Redaktionsschluss: 10.12.2020