Volkswirtschaft/Geldpolitik – 08.10.20

Demokraten oder Republikaner – wer lässt die US-Börsen klettern?

Quelle: Eyeem

Die wichtigsten Fakten:

  • Insbesondere unter demokratischen Präsidenten legte der US-Leitindex S&P 500 zu
  • Dafür gibt es ökonomische Gründe
  • In Wahljahren herrscht an den Börsen von jeher Unsicherheit

Betrachtet man die Entwicklung des US-amerikanischen Leitindex S&P 500 seit 1948, so fällt auf: In den acht Amtszeiten demokratischer Staatslenker konnten die Kurse durchschnittlich stärker zulegen als in den neun Amtszeiten republikanischer Präsidenten.

Demokraten oder Republikaner – wer lässt die US-Börsen klettern?

Anfang der 1970er-Jahre stand der republikanische US-Präsident Richard Nixon an der Spitze der Vereinigten Staaten. Um im Zuge des israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieges Druck auf die israelfreundlichen USA auszuüben, drehte die mehrheitlich arabische Organisation erdölexportierender Länder, OPEC, den Vereinigten Staaten im Oktober 1973 den Ölhahn zu. Innerhalb kürzester Zeit schoss der Ölpreis um rund 70 Prozent nach oben. Durch die plötzlich gestiegenen Energiepreise geriet die Wirtschaft unter Druck und der US-amerikanische Leitindex S&P 500 gab deutlich nach.

Plausible ökonomische Gründe

Wie das Beispiel Nixon zeigt, gibt es für das schwächere Abschneiden der Aktienmärkte unter republikanischen Präsidenten plausible Gründe: Sowohl während der ersten Ölpreiskrise Anfang der 1970er-Jahre als auch 2008, als die internationalen Kapitalmärkte von der Finanzkrise erschüttert wurden, und 2020 während der Coronavirus-Pandemie stand ein Republikaner an der Spitze der USA. Demokratische Präsidenten konnten hingegen oft von einem vorteilhaften makroökonomischen Umfeld profitieren – beispielsweise Bill Clinton, in dessen Amtszeit der Internetboom fiel. Demokraten sind also nicht automatisch die „besseren“ Präsidenten für die US-Aktienmärkte: Insgesamt erlebten die Vereinigten Staaten seit 1948 elf Rezessionen – von denen lediglich drei in die Amtszeiten von demokratischen Präsidenten fielen.

In Wahljahren herrscht Unsicherheit an den Finanzmärkten

Ob die USA künftig vom Republikaner Donald Trump oder vom Demokraten Joe Biden geführt werden – und welche Politik der künftige Amtsinhaber konkret verfolgen wird und kann –, ist aktuell noch vollkommen offen. Aus diesem Grund herrscht an den Finanzmärkten derzeit eine vergleichsweise hohe Unsicherheit. Schon früher belasteten Präsidentschaftswahlen die Entwicklung der US-amerikanischen Aktienmärkte: Im vierten Jahr einer Präsidentschaft entwickelte sich der Leitindex seit 1948 durchschnittlich am schwächsten. In den drei folgenden Jahren ging es im Schnitt jeweils nach oben. 

Mindestens bis zum Wahltag am 3. November sollten sich Anleger also noch auf eine vergleichsweise hohe Unsicherheit an den Kapitalmärkten einstellen – bevor schließlich wieder die fundamentalen wirtschaftlichen Daten in den Fokus rücken dürften. Und die haben sich nach dem coronabedingten Einbruch der vergangenen Quartale für die USA und die Welt mittlerweile wieder deutlich verbessert. Die Deutsche Bank geht aktuell davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der USA bereits Mitte 2021 wieder auf Vorkrisenniveau liegen könnte. Allerdings: Bis ein amtliches Wahlergebnis vorliegt, könnte es aufgrund der erwarteten hohen Briefwahlbeteiligung dieses Mal etwas länger dauern. Ruhe und Geduld ist bei Anlegern also weiterhin gefragt.

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Redaktionsschluss: 08.10.2020