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Aktien – 11.05.21

Aktien: Zykliker mit Bewertungsabschlag

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Aktienbewertungen in einigen Sektoren sinken
  • Vor allem konjunktursensible Titel wurden zuletzt günstiger
  • Zykliker könnten für Anleger auch weiterhin interessant bleiben

Anleger blickten zuletzt mit Sorge auf die teilweise recht hoch erscheinenden Bewertungen an den Aktienmärkten. In den ersten vier Monaten des Jahres sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) insbesondere in den konjunktursensiblen Sektoren jedoch wieder deutlich gesunken. Denn im Zuge der voranschreitenden Impfkampagnen haben sich in vielen Ländern die wirtschaftlichen Aussichten aufgehellt und viele Unternehmen konnten in der laufenden Berichtssaison für das erste Quartal 2021 unerwartet hohe Gewinne vermelden. Sowohl in den USA als auch in Europa übertrafen bislang fast drei Viertel der Unternehmen die jeweiligen Gewinnerwartungen der Analystengemeinde – im Schnitt um 37 Prozent (USA) beziehungsweise 18 Prozent (Europa). Auch hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung herrscht dies- und jenseits des Atlantiks Optimismus. Während die Analysten ihre Gewinnprognosen daraufhin zum Teil deutlich anhoben, fielen die Kursreaktionen vergleichsweise moderat aus – viele Anleger schienen die positive Entwicklung zuvor bereits eingepreist zu haben.

Bewertungsentwicklung orientiert sich an Aktienmarktzyklen

Bei der Einordnung der Bewertungsniveaus von Aktien ist zu beachten, dass die Zyklen am Aktienmarkt nicht selten nach einem bestimmten Muster verlaufen. Auf eine „Verzweiflungsphase“ in der Rezession, die Unternehmensgewinne und Kurse nach unten zieht, folgt häufig eine „Hoffnungsphase“, in der die Anleger die bei einer antizipierten Konjunkturerholung zu erwartenden Gewinnzuwächse einpreisen. Da gleichzeitig die Analysten ihre Gewinnprognosen oft nur zögerlich anheben, schießen die klassischen Bewertungskennzahlen wie das KGV in dieser Phase in die Höhe. In der anschließenden „Wachstumsphase“ müssen die Unternehmen dann in die Bewertungen hineinwachsen, indem sie ihre Gewinne tatsächlich entsprechend steigern – positive Gewinnrevisionen der Analysten sorgen dann für sinkende Bewertungen. Geht man von diesem Muster aus, könnten sich die Aktienmärkte aktuell am Beginn der Wachstumsphase befinden.

„Die Bewertungen in einigen zyklischen Sektoren sind zuletzt gesunken – das könnte Chancen für den Einstieg bieten.“

Zykliker mit Bewertungsabschlägen

In Europa verzeichnen vor allem Grundstoff- und Energietitel (jeweils 20 Prozent) sowie Aktien aus dem Automobilsektor (6 Prozent) trotz zum Teil hoher Kurszuwächse gegenüber dem Jahresbeginn merkliche Bewertungsrückgänge. In den USA werden neben Energie (32 Prozent) und Grundstoffen (5 Prozent) auch die Bereiche Hardware und Banken (jeweils 12 Prozent) deutlich günstiger gehandelt. Dies ist kaum verwunderlich, denn besonders in diesen Sektoren waren die Gewinne in der Rezession stark eingebrochen und konnten sich nun entsprechend deutlich erholen.

Einen Bewertungsanstieg verzeichneten hingegen europäische Einzelhandels-, Medien- und Technologiekonzerne. Hier überstiegen die Kurszuwächse die positiven Gewinnrevisionen. Ähnliches gilt in den USA für Titel aus den Bereichen Konsumdienstleistungen und Transport, etwa Hotels, Gastronomiebetriebe und Fluglinien. Hier haben die Gewinnprognosen sogar deutlich nachgegeben.

Bewertungen könnten weiter sinken

Betrachtet man die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in Bezug auf die für 2022 prognostizierten Gewinne, so fallen bei einigen zyklischen Sektoren die positiven Gewinnrevisionen nach wie vor noch größer aus als die Kurszuwächse. Die Marktteilnehmer sollten in den kommenden Monaten vor allem jene Unternehmen honorieren, deren Gewinne sich dynamisch erholen. Dazu zählen insbesondere Titel aus dem Energie-, Grundstoff- und Finanzsektor.

Für entsprechend risikobereite Anleger könnten, im Kontext eines breit gestreuten Wertpapierdepots, in der aktuellen Marktphase insbesondere konjunktursensible Aktientitel, die sich durch eine günstige Bewertung im Vergleich zum Gesamtmarkt auszeichnen, interessante Anlageperspektiven bieten. Regional könnten diesbezüglich vor allem die Aktienmärkte in Europa und Japan im Anlegerfokus stehen, die in der Breite stärker zyklisch ausgerichtet sind als andere Märkte.

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Redaktionsschluss: 10.05.2021,12:30 Uhr