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Aktien – 01.04.2021

Aktienmärkte: Was gegen eine Blase sprechen könnte

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Kurse an den Aktienmärkten sind zuletzt deutlich gestiegen
  • Sorgen vor einer bevorstehenden Blase erscheinen unbegründet
  • Coronavirus und Notenbankpolitik als Unsicherheitsfaktor

Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie vor rund einem Jahr haben Wirtschaft und Märkte eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt. Fast überall folgte auf einen Rekordeinbruch im Frühjahr 2020 eine schnelle Erholung. Viele bedeutende Indizes weltweit haben mittlerweile sogar neue Rekordstände erreicht – so wie der US-amerikanische Leitindex S&P 500, der zu Beginn der Krise noch um etwa ein Drittel eingebrochen war. Bei einigen Marktteilnehmern wächst in diesem Umfeld die Sorge vor einer Blasenbildung und baldigen Korrektur der Börsenkurse. Zwar bestehen weiterhin Risiken wie die Coronavirus-Pandemie, die Spannungen zwischen China und den USA oder ein plötzlicher starker Zinsanstieg. Insgesamt rechnet die Deutsche Bank in absehbarer Zeit jedoch nicht mit einer Überhitzung an den Aktienmärkten – und das aus mehreren Gründen.

„Trotz starker Kurszuwächse: Sorgen vor einer Aktienmarktblase scheinen aktuell unbegründet.“

Zunächst einmal bedeutet nicht jeder stärkere Kursanstieg automatisch die Bildung einer Blase. Vielmehr zeigen Untersuchungen, dass in den vergangenen 100 Jahren nach einer Kursverdoppelung in einer nachfolgenden Konsolidierung die Gewinne nur mit einer eher geringen Wahrscheinlichkeit wieder vollständig abgegeben wurden. Hinzu kommt, dass wesentliche Merkmale einer Blasenbildung auf das aktuelle Marktumfeld nicht zutreffen:

Merkmal 1: extreme Bewertungen

In der Vergangenheit führten unrealistische Erwartungen der Marktteilnehmer an die zukünftigen Preis- bzw. Ertragsentwicklungen immer wieder zu sehr hohen Bewertungen von Vermögenswerten. Zu beobachten war dies beispielsweise während der New-Economy-Blase in den späten 1990er-Jahren in Bezug auf Techaktien und vor der globalen Finanzkrise mit Blick auf die Hauspreise in den USA. Zwar sind die Bewertungen der Aktienmärkte auch in den vergangenen Monaten auf hohe Niveaus gestiegen – und Aktien damit zum Teil bereits teuer –, die Dimensionen der Bewertungsausweitungen sind aber deutlich geringer als um die Jahrtausendwende. Zudem wurden die zuletzt starken Kursgewinne etwa bei Techaktien maßgeblich durch deutliche Umsatz- und Gewinnzuwächse der entsprechenden Unternehmen getragen – ein Aspekt, der auf die meisten New-Economy-Aktien nicht zutraf.

Gegen extreme Bewertungen spricht aktuell auch die anhaltend hohe Risikoprämie von Aktien. Das bedeutet: Im Vergleich zu als sicher geltenden Staatsanleihen bieten Aktien nach wie vor einen interessanten Renditevorsprung. Im S&P 500 beispielsweise liegt die Dividendenrendite derzeit in etwa auf dem Niveau Ende der 1990er-Jahre, während die Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen heute um mehr als 4 Prozentpunkte niedriger liegt als damals.

Merkmal 2: hohe Zuflüsse

Anders als in vergangenen Blasenzeiten ist aktuell kein übermäßiger Kapitalzufluss in die Aktienmärkte zu beobachten. Zwar wurde in den letzten Monaten deutlich mehr Geld in Aktien investiert, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus: Die kumulierten Nettozuflüsse privater US-Anleger in Aktien seit der globalen Finanzkrise beispielsweise liegen nach wie vor im negativen Bereich.

Merkmal 3: besorgniserregende Überschuldung

Ein zentrales Merkmal vieler vorangegangenen Finanzmarktblasen fehlt aktuell ebenfalls, nämlich eine massive Überschuldung. Zwar stieg die Bruttoverschuldung privater Haushalte und Unternehmen in den USA in den vergangenen Jahren an, zugleich legten aber auch die Ersparnisse zu. In Relation zum Eigenkapital weisen damit weder US-Haushalte noch Unternehmen eine historisch betrachtet besonders hohe Verschuldung auf. Das gilt umso mehr angesichts tendenziell gesunkener Finanzierungskosten. Selbst der US-Staat muss im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt trotz einer deutlich gestiegenen Verschuldung heute rund 50 Prozent weniger Zinsen zahlen als zur Jahrtausendwende.

Aktienmarkttrend weiterhin intakt

Nach Ansicht der Deutschen Bank spricht derzeit also vieles gegen eine Blasenbildung an den Aktienmärkten – mit phasenweise auch größeren Kursschwankungen ist wegen der hohen Bewertungen einzelner Sektoren auf absehbare Zeit aber zu rechnen. Anleger sollten hier die wesentlichen Risikofaktoren nicht außer Acht lassen: Neben einer weiteren Verschärfung der Coronavirus-Pandemie ist dies vor allem ein schneller Zinsanstieg.

Zum einen bleibt abzuwarten, wie die Marktteilnehmer auf möglicherweise weiter steigende Zinsen im Zuge anziehender Inflationserwartungen reagieren. Die Fed zumindest zeigt sich aktuell noch gelassen: Mit einer ersten Leitzinsanhebung in den USA rechnet die Deutsche Bank erst 2023. Zuvor könnte die Fed jedoch damit beginnen, ihr Anleiheankaufprogramm zurückzufahren – erste Diskussionen darüber werden zum Jahresende erwartet.

Zum anderen wird es darauf ankommen, wie die Notenbanken ihren jeweiligen geldpolitischen Wandel später konkret einleiten werden. Sollten sie die Zinsen zu schnell oder stark erhöhen, könnte das die Wirtschaft und die öffentliche Hand belasten und zu einer Kurskorrektur an den Börsen führen.

Zumindest bis dahin könnte sich der positive Aktienmarkttrend jedoch fortsetzen. Im Zuge der erwarteten konjunkturellen Erholung und möglicher weiterer fiskalischer Stimuli – beispielsweise im Rahmen des von der US-Regierung geplanten Billionen US-Dollar schweren Infrastrukturprogramms – scheinen dabei insbesondere zyklische Titel und Sektoren interessante Perspektiven zu bieten.

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Redaktionsschluss: 31.03.2021, 15:00 Uhr