Aktien – 26.05.20

Asiatische Aktien: gute Vorzeichen für die Zukunft

Die wichtigsten Fakten:

  • Seit der Finanzkrise 2008/2009: Asienaktien entwickeln sich schwächer als US-Papiere
  • Trendumkehr scheint möglich
  • Für Kurspotenzial in Asien könnten unter anderem günstige Bewertungen sorgen

Quelle: LIAO XUN / Getty Images

Von seiner Auflegung Ende der 1980er-Jahre an entwickelte sich der MSCI AC Asia ex Japan viele Jahre lang besonders gut: Der heute rund 1.200 asiatische Unternehmen umfassende Index zeigte eine deutlich bessere Wertentwicklung als seine globale Konkurrenz – inklusive des US-Markts. In den Jahren bis 1994 beispielsweise betrug die Outperformance – also der Vorsprung in der Wertentwicklung – gegenüber dem US-Leitindex S&P 500 mehr als 200 Prozentpunkte. Mit der großen Finanzkrise kehrte sich dieses Bild komplett um: Seit den Krisenjahren 2008/2009 wies der MSCI AC Asia ex Japan bis dato in jedem Jahr eine schwächere Wertentwicklung auf als der S&P 500.

Verlangsamte Globalisierung belastet Asiens Volkswirtschaften

Die Gründe für diese Underperformance sind vielfältig. Lange Zeit hatten die exportorientierten asiatischen Volkswirtschaften in besonders hohem Maße von der fortschreitenden Globalisierung und der zunehmenden weltweiten Arbeitsteilung profitiert. Mit der Finanzkrise schwächten sich diese Trends jedoch ab: Seither stagniert der weltweite Handel beziehungsweise ist sogar zurückgegangen, wenn man seinen Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt betrachtet. Ein weiterer Dämpfer für asiatische Aktien war das gleichzeitige Ende des Rohstoff-Superzyklus: Die Preise für Öl und Industriemetalle gerieten unter Druck, was insbesondere Rohstoffexporteure wie Indien oder Indonesien belastete. Darüber hinaus ging in China auch eine Phase der äußerst expansiven Fiskalpolitik zu Ende. Diese hatte zuvor zu einer stark ansteigenden Verschuldung des Staates sowie zu Über- und Fehlinvestitionen geführt. 2015 begann daher in Asien der Entschuldungszyklus: Um die Staatsfinanzen zu entlasten, fuhr insbesondere China die Investitionen herunter – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.

Gewinnmargen: US-Unternehmen liegen deutlich vorne

Auf Unternehmensebene gibt es ebenfalls Faktoren, die zur zuletzt vergleichsweise schwächeren Aktienmarktentwicklung in Asien beigetragen haben. Dazu gehört beispielsweise der unterschiedliche Stellenwert von Aktienrückkäufen in den beiden Anlageregionen. Indem Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen, verringern sie die Anzahl der Papiere am Markt und stützen damit den Umsatz pro Aktie. Im MSCI AC Asia ex Japan trugen solche „Buy-backs“ in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt nur 0,5 Prozent zum Umsatzwachstum pro Aktie bei – in den USA waren es 3 Prozent. Noch entscheidender für die asiatische Underperformance sind jedoch die geringeren Gewinnmargen: Während diese in den USA von Anfang 2010 bis Ende 2019 von 8,1 auf 11,8 Prozent gestiegen sind, sanken sie in Asien von 7,0 auf 6,2 Prozent. Hierzu beigetragen hat neben einem steigenden Wettbewerbsdruck in Asien, der die Margen der einzelnen Unternehmen belastet, auch die unterschiedliche Sektorstruktur: Am US-Aktienmarkt sind die margenstarken Zukunftsbereiche Online-Handel, Medien und Unterhaltung sowie Software und Services stärker vertreten als in Asien. Auch haben sich dort in vielen Bereichen bereits Unternehmen durchgesetzt und verfügen daher über eine hohe Preissetzungsmacht.

„Mit Schwung aus der Krise? Warum asiatische Aktien über interessantes Kurspotenzial verfügen könnten.“

Auf Twitter teilen

Asiatische Aufholjagd?

Das Blatt könnte sich jedoch wieder wenden – eine Aufholjagd des asiatischen Aktienmarktes scheint möglich. Die Coronavirus-Pandemie und der wieder zunehmend schärfer werdende Konflikt zwischen den USA und China bergen zwar weiterhin das Potenzial für Rücksetzer. Mittelfristig jedoch könnten sich die Margen in den USA und Asien annähern: Die Sektorstruktur in Fernost passt sich langsam jener in den USA an, und auch in Asien entstehen zunehmend dominierende Unternehmen im Technologiebereich mit hoher Preissetzungsmacht. Die günstigen Bewertungen geben dem asiatischen Aktienmarkt auch genug Luft nach oben: Basierend auf dem Kurs-Gewinn-Verhältnis wird der MSCI AC Asia ex Japan aktuell 30 Prozent günstiger gehandelt als der S&P 500. Für entsprechend risikobereite Anleger mit langfristigem Anlagehorizont könnte ein breites Investment am asiatischen Aktienmarkt daher eine interessante Beimischung im Depot darstellen.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 01.05.2020