Aktien – 19.11.20

Berichtssaison: gute Nachrichten vom US-Aktienmarkt

Matteo Colombo / Getty Images

Die wichtigsten Fakten:

  • Großteil der US-Unternehmen übertrifft Erwartungen für das dritte Quartal
  • Aussichten für das Jahr 2021 sind insgesamt ebenfalls positiv
  • Coronavirus-Pandemie bleibt größtes Risiko für Aktienmärkte

Wenn US-Unternehmen ihre Geschäftszahlen vom zurückliegenden Quartal veröffentlichen, schauen Investoren immer sehr genau hin. Denn erst in der Berichtssaison erfahren sie konkret, ob die Erwartungen der Analystengemeinde mit Blick auf die Gewinne und Umsätze erfüllt oder womöglich sogar übertroffen werden konnten. Entsprechend groß war die Spannung in den vergangenen Wochen, schließlich ging es um die Zahlen der drei Corona-Sommermonate. Mittlerweile steht fest: Corporate America hat das dritte Quartal überraschend gut abgeschlossen – die meisten Unternehmen konnten die Erwartungen übertreffen. Und auch die Aussichten für das kommende Jahr geben Anlegern Anlass zur Hoffnung.

Zahlen über langjährigem Schnitt

Der Großteil der Unternehmen im breiten US-Leitindex S&P 500 hat bis Mitte November seine Zahlen veröffentlicht und dabei mit deutlicher Mehrheit die Analystenprognosen übertroffen: Der Anteil der positiven Überraschungen lag sogar über dem langjährigen Mittel von 75 Prozent bei den Gewinnen beziehungsweise 60 Prozent bei den Umsätzen. Zwar war insbesondere bei den Gewinnen noch ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal zu verzeichnen, allerdings lag auch dieser nur noch im mittleren einstelligen Prozentbereich und nicht, wie von der Analystengemeinde noch Mitte Oktober erwartet worden war, bei mehr als 20 Prozent.

„Positive Überraschung in den USA: Unternehmen präsentieren bessere Zahlen und Aussichten als erwartet.“

Unterschiede bei den Sektoren

Beim Blick auf die Branchen ist das Bild allerdings geteilt: Sechs der insgesamt elf Sektoren im S&P 500 konnten ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern – allen voran der zyklische Konsum und der Bereich Gesundheit. Energiewerte hingegen setzten ihren Leidensweg in der Coronavirus-Krise fort: Sowohl bei den Gewinnen als auch bei den Umsätzen hatten sie im dritten Quartal die größten Einbußen zu verkraften.

Stimmung an den Börsen verbessert sich

Am indischen Aktienmarkt sorgt die einsetzende konjunkturelle Erholung für eine verbesserte Stimmungslage. Die Analystengemeinde hob ihre Gewinnerwartungen für die Unternehmen im MSCI India seit Anfang Oktober für dieses und das kommende Jahr um 0,6 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent an. Damit liegt das erwartete Minus bei den Unternehmensgewinnen für 2020 zwar immer noch bei 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2021 wird dafür mit einem umso deutlicheren Plus von 42 Prozent gerechnet.

Steigende Gewinnerwartungen für 2021

Die höher als erwartete Profitabilität US-amerikanischer Unternehmen in der Coronavirus-Krise beflügelt die Aussichten für die nähere Zukunft. Die Analystengemeinde rechnet für das Gesamtjahr 2021 im S&P 500 mit einem Gewinn je Aktie von 163 US-Dollar – ein leichtes Plus gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019. Die Deutsche Bank hält sogar einen Gewinn von 175 US-Dollar für möglich. Ausschlaggebend für die positiven Prognosen sind vor allem die sich weiter verbessernden konjunkturellen Rahmenbedingungen in den USA: Neben einem möglichen Billionen-US-Dollar-schweren Fiskalpaket der Regierung und einer weiter expansiv erwarteten Geldpolitik der Fed dürften die in der Krise aufgeschobenen Investitionen der Wirtschaft 2021 einen zusätzlichen Schub verleihen. Hinzu kommt die Hoffnung auf einen schon bald einsetzbaren Impfstoff gegen das Coronavirus.

Unternehmen gut aufgestellt

Doch auch die Unternehmen selbst haben bereits in der Krise die Grundlagen für ein erfolgreiches neues Jahr geschaffen: Kosten wurden gesenkt und das Lohnwachstum gebremst, was sich positiv auf die Margen auswirken dürfte. Konjunktursensitive Sektoren wie Tourismus, Industrie, Autos und Bergbau dürften im nächsten Jahr aufgrund einer zu erwartenden Wirtschaftserholung besonders stark profitieren. Ihre Gewinne waren 2020 schwach, weshalb die Latte für Gewinnsteigerungen nicht hoch liegt. Für den stark gelaufenen Techsektor könnte es dagegen wesentlich anspruchsvoller werden, das aktuelle Gewinnniveau zu übertreffen. Auch aufgrund der teilweise schon recht hohen Bewertungen dürften sich die Kurse von Techtiteln insgesamt weniger stark entwickeln als die von zyklischen Werten. Langfristig bleibt Tech jedoch attraktiv.

Insgesamt günstig auf die Kursentwicklung in den USA sollten sich schließlich auch die Aktienrückkäufe der Unternehmen im S&P 500 auswirken: Die Deutsche Bank erwartet hier für 2021 ein Volumen von rund 600 Milliarden US-Dollar, was einem Plus gegenüber dem laufenden Jahr von 15 Prozent entspräche.

US-Aktien als mögliches Kerninvestment

Steigende Gewinnerwartungen, höhere Aktienrückkäufe: Die mittel- und langfristigen Aussichten für US-Aktien sind insgesamt positiv. Entsprechend risikobereite Anleger könnten daher überlegen, die aktuellen Schwankungen an den Aktienmärkten auszublenden und in die Zukunft zu schauen: Hier erscheint der US-Aktienmarkt weiterhin als essenzieller Baustein für ein breit gestreutes Aktienportfolio. Dabei könnte es ratsam sein, insbesondere solche Aktien und Sektoren in den Fokus zu nehmen, die von einer erwarteten konjunkturellen Erholung überproportional stark profitieren dürften und nach den Verlusten in den vergangenen Krisenmonaten entsprechendes Aufholpotenzial bieten.

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Redaktionsschluss: 19.11.2020