Quelle: Andriy Blokhin / Adobe Stock

Aktien – 20.04.21

Berichtssaison USA: Auf den Ausblick kommt es an

Die wichtigsten Fakten:

  • Hohe Zuwächse der US-Unternehmensgewinne erwartet
  • Finanz- und Energiesektor könnten Erwartungen zum Teil deutlich übertreffen
  • Kursbewegungen auch vom längerfristigen Geschäftsausblick abhängig

In den vergangenen 13 Monaten hat der US-Aktienmarkt eine beeindruckende Rallye erlebt. Seit den coronabedingten Tiefständen Mitte März 2020 hat der Leitindex S&P 500 mehr als 70 Prozent hinzugewonnen. Entsprechend hoch sind die Gewinnerwartungen vieler Anleger – manche Marktteilnehmer befürchten jedoch, dass sie zu hoch sein könnten. Schon in den vergangenen Monaten führten positive Unternehmenszahlen meist nur dann zu weiter steigenden Kursen, wenn gleichzeitig auch die längerfristigen Geschäftsperspektiven überzeugen konnten. Waren die Vorschusslorbeeren zu zahlreich und droht wohlmöglich eine Korrektur am US-Aktienmarkt? Die Deutsche Bank rechnet insgesamt mit weiter steigenden Kursen, allerdings nicht in allen Bereichen. Besonders interessante Perspektiven könnten der Finanz- sowie der Energiesektor bieten. Die aktuell laufende Berichtssaison zum ersten Quartal 2021 wird Aufschluss über die weiteren Entwicklungen geben.

Gewinnerwartungen mit positivem Überraschungspotenzial

Tatsächlich erscheinen die Gewinnerwartungen der Marktteilnehmer für den US-Aktienmarkt nur auf den ersten Blick sehr ambitioniert: Nach der zuletzt deutlichen Anhebung ihrer Prognosen rechnet die Analystengemeinde aktuell mit einem Gewinnwachstum im US-Leitindex S&P 500 von 23 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2020. Dieses bietet allerdings coronabedingt einen niedrigen Vergleichswert: Im Vergleich zum vierten Quartal des Jahres 2020 liegt das Plus saisonbereinigt nur bei 3,4 Prozent – ohne Berücksichtigung des Energiesektors sogar nur bei 1,5 Prozent, also etwa auf dem Niveau des aktuellen US-Wirtschaftswachstums im ersten Quartal 2021.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet erscheinen die Gewinnerwartungen der Analystengemeinde eher zurückhaltend – aus Sicht der Deutschen Bank sogar zu niedrig. Denn üblicherweise legen die Unternehmensgewinne im S&P 500 viermal so stark zu wie das prozentuale Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts. Insofern könnten auch in diesem Quartal die Unternehmen die Markterwartungen wieder übertreffen.

Finanz- und Energieunternehmen mit Aufholpotenzial

Beste Chancen, die Gewinnerwartungen zu übertreffen, haben auf Sektorebene die zyklischen Branchen Finanzen und Energie. Zwar wurden die Prognosen im Energiesektor seit Januar bereits um 140 Prozent angehoben, sie liegen dennoch im Vergleich zum Vorjahresquartal im negativen Bereich bei –15 Prozent. Der zuletzt stark gestiegene Ölpreis lässt diese Einschätzungen als zu konservativ erscheinen. Ähnliches gilt für den Finanzsektor: Im Zuge einer konjunkturellen Erholung in den USA dürften sich die Rücklagen für Kreditausfälle nicht wie von vielen Marktteilnehmern erwartet erhöhen, sondern könnten vielmehr sinken – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse der Banken.

Unterschiedliche Aussichten auf Sektorebene

Weniger positives Überraschungspotenzial bieten die Bereiche IT und Gesundheit, in denen die Prognosen nach Einschätzung der Deutschen Bank nur um 2 bis 4 Prozent übertroffen werden dürften. Der Grund dafür: Die Erwartungen liegen hier bereits sehr hoch. Im IT-Sektor rechnet die Analystengemeinde mit einem Gewinnwachstum von 25 Prozent zum Vorjahresquartal, im Gesundheitssektor immerhin noch von 20 Prozent. Ähnlich geringes Überraschungspotenzial bieten die Sektoren Kommunikation, Versorger und Gebrauchsgüter.

Schwach präsentieren dürften sich nach wie vor jene Bereiche, die unter den coronabedingten Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen besonders gelitten haben und immer noch leiden. Dazu zählen Flug- und Kreuzfahrtgesellschaften ebenso wie Gastronomiebetriebe, Freizeitparks und Hotels. Hier liegen die Gewinnerwartungen rund 50 Prozent unter den Vorjahreswerten.

„Berichtssaison USA: Aktienkurse am Scheideweg – weitere Geschäftsaussichten im Fokus der Anleger.“ 

Geschäftserwartungen im Fokus

Dass gute Geschäftszahlen der vergangenen Monate allein keine Garantie für steigende Aktienkurse sind, hat sich bereits in der zurückliegenden Berichtssaison gezeigt. Das dürfte auch aktuell so bleiben. Vielmehr kommt es darauf an, dass Unternehmen die Anleger auch mit ihren Prognosen zur zukünftigen Geschäftsentwicklung überzeugen können. Bei guten Geschäftszahlen in Verbindung mit einer insgesamt positiven „Guidance“ dürfte sich die Rallye am US-Aktienmarkt fortsetzen – anderenfalls könnte es einen Kursdämpfer geben.

USA bleiben wichtiger Teil im Aktiendepot

Für Anleger bedeutet das, die aktuelle Berichtssaison jenseits des Atlantiks genau zu verfolgen und nicht nur auf die vermeintlich überragende Entwicklung der Unternehmensgewinne in der jüngeren Vergangenheit zu schauen. Aus Sicht der Deutschen Bank bieten US-Aktien, insbesondere in Anbetracht der erwarteten starken Konjunkturerholung, jedoch auch weiterhin interessante Anlagechancen – bei entsprechender Risikobereitschaft vor allem in den zyklischen Bereichen. Insgesamt gehört der US-Markt aufgrund seiner dominanten globalen Stellung in jedes breit aufgestellte Depot.

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Redaktionsschluss: 19.04.2021, 12:00 Uhr