Aktien | Immobilien – 11.08.20

Büroimmobilien: Belastet COVID-19 das Fundament?

Die wichtigsten Fakten:

  • Homeofficekönnte langfristig weiter an Bedeutung gewinnen
  • Deutliche Belastungen für den deutschen Büroimmobilienmarkt unwahrscheinlich
  • Immobilien bleiben auch aus Portfoliosicht interessant 
Büroimmobilien: Belastet COVID-19 das Fundament?

Deutsche Büroimmobilien könnten weiterhin Renditepotenzial bieten.

Die Coronavirus-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen könnten auch den Markt für deutsche Büroimmobilien belasten: Gestiegene Arbeitslosenzahlen und ein zunehmender Homeoffice-Anteil dürften die Nachfrage nach Büroflächen drücken, sodass temporäre Preisrückgänge möglich sind. Eine anhaltend negative Entwicklung am deutschen Büroimmobilienmarkt erwartet die Deutsche Bank jedoch nicht.


Unternehmen könnten Homeoffice-Möglichkeiten ausbauen

Nach einer aktuellen Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitkom arbeitete aufgrund der COVID-19-Pandemie in den vergangenen Monaten zeitweise jeder zweite befragte Berufstätige Voll- oder Teilzeit im Homeoffice. Dabei machten die Unternehmen überwiegend positive Erfahrungen mit der Arbeit von zu Hause: Sorgen um deutliche Produktivitätseinbußen erwiesen sich als überzogen. Im Gegenteil: Zahlreiche Unternehmen scheinen vielmehr zu prüfen, ob der Homeoffice-Anteil künftig weiter ausgebaut werden kann, oder haben bereits entsprechende Initiativen gestartet – unter anderem, um Mietkosten zu sparen.


Mehrheit der Angestellten schätzt Homeoffice

Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer äußert sich grundsätzlich ebenfalls positiv über die Heimarbeit und wünscht sich laut Umfragen sogar mehr entsprechende Angebote ihrer Arbeitgeber. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Zeitersparnis durch den Wegfall der Pendelstrecke – insbesondere in Ballungsgebieten. Besonders geschätzt wird mehrheitlich auch die höhere Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten. Viele geben außerdem an, zu Hause ungestörter und konzentrierter arbeiten zu können.


Büroimmobilien: nachhaltiger Nachfrageeinbruch unwahrscheinlich

Trotz dieser Entwicklungen ist es aus Sicht der Deutschen Bank unwahrscheinlich, dass die Nachfrage auf dem deutschen Büroimmobilienmarkt strukturell deutlich einbrechen wird. Mit der Einführung eines wirksamen Impfstoffes gegen COVID-19 könnte der wesentliche Grund für den potenziellen Nachfrageschock schnell hinfällig werden. Und auch wenn künftig ein größerer Teil der Angestellten von zu Hause arbeitet, sollte der negative Effekt auf die Nachfrage am Büroimmobilienmarkt überschaubar bleiben. Denn nicht in allen Branchen ist das Arbeiten im Homeoffice möglich. Regulatorische Vorschriften oder hohe Sicherheitsanforderungen für die Übertragung von Daten können Stolpersteine darstellen. Die meisten Arbeitsplätze, bei denen Homeoffice einen hohen Anteil einnehmen könnte, sind eher im Bereich Finanzen, Corporate Management sowie in manchen Dienstleistungsbereichen zu finden. Zu diesen Hindernissen gesellen sich Probleme technischer Art: Hardware- und Softwarelösungen sowie eine angemessene Internetverbindung müssen ebenfalls vorhanden sein. Außerdem stellen sich im Zuge einer verstärkten Nutzung von Homeoffice Fragen rund um Themen wie beispielsweise Arbeits- und Versicherungsschutz. Die Implementierung von Homeoffice-Arbeitsplätzen kann in den Augen mancher Unternehmen zudem das Teambuilding sowie die Integration neuer Mitarbeiter erschweren – und schlichtweg den direkten Austausch vor Ort nicht immer ersetzen.

Trotz Coronavirus: Warum der deutsche Büroimmobilienmarkt weiterhin Renditepotenzial bieten könnte.

Geringer Leerstand am deutschen Büroimmobilienmarkt

Daher geht die Deutsche Bank auch nicht davon aus, dass der deutsche Büroimmobilienmarkt aufgrund der Coronavirus-Pandemie nachhaltig unter Druck geraten wird. Von einer konjunkturellen Erholung in der zweiten Jahreshälfte sollte auch der Büroimmobilienmarkt profitieren. Neben konjunkturellen Gründen spricht auch die strukturelle Entwicklung gegen eine fundamentale Belastung. Denn auch wenn sich das Immobiliensegment bereits seit mehr als zehn Jahren im Aufschwung befindet – einer der bislang längsten Zyklen in Deutschland –, liegen die Fertigstellungen neuer Büroflächen bereits seit knapp zwanzig Jahren auf einem relativ niedrigen Level. Ein höheres Angebot ist kurzfristig nicht in Sicht und die Leerstandsquote befindet sich auf einem historisch niedrigen Niveau. Darüber hinaus gilt der Bestand in hohem Maße als veraltet, während die Nachfrage nach neuen, energieeffizienten Gebäuden steigt.


Immobilieninvestment als Depotbeimischung interessant

Für entsprechend risikobereite Anleger könnte ein Investment am deutschen Büroimmobilienmarkt eine sinnvolle Beimischung im Depot darstellen – zum Beispiel in Form eines offenen und breit gestreuten europäischen Immobilienfonds, der neben Büroimmobilien auch Objekte aus anderen Regionen und Segmenten wie beispielsweise Logistikimmobilien berücksichtigt. Ein Engagement am Immobilienmarkt scheint umso mehr interessant in einer Zeit, in der Anlagealternativen wie bonitätsstarke Rentenpapiere kaum Zinsen bieten und auch das Kurspotenzial am Anleihemarkt begrenzt erscheint. Mögliche kurzzeitige Preisrücksetzer infolge der Coronavirus-Krise könnten dabei interessante Einstiegsgelegenheiten bieten.

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Redaktionsschluss: 11.08.2020