Aktien – 01.07.20

China und die USA: Das Klima wird rauer

Die wichtigsten Fakten:

  • USA verschärfen Handelsbeschränkungen gegen China
  • Chinas Außenminister warnt vor „neuem kalten Krieg“
  • Schwankungen am chinesischen Aktienmarkt könnten zunehmen

Das Verhältnis zwischen den USA und China hat sich zuletzt abgekühlt. Quelle: cbarnesphotography / Getty Images

Am 15. Januar 2020 setzte US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus seine Unterschrift unter das sogenannte Phase-1-Abkommen mit China – nach seinen Worten der „größte Deal, den die Menschheit je gesehen hat“. Viele Beobachter waren schon damals skeptisch, ob es sich dabei wirklich um den Auftakt zur endgültigen Beilegung des Handels- und Technologiekonflikts zwischen den beiden Supermächten handelte. Nicht einmal ein halbes Jahr später zeigt sich: Die Skeptiker haben Recht behalten. Denn das Verhältnis zwischen den beiden weltweit größten Volkswirtschaften hat sich zuletzt wieder deutlich abgekühlt. Der chinesische Außenminister Wang Yi warnte am Rande des chinesischen Volkskongresses Ende Mai sogar, die USA „drängen das Verhältnis in Richtung eines neuen kalten Kriegs“.

Zahlreiche Faktoren belasten das Verhältnis

Die Rhetorik der USA gegenüber China hat in den vergangenen Monaten an Schärfe gewonnen. Es scheint, als wolle Trump damit angesichts trüber Aussichten für die US-Wirtschaft und des an Fahrt aufnehmenden US-Wahlkampfs von innenpolitischen Herausforderungen ablenken – wobei auch unter den US-Demokraten Chinaskepsis weit verbreitet ist. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie weisen die USA immer wieder darauf hin, dass das Virus in China seinen Ursprung genommen habe, und werfen dem Reich der Mitte vor, den Ausbruch von SARS-CoV-2 zunächst vertuscht zu haben. Daneben gibt es zwischen den beiden Weltmächten weitere Streitthemen. Dazu gehören beispielsweise die Gebietsansprüche Chinas im südchinesischen Meer, die Situation der Uiguren in China und der Umgang des Landes mit Taiwan und Hongkong sowie der anhaltende Konflikt um die globale Technologieführerschaft. In diesem Zusammenhang haben die USA die Sanktionen gegen den chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei jüngst nicht nur verlängert, sondern sogar verschärft sowie eine Liste mit weiteren staatsabhängigen chinesischen Unternehmen veröffentlicht, die nun mit Sanktionen belegt werden können. China hingegen hat derweil eine eigene Chipproduktion aufgebaut und im Bereich der künstlichen Intelligenz massiv investiert.

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Schärfere Regulierung für chinesische Unternehmen

Ein weiterer Konfliktpunkt ist der Zugang chinesischer Unternehmen zum US-Finanzmarkt. Ende Mai hat der US-Senat beschlossen, dass für ausländische Unternehmen, die an US-Börsen gelistet werden, schärfere regulatorische Anforderungen unter anderem im Bereich Rechnungslegung gelten. Der Gesetzentwurf dürfte insbesondere chinesische Unternehmen ins Visier nehmen. Firmen müssen demnach unter anderem bestätigen, dass sie keiner ausländischen Regierung gehören oder unter deren Kontrolle stehen – ein Punkt, den viele regierungsnahe chinesische Unternehmen aus US-Sicht nicht erfüllen dürften. Verlieren chinesische Unternehmen ihr Börsenlisting in den USA, könnten sie sich nicht mehr so leicht am weltweit größten Finanzmarkt mit Kapital versorgen. Neben dem Handel und der Technologie hat der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China nun also auch das Kapital erfasst.

Weitere Entwicklung im Blick behalten

Potenzielle Chinainvestoren sollten daher den Konflikt zwischen den USA und China im Blick behalten. Für risikobereite Anleger mit langfristigem Anlagehorizont könnte ein Investment in die asiatischen Schwellenländer und insbesondere China aber nach wie vor eine interessante Beimischung im Depot darstellen. Denn China strebt die globale Technologieführerschaft bei Zukunftstechnologien an und begleitet dieses Vorhaben mit umfangreichen Investitionen – mittlerweile sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Reich der Mitte höher als in den USA. Davon sollten entsprechende Unternehmen profitieren können. Außerdem hat das Land seine Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren zunehmend geöffnet und könnte diesen Weg weitergehen, was mit entsprechenden Kapitalzuflüssen verbunden wäre. Aufgrund branchen- bzw. unternehmensspezifischer Risiken scheinen eine breite Streuung und umsichtige Auswahl der Investmentziele dabei unabdingbar.

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Redaktionsschluss: 30.06.2020