Aktien | Volkswirtschaft / Geldpolitik – 16.03.20 (Archiv)

Coronavirus-Update: Was Anleger jetzt wissen sollten

Die wichtigsten Fakten:

  • Aktienkurse durch Coronaviruskrise weltweit deutlich unter Druck
  • Konjunktureller Ausblick in den USA und im Euroland trübt sich ein
  • Geld- und fiskalpolitische Stützungsmaßnahmen werden ergriffen

Die Coronavirus-Pandemie sorgte an den internationalen Aktienmärkten zuletzt für rote Vorzeichen. Quelle: Jeenah Moon / Getty Images

Zwischenzeitlich schien es, als würde der Ausbruch des Coronavirus der Kursentwicklung an den internationalen Aktienmärkten nur einen kleineren Dämpfer verpassen. Zuletzt jedoch sorgte die globale Ausbreitung von COVID-19 für heftige Kursschwankungen und -verluste an den Börsen weltweit. Aufgrund der eingetrübten Aussichten für die Unternehmensgewinne hat die Deutsche Bank auch ihre Kursprognosen angepasst. Nach einem deutlichen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2020 sollten sich die Erträge im zweiten Halbjahr zwar wieder erholen – das dürfte jedoch nicht ausreichen, um die erlittenen Kursverluste bis zum Jahresende 2020 vollständig zu kompensieren. Daher hat die Deutsche Bank das Kursziel für den US-Leitindex S&P 500 auf 12-Monats-Sicht auf 3.200 Punkte reduziert. Das aus heutiger Sicht erwartete zweistellige Kurspotenzial dürfte sich aus einer möglichen Ausweitung der zuletzt stark gesunkenen Unternehmensbewertungen für den Fall einer Abnahme der Coronavirus-Unsicherheiten ergeben. Für den Euro Stoxx 50 liegt die Prognose nun bei 3.500 Punkten und für den DAX bei 13.000 Punkten. Insgesamt bleibt die Deutsche Bank Aktien gegenüber für das laufende Jahr positiv gestimmt – vorausgesetzt, die Ausbreitung des Virus überschreitet ihren Höhepunkt im ersten Halbjahr. Nichtsdestotrotz dürften die Schwankungen an den Aktienmärkten in beide Richtungen anhalten.

Anleiherenditen dürften unter Druck bleiben

Die laufenden Renditen bonitätsstarker Staatsanleihen dürften aufgrund der bestehenden Wachstumssorgen sowie geldpolitischer Reaktionen weiterhin niedrig bleiben. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen erwartet die Deutsche Bank in 12 Monaten bei 0,9 Prozent – die von Bundesanleihen mit derselben Laufzeit bei –0,5 Prozent.

Coronavirus mittlerweile als Pandemie eingestuft

Aufgrund der weltweiten Verbreitung des Coronavirus stuft die Weltgesundheitsorganisation WHO COVID-19 inzwischen als Pandemie ein. Seit Anfang März 2020 übersteigt die Zahl der Neuansteckungen außerhalb Chinas – wo das Virus vermutlich seinen Ursprung hat – jene im Reich der Mitte. Rund ein Drittel aller Fälle wird mittlerweile außerhalb der Volksrepublik gemeldet. Dabei führen die ergriffenen Gegenmaßnahmen wie die Erklärung Italiens zur Sperrzone durch die Regierung in Rom zu massiven wirtschaftlichen Einschränkungen. Diese belasten über unterbrochene Lieferketten die Angebots- und über den geringeren Konsum auch die Nachfrageseite.

„Aktienmärkte im Zeichen der Coronaviruskrise: Was Anleger jetzt beachten sollten.“

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Ölpreis bricht ein

Für zusätzliche Verunsicherung in der Coronaviruskrise sorgten die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und ihre Partner. Russland und dem OPEC-Mitglied Saudi-Arabien gelang es beispielsweise nicht, sich auf eine gemeinsame Förderkürzung als Reaktion auf die drohende Nachfrageschwäche zu einigen. Aufgrund des daraus resultierenden Endes der Öl-Förderbegrenzungen Anfang April 2020 und Saudi-Arabiens angekündigter Angebotsausweitung gerieten die Ölpreise massiv unter Druck. Damit sank die Risikobereitschaft der Investoren weltweit weiter.

Notenbanken reagieren mit Zinssenkungen

Notenbanken wie die Reserve Bank of Australia, die Bank of England oder die Bank of Canada haben bereits auf die wirtschaftlichen Verwerfungen reagiert und die Zinsen gesenkt. Die US-Notenbank Fed sorgte zunächst mit einer auf einer außerordentlichen Notenbanksitzung beschlossenen Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 1 bis 1,25 Prozent für eine Überraschung und ergriff am 12. März erneut außerplanmäßig Maßnahmen, um die Märkte mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Am 15. März folgte eine weitere drastische Zinssenkung: Die US-Währungshüter senkten den Leitzins auf 0,00 bis 0,25 Prozent. Zusätzlich beschlossen sie ein Anleihekaufprogramm über 700 Milliarden US-Dollar bis Jahresende und reduzierten die Mindestreservesätze auf 0 Prozent. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) standen ebenfalls die Sicherstellung von Liquidität und eine Verbesserung der Finanzierungssituation der Wirtschaft im Fokus. Sie beließ zwar den Einlagezins unverändert, kündigte jedoch eine Ausweitung des Volumens der Ankaufprogramme um 120 Milliarden Euro bis Jahresende an. Außerdem planen die Währungshüter weitere Liquiditätshilfen durch die stärkere Nutzung von längerfristigen Finanzierungsinstrumenten.

Fiskalpolitische Maßnahmen der Regierungen

Ergänzt werden die geldpolitischen durch fiskalpolitische Schritte. So plant unter anderem die deutsche Bundesregierung, mit einem umfassenden Maßnahmenpaket die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Unter anderem sollen Unternehmen mit einem Kreditprogramm in unbegrenzter Höhe unterstützt werden. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach bereits, alles Notwendige zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Belastungen zu unternehmen. Sie kündigte eine Investitionsinitiative im Volumen von 37 Milliarden Euro an.

Wachstumsprognosen gesenkt

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Pandemie in den USA und in Europa erst im zweiten Quartal 2020 ihren Höhepunkt überschritten haben wird. Dementsprechend hat die Deutsche Bank ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr reduziert – für die USA auf 1,0 Prozent und für Europa auf 0,0 Prozent. In der Vereinigten Staaten dürfte das Wachstum durch den Konsum sowie eine lockere Geld- und Fiskalpolitik gestützt werden. Im Euroraum sollten sich das Lohnwachstum und die niedrige Inflation zwar positiv auf die Konjunktur auswirken – aufgrund der Schwäche in der Industrie dürfte ein vorübergehender Wachstumsstillstand aber nicht zu verhindern sein.

Risikomanagement an erster Stelle

An der Aktienmarktprognose für 2020 – „Rumble in the Jungle“ – ändert sich nichts. Die jüngsten Entwicklungen zeigen vielmehr die erwartete Rückkehr der deutlichen Schwankungen. Zwar können sich für entsprechend risikobereite und langfristig orientierte Anleger jetzt Einstiegsgelegenheiten bieten, kurzfristig steht aus Sicht der Deutschen Bank jedoch das Risikomanagement an erster Stelle. Dazu gehört, das Portfolio entsprechend breit aufzustellen. Gold und bonitätsstarke Anleihen stellen dabei weiterhin wichtige Absicherungsinstrumente dar. Langfristig betrachtet dürften Aktien für entsprechend risikobereite Anleger ein interessanter Depotbestandteil bleiben.

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Redaktionsschluss: 16.03.2020