Volkswirtschaft / Geldpolitik | Aktien – 14.02.20 (Archiv)

Coronavirus: Was Anleger beachten sollten

Die wichtigsten Fakten:

  • Ende 2019 bricht in China ein Coronavirus aus
  • Insbesondere die asiatischen Börsen geraten unter Druck
  • Anleger sollten Ruhe bewahren, die Entwicklung aber beobachten

Geisterstadt Peking: Die Bedrohung durch das neue Coronavirus legt das öffentliche Leben in China zum Teil lahm. Quelle: AFP / Getty Images

Das um den Jahreswechsel in der Provinzhauptstadt Wuhan ausgebrochene Coronavirus mit der Bezeichnung Covid-19 beherrscht seit Ende Januar auch die globalen Aktienmärkte – die Ungewissheit über Ausmaß, Umfang und Sterblichkeitrate des neuen Virus sorgte für Unsicherheit. In China war der Aktienmarkt wegen des chinesischen Neujahrsfestes am 25. Januar zunächst geschlossen. Bei Wiedereröffnung des Handels am 3. Februar reagierte der chinesische Leitindex CSI 300 daher prompt: Er fiel in Euro gerechnet um mehr als 9 Prozent. Die internationalen Aktienmärkte hatten bereits während der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten Verluste zu beklagen. Der deutsche Leitindex DAX beispielsweise fiel Ende Januar unter die Marke von 13.000 Punkten – und büßte innerhalb einer Woche knapp 600 Punkte ein. Seither erholten sich die Kurse an den Börsen weltweit jedoch wieder – der DAX kletterte sogar auf ein neues Allzeithoch.

Tourismusbranche unter Druck – Gewinner Healthcare

Auf Sektorenebene am stärksten unter Druck gerieten weltweit Airlines und Papiere aus den Branchen Hotel und Gastronomie sowie Luxusgüter. Denn aufgrund der Virusepidemie blieben viele Chinesen über die Neujahrsfeiertage zu Hause, statt wie sonst im In- und Ausland Verwandte zu besuchen, Urlaub zu machen und Geschenke zu kaufen – die „Goldene Woche“ gilt traditionell als die Hauptreise- und Konsumzeit im Reich der Mitte. Zu den Gewinnern am Aktienmarkt gehörten hingegen Werte aus dem Healthcare-Sektor – darunter insbesondere Produzenten von Desinfektionssprays und anderen Hygieneartikeln.

Abwärtstrend zunächst gestoppt

Dass sich nach dem ersten Kursschock der Abwärtstrend am chinesischen Aktienmarkt zunächst nicht fortsetzte, dürfte unter anderem mit der Ankündigung der chinesischen Zentralbank zusammenhängen, die Kapitalmärkte insgesamt mit umgerechnet 174 Milliarden US-Dollar an Liquidität stützen zu wollen. Darüber hinaus sind konjunkturstützende fiskalpolitische Maßnahmen seitens der Regierung in Peking wahrscheinlich. Im Zuge dieser Erwartung drehten die chinesischen Börsen im Laufe der folgenden Handelstage schnell wieder ins Plus – und nahmen damit auch die guten US-Konjunktur- und Unternehmensvorgaben auf, die bereits die internationalen Märkte wieder beflügelt hatten: Vom 3. Februar bis zum 13. Februar legte der CSI 300 in Euro gerechnet um rund 10 Prozent zu.

Honoriert wurden von den Marktteilnehmern dabei auch die entschlossenen Maßnahmen der chinesischen Regierung gegen eine weitere Ausbreitung des Virus – etwa durch die Sperrung wichtiger Verkehrsadern in der Region um Wuhan und anderen betroffenen Städten wie Wenzhou. Hilfreich war sicher auch die Einstufung der Virusepidemie als „Gesundheitsnotfall“ seitens der Weltgesundheitsorganisation WHO Ende Januar, wodurch ein international koordiniertes Vorgehen erleichtert wurde.

Negative Auswirkungen auf die Konjunktur erwartet

Trotz aller Gegenmaßnahmen dürfte die chinesische Wirtschaft durch die Virusepidemie aber zumindest kurzfristig unter Druck geraten. Offizielle Daten liegen zwar noch nicht vor. Die geringere Luftverschmutzung in den Millionenstädten Shanghai, Guangzhou und Chengdu deutet jedoch darauf hin, dass die dortige Industrie aktuell 50 bis 80 Prozent unter Potenzial produziert. Darüber hinaus lassen Daten zum Containerschiffverkehr darauf schließen, dass das Frachtaufkommen in den chinesischen Häfen in den ersten beiden Monaten des Jahres rund 15 Prozent niedriger ausfallen dürfte als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt geht die Deutsche Bank davon aus, dass das Coronavirus China im ersten Quartal 2020 rund 1,5 Prozentpunkte Wachstum kosten könnte – auch wenn bei Aussagen zum Covid-19 grundsätzlich Vorsicht angebracht ist.

Spürbare Übersprungeffekte auf die Weltwirtschaft sind dabei nicht ausgeschlossen. Darin unterscheidet sich die aktuelle Situation zum Beispiel von den Zeiten der SARS-Epidemie 2002/2003. Denn heute ist die chinesische Wirtschaft deutlich stärker in die globalen Lieferketten eingebunden und die Weltwirtschaft in höherem Maße von der Konjunktur im Reich der Mitte abhängig als vor 17 Jahren. Damals trug China gerade einmal rund 8 Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung bei, heute sind es etwa 20 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der chinesische Anteil am Welthandel von 5 auf 13 Prozent. Und selbst bei den weltweiten Tourismusausgaben ist China heute mit einem Anteil von rund 20 Prozent ein Riese.

Nach wie vor kein Grund zur Panik

Langfristige konjunkturelle Verwerfungen aufgrund des Coronavirus sind aus Sicht der Deutschen Bank jedoch eher unwahrscheinlich. Lediglich das Tourismusgewerbe und die Fluggesellschaften dürften längerfristig unter den negativen Folgen der Virusepidemie leiden: Die Einnahmeausfälle während der „Goldenen Woche“ dürften über das Jahr betrachtet kaum zu kompensieren sein. Sollte die Ausbreitung des Covid-19 unter Kontrolle gebracht werden können, scheinen im zweiten Quartal 2020 insgesamt aber sogar konjunkturelle Nachholeffekte möglich. Chinesische Konsumenten könnten dann aufgeschobene Käufe tätigen und die industrielle Produktion dürfte sich relativ schnell wieder hochfahren lassen.

Nach einer Erholung im zweiten Quartal erwartet die Deutsche Bank für das Gesamtjahr 2020 noch immer ein chinesisches Wirtschaftswachstum in Höhe von 5,8 Prozent. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping betonte bereits, am Ziel der Verdopplung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf im Zeitraum von 2010 bis 2020 festzuhalten.

„Ruhe bewahren, Entwicklungen beobachten: Was das Coronavirus für Anleger bedeutet.“

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Investmententscheidungen wohl überlegen

Für Anleger gibt es aus Sicht der Deutschen Bank derzeit keinen Grund für weitreichende Umschichtungen im Depot. Vielmehr sollte in Zeiten größerer Marktschwankungen grundsätzlich ein gewisses Gewicht auf eher konservative Anlagen, etwa bonitätsstarke Anleihen oder Gold, gelegt werden. Rücksetzer an den internationalen Aktienmärkten könnten zudem für entsprechend risikobereite Anleger als Einstiegsgelegenheiten genutzt werden.

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Redaktionsschluss: 13.02.2020