Anleihen – 06.05.20

Fed stützt Fallen Angels

Die wichtigsten Fakten:

  • Fed stemmt sich mit Maßnahmenpaket für die Wirtschaft gegen Coronavirus-Folgen
  • Auch US-Hochzins-Unternehmensanleihen profitieren
  • Für Anleger könnten Papiere bonitätsstarker Emittenten dennoch interessanter sein

Die US-Notenbank stützt auch den Markt für US-Hochzinsanleihen. Quelle: seewhatmitchsee / Getty Images

Um dem massiven Einbruch der US-Konjunktur infolge der Coronavirus-Krise entgegenzuwirken, hat die US-Notenbank Fed eine Vielzahl von Stützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Erstmals finden dabei nun auch bonitätsschwächere US-Unternehmensanleihen aus dem Hochzinssegment (High Yield, HY) in ihrem Anleihekaufprogramm Berücksichtigung. Der Markt für US-HY-Anleihen war aufgrund der deutlich gestiegenen Risikoscheu der Marktteilnehmer im Zuge der Corona-Pandemie zuvor stark unter Druck geraten. Dazu trug auch die vergleichsweise geringe Liquidität innerhalb dieser Anlageklasse bei: Im Vergleich zum US-Investment-Grade-Bereich handelt es sich bei Unternehmensanleihen im Hochzinssegment um einen eher kleinen Markt. Versuchen nun viele Investoren gleichzeitig, ihre Papiere zu veräußern, ist es schwerer, einen Käufer zu finden und einen adäquaten Preis zu erzielen. Anders gesagt: Wollen viele gleichzeitig durch die Tür, dann wird es eng. Angesichts der relativ geringen Liquidität und des steigenden Verkaufsdrucks schnellten schließlich die Renditen von Hochzinsanleihen weiter in die Höhe.

Ankäufe am Primär- und Sekundärmarkt

Voraussetzung für den erstmaligen Ankauf von High-Yield-Anleihen durch die Fed ist, dass es sich bei den entsprechenden Unternehmen um sogenannte Fallen Angels handelt, die ihr Investment-Grade-Rating erst im Zuge der Coronavirus-Krise verloren haben – Stichtag ist der 22. März 2020 – und derzeit über die höchste Bonität im Hochzinsbereich verfügen. Daneben wird die Fed Hochzinsanleihen am Sekundärmarkt erwerben, allerdings nur in einem vergleichsweise geringen Rahmen: So kann die Fed beispielsweise maximal 20 Prozent an High-Yield-Fonds ankaufen – was bei der aktuellen Größe des Marktes einem Volumen von rund 10 Milliarden US-Dollar entspricht.

Fed trägt zur Marktberuhigung bei

Bereits die Ankündigung der US-Notenbank, nun auch selektiv Hochzins-Unternehmensanleihen in ihre geldpolitischen Stützungsprogramme einzubeziehen, trug zu einer Beruhigung auf dem US-High-Yield-Markt bei. Da die Fed nun als Käufer auftritt, haben die Zinsaufschläge für die entsprechenden Unternehmen nachgegeben. Das verbessert ihre Refinanzierungsbedingungen und senkt ihr Insolvenzrisiko, was wiederum Druck vom US-Arbeitsmarkt nehmen könnte. Und das erscheint unabdingbar: Von Mitte März bis Mitte April 2020 vernichtete die Coronavirus-Pandemie in den USA ungefähr so viele Arbeitsplätze, wie seit der Finanzkrise 2008 geschaffen worden waren, 26 Millionen US-Amerikaner verloren ihren Job. Eine dramatische Zahl, zumal das staatliche Absicherungs- und Unterstützungsnetz in den USA geringer ausgebaut ist als beispielsweise in Deutschland. Daher dürften sich die negativen konjunkturellen Auswirkungen deutlicher auf den privaten Konsum auswirken.

„Fed stützt Markt für US-Hochzinsanleihen – Risiken für Anleger bleiben erheblich.“

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Fed: klotzen statt kleckern

Die US-Notenbank hat im Kampf gegen die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf US-Wirtschaft und -Kapitalmärkte ihr Maßnahmenpaket Mitte April um weitere 2,3 Billionen US-Dollar ausgeweitet. Allein 600 Milliarden US-Dollar umfasst dabei das Kreditprogramm für nicht börsengelistete Unternehmen. Die Bundesstaaten werden mit direkten Anleihekäufen im Gesamtwert von 500 Milliarden US-Dollar unterstützt. Außerdem stellt die Fed Banken Überbrückungskredite in Höhe von 350 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Die Kreditsumme, mit der Konsumentenkredite abgesichert werden sollen, und die Ankäufe von Unternehmensanleihen direkt von den Emittenten sowie am Sekundärmarkt wurden zudem um insgesamt 850 Milliarden US-Dollar ausgeweitet.

Risiken für Privatanleger scheinen zu groß

Doch was bedeuten die Stützungsmaßnahmen der Fed am US-Hochzinsmarkt für Anleiheinvestoren? Zunächst gilt im Unternehmensanleihebereich: Je höher die Renditen, desto höher die Risiken. Daneben ist zu beachten, dass nur Papiere mit der höchsten Bonitätsstufe im Hochzinssegment von den Fed-Maßnahmen profitieren. Im Vergleich dazu ist die Renditedifferenz zu US-Staatsanleihen bei Anleihen von Firmen mit der geringsten Bonität deutlich höher – und potenzielle Anleger müssen entsprechende Risiken akzeptieren. Die größten Sektoren, die im High-Yield-Sektor derzeit unter Refinanzierungsdruck stehen, sind Unternehmen aus den Bereichen Autoindustrie, Wohnungsbau, Einzelhandel sowie Energie. Insbesondere in diesen Branchen könnten auf absehbare Zeit die Zahlungsausfälle zunehmen. Denn zum einen leiden ihre Umsätze ganz besonders unter der Coronavirus-Pandemie beziehungsweise zusätzlich unter dem eingebrochenen Ölpreis – zum anderen werden in diesen Segmenten in den kommenden beiden Jahren 10 Prozent des Anleihevolumens fällig. Insgesamt scheinen Unternehmensanleihen von US-Emittenten guter Bonität für entsprechend risikobereite Anleger aus Sicht der Deutschen Bank interessanter als US-Hochzinsanleihen.

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Redaktionsschluss: 01.05.2020