Rohstoffe – 18.05.20

Healthcare: gesunde Beimischung fürs Depot

Die wichtigsten Fakten:

  • Anlegerinteresse an Gesundheitsaktien dürfte hoch bleiben
  • Große Vielfalt innerhalb der Branche
  • Weltweit dominierender US-Markt steht im Mittelpunkt

Quelle: LIAO XUN / Getty Images

Die Coronavirus-Krise belastet die Wirtschaft weltweit, viele Unternehmen haben Insolvenz angemeldet oder kämpfen um ihre Existenz. Doch während es Branchen wie die Tourismusindustrie oder die Gastronomie besonders hart getroffen hat, gibt es auch Wirtschaftsbereiche, die deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen wurden, etwa der Gesundheitssektor. Zwar beklagen zum Beispiel Krankenhäuser, dass aufgrund der geforderten Bereithaltung von Intensivbetten für mögliche Corona-Patienten bereits terminierte Operationen abgesagt werden mussten – was zu entsprechenden Erlöseinbußen geführt habe. Allerdings dürften hier die langfristigen Verluste eher moderat ausfallen, aufgrund von Nachholeffekten nach überstandener akuter Coronavirus-Gefahr.

Vergleichsweise krisenfeste Branche

Der Gesundheitsbranche insgesamt kommt es zugute, dass ihre Produkte und Dienstleistungen zu jeder Zeit benötigt und nachgefragt werden, weshalb sie sich bereits in vergangenen Krisen meist besser entwickeln konnte als der Gesamtmarkt. Der maßgebliche weltweite Leitindex MSCI World Health Care ist seit Januar 2000 aus Sicht eines Euroanlegers im Schnitt um knapp 7,5 Prozent pro Jahr gestiegen, während der marktbreite Weltaktienindex MSCI World „lediglich“ um rund 4 Prozent pro Jahr zulegen konnte. In Zeiten einer „Gesundheitskrise“ wie der Coronavirus-Pandemie ist diese Tendenz noch deutlicher zu beobachten: Trotz aller Marktturbulenzen tendiert der MSCI World Health Care von Jahresbeginn bis zum 15. Mai mit rund 3 Prozent im Plus. Der Weltleitaktienindex hingegen gab im selben Zeitraum mehr als 10 Prozent nach.

Einiges spricht dafür, dass sich die positive Entwicklung innerhalb der Gesundheitsbranche auch in Zukunft fortsetzen könnte. Denn es gibt langfristige Trends, die die Branche stützen.

Globale Nachfrage dürfte weiter steigen

Für weiteres Wachstum innerhalb des Gesundheitssektors sprechen vor allem die prognostizierten steigenden Ausgaben für entsprechende Produkte und Dienstleistungen: 2018 lag der Anteil der öffentlichen und privaten Gesundheitsausgaben innerhalb der 36 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) bei 8,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Bis 2030 dürfte er laut Prognose der OECD auf 10,2 Prozent steigen. Einen besonders hohen Stellenwert hat dabei der US-Markt: Hier machten die Gesundheitsausgaben bereits 2018 fast 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und könnten laut OECD bis 2030 auf 20,2 Prozent ansteigen.

Ein Grund für diese Entwicklungen sind die vielerorts alternden Gesellschaften: Derzeit sind geschätzt 9 Prozent aller Menschen rund um den Globus älter als 65 Jahre – nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten es 2050 bereits 16 Prozent sein. Hinzu kommt ein weltweit steigendes Gesundheitsbewusstsein und die Tatsache, dass im Zuge wachsender Mittelschichten immer mehr Menschen sich Gesundheitsprodukte auch leisten können – das gilt insbesondere für die bevölkerungsreichen Schwellenländer, wo der Wohlstand in den kommenden Jahren weiter überproportional stark wachsen dürfte. Und nicht zuletzt sollte auch die zunehmende Digitalisierung der Branche einen Schub verleihen, etwa in den Bereichen Telemedizin oder vernetzte Gesundheitsapplikationen.

„Hauptsache gesund: Aktien von Pharma & Co. bieten langfristig interessante Aussichten.“

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Große Vielfalt innerhalb der Gesundheitssektors

Für entsprechend risikobereite Anleger könnten Aktien aus dem Gesundheitsbereich langfristig ein interessantes Investment darstellen. Zu beachten ist dabei jedoch die zunehmende Vielfalt innerhalb des Sektors. Denn während der Begriff Gesundheit von Anlegern früher vor allem mit klassischen Medikamenten wie Antibiotika in Verbindung gebracht wurde, ist das Spektrum heute deutlich größer – auch wenn die klassischen Medikamentenhersteller noch immer für rund 45 Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI World Health Care stehen. Daneben finden sich mittlerweile jedoch weitere bedeutende „Gesundheitsbereiche“ mit zum Teil ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen, zum Beispiel Medizintechnikunternehmen, die mit Produkten vom Skalpell bis zum Computertomografen insbesondere dank steigender Einnahmen in den Schwellenländern ein hohes Gewinnwachstum aufweisen und in den vergangenen Jahren zudem ihr Kostenmanagement deutlich verbessert haben.

Ständig auf der Suche nach Innovationen

Ebenfalls eine immer wichtigere Rolle spielen Biotechnikunternehmen, die vor allem Medikamente aus lebenden Zellen oder aus Viren herstellen. Die Trennlinie zwischen diesen und den klassischen Pharmaunternehmen, deren Medikamente auf chemischen Grundstoffen basieren und vergleichsweise einfach zu produzieren und zu kopieren sind, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend aufgelöst. Viele klassische Pharmaunternehmen sind mittlerweile auch im Bereich der Biotechnik tätig, während gleichzeitig viele Biotechnologieunternehmen ihr Geschäftsfeld um chemische Medikamente erweitert haben. Gemein haben diese beiden Branchen zudem hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung, denn das Medikamentengeschäft ist maßgeblich von der Suche nach Innovationen bestimmt und entsprechend investitionsintensiv.

Grundsätzlich ist bei einem Investment in diesem Bereich zu beachten, dass Medikamentenhersteller vergleichsweise abhängig von politischen Entwicklungen und regulatorischen Maßnahmen sind. In diesem Zusammenhang sollten potenzielle Anleger beispielsweise den weiteren Verlauf des US-Wahlkampfs und die Stimmenabgabe im November 2020 im Auge behalten.

Langfristige Wachstumsperspektiven scheinen gut

Demografischer Wandel, wachsender Wohlstand, Digitalisierung: Insgesamt erscheinen die langfristigen weltweiten Wachstumstreiber der Gesundheitsbranche intakt. Aktien aus diesem Sektor könnten daher eine interessante Beimischung im Depot entsprechend risikobereiter Anleger darstellen – eine breite Streuung über die unterschiedlichen Branchenbereiche vorausgesetzt. Regional betrachtet könnte der Fokus auf dem US-Markt liegen: Im MSCI World Health Care stehen US-Gesundheitsunternehmen für rund zwei Drittel der Marktkapitalisierung – die Schweiz (9 Prozent), Japan (6 Prozent) und Großbritannien (5 Prozent) folgen mit großem Abstand.

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Redaktionsschluss: 01.05.2020