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Finanzwissen – 08.04.21

Hedgefonds – was ist dran am hohen Renditeversprechen?

Die wichtigsten Fakten:

  • Kleinanleger verbündeten sich kürzlich, um Hedgefonds zu schädigen
  • Hedgefonds investieren weltweit weitgehend unreguliert
  • Investments in Hedgefonds gelten oft als hoch riskant

Es klingt wie der Plot für einen Börsenthriller à la „Wall Street“: Über ein Forum der Online-Plattform Reddit verabreden sich im Januar 2021 Hunderttausende Privatanleger dazu, massiv Aktien eines einzelnen Unternehmens zu kaufen. Das Ziel: Hedgefonds zu schädigen, die mit Leerverkäufen auf den Kursverfall dieses Unternehmens spekulierten – und dabei vielleicht auch selbst Kasse zu machen. Die Aktion gelang zumindest kurzfristig: Der US-Hedgefonds Melvin Capital etwa geriet so unter Druck, dass er mit 2,75 Milliarden US-Dollar von anderen Hedgefonds und Vermögensverwaltern gestützt werden musste. Der Hedgefonds schaffte es zwar dank strategischer Anpassungen, im Februar eine Toprendite von 22 Prozent zu erzielen, die Januarverluste in Höhe von 53 Prozent überwiegen jedoch klar. Allein um die bisherigen Jahresverluste auszugleichen, müsste Melvin Capital eine Rendite von 75 Prozent erzielen. Des Weiteren gab der Hedgefonds bekannt, mittlerweile das Ziel von mindestens neun Klagen zu sein. Medien berichteten, David – in diesem Falle die „guten“ Privatanleger – hätte den Kampf gegen Goliath – die „bösen“ Hedgefonds – aufgenommen.

Hohe Renditen oft nur in der Vergangenheit

Doch was ist dran an den „bösen“ Hedgefonds? Ursprünglich versuchten Hedgefonds in Phasen fallender Börsenkurse, ihre Vermögenswerte mit Leerverkäufen abzusichern, so die deutsche Übersetzung für „to hedge“. Diese Zeiten sind allerdings längst vorbei. Liest man Medienberichte zu Hedgefonds, so betreffen diese häufig die hohen Gewinne, die einzelne Hedgefonds in der Vergangenheit eingefahren haben.

Einer der berühmtesten Hedgefonds-Manager ist der US-Amerikaner John Alfred Paulson. Er wettete vor der Finanzkrise 2007/2008 auf den Einbruch des US-Immobilienmarktes und das Platzen von Hypothekenfinanzierungen. Dafür kaufte er mit seinem Hedgefonds den Banken massenhaft Kreditausfallversicherungen ab. Als die Zahlungsausfälle tatsächlich eintraten, brachte das Paulsons Hedgefonds rund 20 Milliarden US-Dollar Gewinn ein und machten ihn zu einem Gewinner der Finanzkrise. Tatsächlich erzielten Hedgefonds in den 1990er- und 2000er-Jahren im Vergleich zum breiten Markt überdurchschnittlich hohe Renditen. Nach der Finanzkrise fielen sie jedoch im Schnitt deutlich niedriger aus.

Leerverkäufe als Investmentstrategie

Ein Grund für das Negativimage von Hedgefonds ist, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen Investmentfonds häufig „offshore“ verwaltet werden, also kaum reguliert sind. Um Ziele wie ein gutes Risikomanagement und marktunabhängige Erträge zu verwirklichen, setzen Hedgefonds auf eine Vielzahl zum Teil riskanter Investmentstrategien. Dabei kommen auch Fremdkapital und alternative Finanzinstrumente zum Einsatz. Zu den populärsten Investmentstrategien zählen der Fokus auf bestimmte Events, etwa eine anstehende Unternehmensfusion (Event Driven), die Prognose makroökonomischer Trends (Global Macro), verschiedenste Arbitragestrategien zur Ausnutzung von Preisdifferenzen (Merger, Fixed Income) sowie der Kauf und Leerverkauf von Vermögenswerten (Long/Short Equity). Eine höhere Diversifikation kann durch die Kombination verschiedener Strategien im Rahmen sogenannter Dach- und Multi-Strategy-Hedgefonds erreicht werden.

Ein Beispiel für alternative Finanzinstrumente, die bei der Umsetzung der Investmentstrategien zum Einsatz kommen, sind Leerverkäufe, auch als Short Selling bezeichnet. Dabei leiht sich ein Investor gegen eine Prämienzahlung für eine bestimmte Zeit Aktien eines Unternehmens, statt sie zu kaufen. Obwohl ihm die Papiere nicht gehören, kann er sie nun am Markt verkaufen. Er muss sie allerdings am Ende der vereinbarten Leihfrist an den Besitzer zurückgeben, also rechtzeitig zurückerwerben. Sinkt der Preis der Aktien zwischen Verkauf und Rückkauf, ergibt sich daraus – abzüglich der Prämie – für den Shortseller ein Gewinn. Steigt der Kurs, macht der Leerverkäufer Verlust, denn er muss die geliehenen Aktien nun zu einem höheren Preis zurückkaufen.

Im eingangs genannten Fall lösten Privatanleger einen sogenannten Short Squeeze aus. Durch die konzertierte Aktion schoss der Wert der Aktie binnen kürzester Zeit um mehrere Hundert Prozent in die Höhe. Daraufhin mussten mehr und mehr Leerverkäufer ihre Short-Positionen eindecken, um Verluste zu reduzieren – und trugen so noch weiter zur steigenden Nachfrage und zu steigenden Kursen bei.

„In den USA verbündeten sich kürzlich Privatanleger, um Hedgefonds zu schädigen. Was ist dran am „bösen“ Hedgefonds?“

Shortseller als Wächter der Märkte

Gewinne mit den Verlusten anderer zu erwirtschaften, erscheint auf den ersten Blick anrüchig – auch das ist ein Grund für die oft negative Darstellung von Hedgefonds, die auf diese Investmentstrategie setzen. Tatsächlich können massive Leerverkäufe zu einem Vertrauensverlust bei Investoren und Kapitalgebern eines Unternehmens führen und deren Finanzierungsmöglichkeiten erschüttern.

Jedoch korrelieren Verbote von Leerverkäufen laut einem Arbeitspapier des European Systemic Risk Board tendenziell sogar mit steileren Kursrückgängen. Per se sind Short Sells also nichts Schlechtes. Wissenschaftliche Studien belegen, dass sie für mehr Markteffizienz sorgen, weil sie die Marktliquidität und die Preisfindung verbessern sowie die Handelskosten senken. Zudem tragen Shortseller mit ihren oft umfassenden Analysen dazu bei, frühzeitig finanzielle Ungereimtheiten bei Unternehmen aufzudecken.

Für Privatanleger nicht empfehlenswert

In Deutschland sind Investitionen in Hedgefonds für Privatanleger ohnehin begrenzt, da diese nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Anlegerschutz bieten. Möglich sind deshalb ausschließlich Investitionen in offene Dach-Hedgefonds, die eine gewisse Risikostreuung beinhalten. Auch hier muss allerdings mit vergleichsweise hohen Gebühren gerechnet werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, in Aktien börsennotierter Hedgefonds zu investieren und so indirekt an möglichen Gewinnen des Fonds zu partizipieren. In beiden Fällen bleibt ein Investment mit hohen Risiken behaftet. Eine Alternative bieten klassische Investmentfonds. Sie ermöglichen Privatanlegern zu vertretbaren Kosten die Nutzung eines aktiven Fondsmanagements, das je nach Ausrichtung des Fonds ein ausbalanciertes Rendite-Risiko-Verhältnis im Blick behält und dabei entsprechenden regulatorischen Vorgaben folgt.

Mancher Hedgefonds mag bei der eingangs genannten Börsenaktion übrigens Geld verloren haben, aber auch Privatanleger, die erst spät eingestiegen waren und die Aktien noch hielten, als die Blase platzte, gehören zu den Verlierern. Der Wiederaufstieg dieser Einzeltitel dürfte wie schon zuvor mit sehr hohem Risiko behaftet sein – eine erneute Blasenbildung ist nicht auszuschließen. Hoch spekulatives Handeln lohnt sich also häufig weder für „Goliath“ noch für „David“.

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Redaktionsschluss: 07.04.2021, 14:30 Uhr