Aktien | Volkswirtschaft / Geldpolitik – 08.01.20 (Archiv)

Kapitalmärkte 2019 – ein Rückblick

Die wichtigsten Fakten:

  • Politische Entwicklungen prägten 2019 das konjunkturelle Umfeld
  • Expansivere Geldpolitik stützte Konjunktur und Kapitalmärkte
  • Insbesondere Aktien zeigten eine starke Wertentwicklung

Insbesondere die Aktienmärkte weltweit haben sich im vergangenen Jahr ausgesprochen positiv entwickelt. Quelle: Nikada / Getty Images

Der globale Konjunkturverlauf wurde 2019 maßgeblich von politischen Entwicklungen beeinflusst. Wie schon 2018 führte insbesondere der sich immer wieder zuspitzende Handelsstreit zwischen den USA und China phasenweise zu hoher Verunsicherung unter den Marktteilnehmern. Nicht zuletzt aufgrund dieses Konflikts gerieten wichtige globale Konjunkturindikatoren vergangenes Jahr zunächst weiter unter Druck: Im August 2019 fiel der US-Einkaufsmanagerindex unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten und der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland auf seinen tiefsten Stand seit Ende 2012. Auch der Welthandel brach regelrecht ein: Während die globalen Ein- und Ausfuhren Ende 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch fast 4 Prozent zugelegt hatten, wiesen sie zur Jahresmitte 2019 vorübergehend sogar ein negatives Wachstum auf 12-Monats-Sicht auf. Auch wenn sich die konjunkturelle Lage zum Jahresende wieder spürbar entspannte: Insgesamt schaltete die Weltkonjunktur 2019 einen Gang zurück und dürfte nach Einschätzung der Deutschen Bank nur mit 3,1 Prozent gewachsen sein.

Anleger können dennoch auf ein gutes Aktienmarktjahr 2019 zurückblicken: Trotz zeitweiser Belastungen durch den Handelsstreit und den Kampf um die Technologieführerschaft zwischen den USA und China, die Brexit-Diskussionen, die Gewinnrezession sowie die globale Konjunkturschwäche entwickelten sich die Kurse an den bedeutendsten Börsen weltweit insgesamt positiv. Aber auch mit Anleihen ließ sich Geld verdienen. Gehörten zu schnell steigende Kapitalmarktzinsen in den USA und Europa Ende 2018 noch zu den größten Risiken für Marktteilnehmer, war nur wenige Monate später davon bereits keine Rede mehr. Im Zuge der verhalteneren Konjunkturaussichten und der darauf folgenden geldpolitischen Lockerungen sanken die Kapitalmarktzinsen in den USA und der Eurozone auf neue Jahrestiefstände. Trotz eines zwischenzeitlichen Zinsanstiegs im vierten Quartal 2019 beträgt das Volumen negativ rentierender Anleihen weltweit noch immer rund 11 Billionen US-Dollar.

Globale Aktien (Industrieländer) / MSCI World in Euro

2019 war ein überraschend starkes Jahr für globale Aktien. Trotz weltweiter Konjunktursorgen, Handelsstreit und Brexit-Unsicherheiten verzeichnete der MSCI World aus Sicht eines Euroanlegers die beste Jahresperformance im bisherigen Jahrtausend. Die Erholung von den hohen Kursverlusten im vierten Quartal 2018 sorgte für einen guten Jahresstart. In den Folgemonaten stützte das Umschwenken der großen Notenbanken hin zu einer wieder expansiveren Geldpolitik die Märkte. Steigende Anleiherenditen schienen in immer weitere Ferne zu rücken. Entsprechend führte an Aktien schlicht kein Weg vorbei – ein Umstand, der am Markt „TINA“ („There is no alternative“, dt.: Es gibt keine Alternative) genannt wird. Zum Jahresende schließlich wirkten sich eine Annäherung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen positiv auf die Kursentwicklung des MSCI World aus.

Aktien Deutschland / DAX

Unter Schwankungen gewann der DAX 2019 über 25 Prozent an Wert und lag zum Jahresende mit 13.249 Punkten knapp 300 Punkte unter seinem Allzeithoch vom Januar 2018. Das insgesamt positive Bild, das der deutsche Aktienmarkt im vergangenen Jahr abgab, unterschied sich damit deutlich von der konjunkturellen Lage im Land. Nur knapp schrammte die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt an einer technischen Rezession – zwei Folgequartale schrumpfender Wirtschaftsleistung – vorbei. Dass sich der Deutsche Aktienindex dennoch so stark entwickelte, liegt an der internationalen Ausrichtung der DAX-Unternehmen: Kaum ein anderer Aktienindex weltweit ist so abhängig von der Weltkonjunktur wie der deutsche Leitindex. In den vergangenen Monaten trieb daher insbesondere die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Weltkonjunktur die Kurse. Ausgelöst wurde diese von zwischenzeitlichen Entspannungssignalen im Handelsstreit zwischen den USA und China, der Erwartung konjunkturstimulierender Maßnahmen in China und einer leicht besseren Aussicht für die gesamteuropäische Konjunktur.

Aktien Europa / Stoxx 600

Der gesamteuropäische Stoxx 600 verzeichnete 2019 die beste Jahreswertentwicklung seit zehn Jahren. Ein absehbares Ende der Brexit-Odyssee ließ europäische Aktien Ende des Jahres wiederholt auf neue Rekordstände klettern. Die Kursrallye erfolgte trotz insgesamt stagnierender Gewinne und führte somit zu einem deutlichen Bewertungsanstieg. Auf Basis der Gewinnerwartungen für das kommende Jahr ist der Stoxx 600 inzwischen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,1 bewertet. Dieses liegt damit leicht über dem Median der vergangenen Dekade. Das bedeutet: Europäische Aktien haben schon einen großen Teil der für 2020 und 2021 erwarteten Gewinnzuwächse eingepreist.

Aktien USA / S&P 500 in Euro

Der US-Aktienmarkt hat 2019 erneut bewiesen, dass er sich in schwierigen Marktphasen robuster entwickelt als die meisten Börsen weltweit. Sowohl der Dow Jones als auch der NASDAQ Composite und der S&P 500 verzeichneten kräftige Kursgewinne und markierten im Jahresverlauf neue Allzeithochs. Mit einem Kursplus von mehr als 30 Prozent beim S&P 500 blickt die Wall Street auf das beste Aktienjahr seit 1997 zurück. Ein Grund dafür: US-Unternehmen weisen global betrachtet aktuell die höchsten und stabilsten Gewinnmargen auf. Diese sind zwar aufgrund der Lohnsteigerungen und der gestiegenen Belastung durch Zölle 2019 leicht gesunken, liegen jedoch noch immer auf hohem Niveau – im Leitindex S&P 500 beispielsweise bei mehr als 10 Prozent. Zum Jahresende sorgten darüber hinaus das starke Weihnachtsgeschäft im US-Einzelhandel und die Annäherung im Handelsstreit zwischen den USA und China für gute Stimmung auf dem US-Börsenparkett.

Aktien Japan / Topix in Yen

Auf den exportorientierten japanischen Unternehmen lastete der Handelsstreit zwischen den USA und China besonders stark. Nach einer schwachen ersten Jahreshälfte startete der Leitindex Topix im zweiten Halbjahr, unter anderem aufgrund der positiven Entwicklungen im Handelsstreit, jedoch eine fulminante Aufholjagd – und konnte in Sachen Jahreswertentwicklung mit den anderen bedeutenden Aktienmärkten weltweit fast gleichziehen. Stützend wirkte unter anderem ein von der japanischen Regierung verabschiedetes Fiskalpaket im Umfang von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro, die bis 2023 investiert werden sollen. Zudem zeichnete sich ab, dass die Mehrwertsteuererhöhung den privaten Verbrauch nicht so stark dämpft wie zunächst befürchtet. Die größten Käufer japanischer Aktien waren auch im vergangenen Jahr die Bank of Japan sowie die japanischen Unternehmen selbst. Papiere aus dem Land der aufgehenden Sonne sind trotz der jüngsten Rallye günstig bewertet: 46 Prozent aller Unternehmen im Topix werden noch immer unter Buchwert gehandelt.

Aktien Schwellenländer / MSCI Emerging Markets in Euro

Die Indexgewichtung in Prozent: China: 30, Südkorea: 12, Taiwan: 12, Indien: 9, Brasilen: 7. Neben den globalen Wachstumssorgen lastete vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China auf der Kursentwicklung von Aktien aus den Schwellenländern. Insbesondere die Börsen der asiatischen Exportnationen Südkorea und Taiwan litten in den ersten drei Quartalen 2019 unter der Verunsicherung hinsichtlich der globalen Wertschöpfungsketten im Bereich Hardware und Halbleiter. Entspannungssignale im Zollkonflikt sorgten dort zum Jahresende für eine deutliche Erholung. Auch der indische Aktienmarkt konnte sich in den letzten Monaten des vergangenen Jahres stabilisieren, nachdem zuvor Sorgen um die Konjunktur in der größten Demokratie der Welt die Kursentwicklung belastet hatten.

Aktien Asien / MSCI AC Asia ex Japan in Euro

Maßgeblich für die Anlegerstimmung in Bezug auf Aktien aus Asien waren die Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Nachrichten zur chinesischen Konjunktur. Das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte ließ zuletzt etwas nach, aber die Regierung in Peking versucht, durch fiskal- und geldpolitische Stützungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Neben der chinesischen Notenbank (People’s Bank of China) und diversen anderen Notenbanken aus der Region lockerte auch die Zentralbank in Hongkong ihre Geldpolitik, um die Konjunktur zu beleben. Politische Proteste lasteten in der chinesischen Sonderverwaltungszone im vergangenen Jahr auf dem Wirtschaftswachstum und dem Aktienmarkt. Fortschritte beim Zollstreit zwischen den USA und China sorgten am Ende des Jahres für ein Aufatmen an Asiens Börsen.

Aktien Asien / MSCI AC Asia ex Japan in Euro

Maßgeblich für die Anlegerstimmung in Bezug auf Aktien aus Asien waren die Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Nachrichten zur chinesischen Konjunktur. Das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte ließ zuletzt etwas nach, aber die Regierung in Peking versucht, durch fiskal- und geldpolitische Stützungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Neben der chinesischen Notenbank (People’s Bank of China) und diversen anderen Notenbanken aus der Region lockerte auch die Zentralbank in Hongkong ihre Geldpolitik, um die Konjunktur zu beleben. Politische Proteste lasteten in der chinesischen Sonderverwaltungszone im vergangenen Jahr auf dem Wirtschaftswachstum und dem Aktienmarkt. Fortschritte beim Zollstreit zwischen den USA und China sorgten am Ende des Jahres für ein Aufatmen an Asiens Börsen.

Renten Euro / Eurostaatsanleihen

Eine international nachlassende Wirtschaftsdynamik und Risikofaktoren wie der globale Handelsstreit sowie innerhalb Europas die Möglichkeit einer Schuldenkrise in Italien oder eines Brexits ohne Austrittsabkommen sorgten dafür, dass im Jahresverlauf 2019 erhebliche Konjunktursorgen an den Anleihemärkten eingepreist wurden. Die Suche nach „sicheren Häfen“ führte zu einer Rallye bei den Anleihekursen und damit einem erheblichen Renditerückgang. Verstärkt wurde diese Entwicklung noch von der weiteren Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken der Industrieländer. Dadurch wurde die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen sogar unter –0,7 Prozent gedrückt. Aufgrund der Entspannung im Handelsstreit sowie bei den Unsicherheitsfaktoren Italien und Brexit ist seit Anfang September wieder ein Renditeanstieg zu beobachten.

Renten US-Dollar / US-Staatsanleihen in Euro

Waren die Marktteilnehmer Ende 2018 noch von einer weiteren Straffung der Geldpolitik der US-Notenbank Fed 2019 ausgegangen, war letztlich das Gegenteil der Fall: Die Fed senkte im vergangenen Jahr das Leitzinsband dreimal auf schließlich 1,5 bis 1,75 Prozent. Wie in Europa belasteten Konjunktursorgen sowie die globale Renditejagd der Anleger die Renditen von US-Staatsanleihen zusätzlich. Seit Ende August stieg die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen von ihrem Jahrestief von 1,45 Prozent bis Jahresende auf über 1,9 Prozent.

Renten Schwellenländer / Lokalwährungsstaatsanleihen in Euro

Das globale Niedrigzinsumfeld steigerte das Interesse der Anleger an höher verzinsten Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern. Für diese war 2019 daher insgesamt ein sehr gutes Jahr. Vor allem der russische Rentenmarkt profitierte von der Renditejagd. Investoren schätzen die geringe russische Staatsverschuldung, das Haushaltsplus und den Leistungsbilanzüberschuss. Anleihen aus den Schwellenländern der EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) hingegen entwickelten sich im Jahresverlauf unterdurchschnittlich. Eine negative Wertentwicklung wiesen 2019 jedoch lediglich argentinische Anleihen auf. Verantwortlich dafür war die schwierige wirtschaftliche und politische Situation des Landes.

Rohstoffe / Gold in USD

Gold war 2019 als „sicherer Hafen“ gefragt. Die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der US-Handelspolitik, aber auch Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie weitere geopolitische Risiken ließen den Preis des Edelmetalls im September auf ein Siebenjahreshoch klettern. Die sich im Jahresverlauf eintrübende Weltkonjunktur sowie die expansivere Geldpolitik infolge dieser Entwicklung, insbesondere seitens der Fed, ließ den Goldpreis auf über 1.550 US-Dollar je Feinunze steigen. Mit dem gegen Jahresende ausgehandelten Teilabkommen im Handelsstreit zwischen China und den USA verlor Gold wieder etwas an Wert – zumal keine weiteren Zinssenkungen in Aussicht sind. Insgesamt stieg der Goldpreis 2019 aber um 19 Prozent.

Währungen EUR/USD

Anfang 2019 notierte der US-Dollar zum Euro bei 1,14 – und wurde im Jahresverlauf zunächst immer stärker. Der Grund war die zunehmend schleppende Konjunkturentwicklung innerhalb der Eurozone bei einer gleichzeitig anhaltenden Stärke der US-Wirtschaft. Trotz der drei Leitzinssenkungen seitens der US-Notenbank hielt dieser Trend an. Erst Anfang Oktober stoppte der Aufwertungstrend bei einem EUR/USD-Kurs von 1,09. Im Zuge der Vorabeinigung im Handelsstreit zwischen den USA und China zeigte sich der Greenback zum Jahresende mit 1,12 USD je Euro wieder etwas schwächer. Denn viele Analysten erwarten, dass von der US-chinesischen Annäherung im Handelskonflikt insbesondere die stärker vom Welthandel abhängige europäische Konjunktur profitieren wird.

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Redaktionsschluss: 07.01.2020