Aktien | Volkswirtschaft / Geldpolitik – 28.02.20 (Archiv)

Kapitalmärkte weiterhin im Bann des Coronavirus

Die wichtigsten Fakten:

  • Das Coronavirus belastet die globalen Aktienkurse
  • Anleger sollten Fokus auf Risikomanagement legen
  • Ausgewogen aufgestelltes Depot scheint ratsam

Das Coronavirus hat mittlerweile auch Italien erreicht: eine Frau mit Mundschutz vor dem Mailänder Dom. Quelle: Andreas Solaro / AFP / Getty Images

Das Coronavirus dominiert das Kapitalmarktgeschehen und hat zum Beispiel im deutschen Leitindex DAX zu zwischenzeitlichen Kursverlusten von mehr als zehn Prozent geführt. Damit bestätigt sich die Prognose bezüglich der Aktienmarktentwicklung aus dem Jahresausblick 2020 der Deutschen Bank: „Rumble in the Jungle.“ Das bedeutet, dass die Aktienmärkte in diesem Jahr von deutlichen und häufigen Kursrücksetzern geprägt sein werden. Risikomanagement sollte für Anleger daher an erster Stelle stehen, getreu der Prognose „Doppelt abgesichert – mit Gürtel und Hosenträger“. Es können sich jedoch auch im aktuellen Marktumfeld interessante Investmentmöglichkeiten bieten.

Infektionen außerhalb Chinas nehmen zu

Mit Blick auf das Coronavirus sah es zunächst so aus, als könnte die Ausbreitung auf China begrenzt werden. Nun häufen sich jedoch die Infektionen mit Covid-19 außerhalb des Reichs der Mitte. An den internationalen Kapitalmärkten sorgt die unübersichtliche Situation für große Unsicherheit. Denn es ist unklar, inwiefern sich die Epidemie zu einer länder- und kontinentübergreifenden Pandemie ausweiten könnte und wie lange es dauern wird, die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen. Fest steht: Medikamente oder Impfungen sind derzeit nicht in Sicht.

Negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum

Das einzige Mittel, um die Verbreitung von Covid-19 zu begrenzen, ist daher die Isolation besonders betroffener Gebiete – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft in den entsprechenden Regionen. Für das besonders vom Virus betroffene China beispielsweise rechnen die Analysten für das erste Quartal 2020 maximal mit einem Nullwachstum. Für das Gesamtjahr wird ein Plus in Höhe von gut fünf Prozent erwartet – weniger als vor der Epidemie, aber immer noch ein hoher Wert. Grundsätzlich dürften sich nach Eindämmung der Epidemie sowohl die Konjunktur als auch die Kapitalmärkte erholen.

Wirtschaftlicher Schaden unklar

Wie groß der wirtschaftliche Schaden weltweit bis dahin sein wird, ist auch von möglichen politischen und geldpolitischen Stützungsmaßnahmen abhängig. Bisher zögert die US-Notenbank, Leitzinssenkungen in Aussicht zu stellen. Die negativen Auswirkungen auf die US-Volkswirtschaft seien nicht quantifizierbar und eine Neueinschätzung der globalen wirtschaftlichen Situation ebenfalls noch nicht möglich. Die Marktteilnehmer gehen jedoch bereits von einer US-Zinssenkung im Juni 2020 sowie einer weiteren bis Ende des Jahres aus. In China und anderen asiatischen Ländern wurden im Zuge der Corona-Epidemie die Geldpolitik bereits gelockert und Konjunkturprogramme aufgelegt. Im Extremfall sind auch koordinierte Maßnahmen seitens der Zentralbanken weltweit denkbar. Diese könnten jedoch nur unter Beteiligung der US-Notenbank ausreichende Wirkung erzielen.

Ausgewogen aufgestelltes Depot scheint ratsam

Auch wenn es für Entwarnung am Aktienmarkt noch zu früh ist und die Deutsche Bank davon abrät, bereits jetzt auf die besonders betroffenen Sektoren zu setzen: Zeitweise Rücksetzer am Aktienmarkt können entsprechend risikobereiten Anlegern interessante Einstiegsmöglichkeiten eröffnen. Dementsprechend gilt es im aktuell vom Coronavirus dominierten Marktumfeld, nicht nur die Risiken zu beobachten, sondern auch die sich kurz- und mittelfristig ergebenden Möglichkeiten. Unabhängig vom Coronavirus haben die Unternehmen in den USA und Europa in der auslaufenden Berichtssaison zum 4. Quartal 2019 die Erwartungen der Analystengemeinde an Gewinn- und Umsatzwachstum zum Teil deutlich übertroffen. Interessant erscheint aktuell daher ein ausgewogen aufgestelltes Depot, das sowohl ertragsorientierte Investments wie Aktien als auch defensivere Elemente wie bonitätsstarke Euroanleihen, Gold, US-Dollar oder defensiv ausgerichtete Zertifikate berücksichtigt. Erst im späteren Jahresverlauf könnten entsprechend risikobereite Anleger je nach Marktsituation höhere Aktienquoten und deutlich gezieltere Sektorallokationen ins Auge fassen.

Aktien dürften weiteres Kurspotenzial bieten

Auf 12-Monats-Sicht scheinen in Erwartung konjunkturstützender Maßnahmen seitens der Politik und der Zentralbanken aus Sicht der Deutschen Bank sowohl beim DAX als auch beim S&P 500 höhere Kursstände als zu Jahresbeginn realistisch – sollte sich das Virus nicht zu einer Pandemie ausweiten. Dann dürfte zu steigenden Kursen nicht nur die Gewinnentwicklung der Unternehmen beitragen, sondern auch eine Ausweitung der Bewertungen im sehr wahrscheinlich anhaltenden Niedrigzinsumfeld.

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Redaktionsschluss: 27.02.2020