Volkswirtschaft / Geldpolitik | Aktien – 21.08.19

Renminbi-Abwertung: nächste Eskalationsstufe im Handelsstreit

Die wichtigsten Fakten:

  • Chinesischer Renminbi fällt gegenüber dem US-Dollar auf 11-Jahres-Tief
  • Die USA werfen China Währungsmanipulation vor
  • Eine zeitnahe Einigung im Handelsstreit ist unwahrscheinlicher geworden

Eskalation im Handelsstreit: Der US-Dollar-Renminbi-Kurs hat sich zuletzt deutlich verschoben. Quelle: Sutthipong Kongtrakool / Getty Images

Welche Rolle spielt die chinesische Währung im Handelsstreit? Die chinesische Zentralbank gab Anfang August zwar bekannt, den Renminbi im Konflikt mit den USA nicht als Waffe einsetzen zu wollen. Fakt ist jedoch: Am 5. August 2019 kostete ein US-Dollar zum ersten Mal seit mehr als elf Jahren wieder mehr als 7 Yuan. Damit unterschreitet der Wechselkurs eine Schwelle, die unter Kapitalmarktexperten als „rote Linie“ gilt. Dass die chinesischen Währungshüter diese Abwertung zuließen, wurde unter Marktteilnehmern als klares Angriffssignal an die USA verstanden.

Referenzkurs des Renminbi zuletzt sukzessive angehoben

Denn der Wechselkurs des Renminbi ist eher der Politik als den Marktkräften unterworfen: Jeden Tag legt die People’s Bank of China (PBoC) den Referenzkurs zum US-Dollar fest, um den der Wert des Renminbi 2 Prozent nach oben und unten schwanken darf, bevor die PBoC in der Regel eingreift. Jüngst wurde der Zielkurs seitens der PBoC sukzessive angehoben – von 6,89 Yuan je US-Dollar am 01.08.2019 auf 7,05 Yuan am 20.08.2019.

Schwächere Währung gegen negative Zolleffekte

Hintergrund dieser Maßnahme dürfte der Handelskonflikt mit den USA sein, denn die Strafzölle seitens der US-Regierung belasten die chinesische Exportwirtschaft. Durch einen schwächeren Renminbi können die negativen Effekte jedoch abgemildert oder sogar aufgehoben werden, da dieser die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Produkte in anderen Währungsräumen erhöht und so den Export stützen kann. Tatsächlich hat sich der US-Dollar-Renminbi-Kurs nach Ansicht der Deutschen Bank seit Beginn des Handelsstreits vor 16 Monaten über weite Strecken fast genauso entwickelt, dass die Belastungen durch die US-Zölle ausgeglichen wurden. Ein Durchbrechen der 7-Yuan-Marke hatte die PBoC jedoch lange verhindert. Sollte die chinesische Zentralbank ihren neuen Kurs beibehalten, könnte die Währung auf bis zu 7,3 Yuan je US-Dollar abwerten. Dieser Wechselkurs wäre nach Berechnungen der Deutschen Bank nötig, um die ab September 2019 geltenden neuen US-Einfuhrzölle auf weitere chinesische Güter im Volumen von 300 Milliarden US-Dollar abzufedern. Dabei wandelt die PBoC jedoch auf einem schmalen Grat. Denn die Abwertung der eigenen Währung macht Importe aus chinesischer Sicht teurer. Außerdem könnte eine anhaltende Renminbi-Schwäche das Vertrauen internationaler Investoren in die Stabilität der chinesischen Währung belasten und zu signifikanten Kapitalabflüssen führen. Bereits im zweiten Quartal 2019 zogen Anleger umgerechnet 80 Milliarden US-Dollar aus China ab. Ob Peking in Zukunft bereit wäre, mit Kapitalverkehrskontrollen entgegenzuwirken, ist aktuell offen.

USA bezichtigen China der Währungsmanipulation   

Die USA ihrerseits reagierten bereits auf die Abwertung des Renminbi: Das US-Finanzministerium stufte China am 5. August 2019 als Währungsmanipulator ein, obwohl das Reich der Mitte von den drei dafür ausschlaggebenden Kriterien – ein erheblicher Handelsüberschuss mit den USA, ein hoher Leistungsbilanzüberschuss und deutliche Interventionen am Devisenmarkt – lediglich das erste erfüllt. Die direkten Auswirkungen des US-Beschlusses sind jedoch ohnehin begrenzt: Erst nachdem ab der Einstufung ein Jahr verhandelt wurde, könnten Sanktionen wie weitere Ausschlüsse chinesischer Unternehmen von US-Regierungsaufträgen folgen – eine unbedeutende Restriktion im Verhältnis zu den bereits erhobenen Zöllen. Dennoch ist das Signal deutlich: Die US-Regierung will einen schwächeren US-Dollar.

„Chinesische Währung wertet gegenüber dem US-Dollar deutlich ab – nächste Eskalationsstufe im Handelsstreit erreicht.“

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Aktienkurse geben deutlich nach

Die Entwicklungen auf der Währungsseite werteten viele Marktteilnehmer als eine weitere Eskalation des Handelsstreits. Das führte zu zusätzlicher Verunsicherung, woraufhin Kurse an den Aktienmärkten deutlich nachgaben: In den Tagen, bevor der US-Dollar am 5. August 2019 erstmals mehr als 7 Yuan kostete, verloren der europäische Leitindex Stoxx 600 sowie sein US-Pendant S&P 500 mehr als 5 Prozent an Wert – ein Szenario, das an das Jahr 2016 erinnert, als im Zuge von Wachstumssorgen in China die Märkte stark nachgaben. Die Schwankungsintensität an den Kapitalmärkten wird wohl auf absehbare Zeit erhöht bleiben, insbesondere falls sich der US-Dollar-Renminbi-Kurs über der Marke von 7 festsetzen sollte. Insgesamt dürfte ein Kompromiss im Handelsstreit dadurch in noch weitere Ferne gerückt sein – zumal politische Spannungen weiteres Konfliktpotenzial zwischen den beiden Supermächten bieten. Stichworte sind hier die Raketentests in Nordkorea, die Proteste in Hongkong sowie US-Waffenlieferungen an Taiwan.

Anleger sollten in diesem von Unsicherheiten geprägten Kapitalmarktumfeld weiter Vorsicht walten lassen und ihr Depot entsprechend defensiver aufstellen. Neben einer eher moderaten Aktienquote können sich dabei Investments mit Kapitalschutz anbieten, beispielsweise entsprechende Zertifikate.

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Redaktionsschluss: 01.05.2020