Aktien – 17.02.20 (Archiv)

Rumble in the Jungle am Aktienmarkt – 2020 startet mit deutlichen Schwankungen

Die wichtigsten Fakten:

  • Aktienmärkte starten positiv ins Jahr 2020
  • Im bisherigen Jahresverlauf belasteten Irankonflikt und Coronavirus die Börsen
  • Aktienkurse erholen sich bislang von allen Rückschlägen

Die Aktienmärkte starteten mit deutlichen Schwankungen ins Jahr 2020. Quelle: ZargonDesign / Getty Images

Das Jahr 2020 ist noch jung, doch bereits jetzt bestätigt sich die Prognose bezüglich der Aktienmarktentwicklung aus dem Jahresausblick der Deutschen Bank: „Rumble in the Jungle“ – betitelt nach einem legendären Boxkampf, in dem Boxlegende Muhammad Ali die Schläge seines Konkurrenten George Foreman lange wegsteckte und schließlich doch durch K. o. gewann. Auch die Aktienmärkte mussten und konnten im bisherigen Jahresverlauf bereits vielen Widrigkeiten trotzten: Nach dem gelungenen Jahresstart sorgten zunächst die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Tötung des iranischen Generals Soleimani durch die USA für den ersten Kursrückschlag an den weltweiten Aktienmärkten. Die Lage entspannte sich jedoch relativ schnell, als sowohl US-Präsident Donald Trump als auch das iranische Militär von einer weiteren Eskalation des Konflikts Abstand nahmen. In Folge erholten sich auch die Aktienkurse wieder.

Für weitere Entspannung an den Kapitalmärkten sorgte Mitte Januar vor allem die Annäherung zwischen China und den USA. Zum einen entschied die US-Administration, China nicht länger als Währungsmanipulator einzustufen. Zum anderen wurde mit den Unterschriften unter dem „Phase-eins-Deal“ im Handelsstreit schließlich das Teilabkommen aus dem vergangenen Jahr unter Dach und Fach gebracht – einschließlich Zollsenkungen auf beiden Seiten.

Coronavirus belastet Börsen weltweit

Als die ersten Meldungen über das neue Coronavirus Covid-19 in China aufkamen, gerieten die Kurse an den Börsen weltweit erneut unter Druck. Denn seither stellt das Virus eine Bedrohung nicht nur für die Gesundheit der Menschen, insbesondere in China, sondern auch für die Konjunktur dar – zumal Covid-19 in Hubei ausgebrochen ist, einer stark industriell geprägten Provinz Chinas. Viele Zulieferer international tätiger Unternehmen haben ihren Sitz in der Provinzhauptstadt Wuhan, dem Epizentrum des Virus. Darüber hinaus brach es in der Urlaubszeit rund um das chinesische Neujahrsfest aus – diese „Goldene Woche“ gilt traditionell als die Hauptreise- und Konsumzeit im Reich der Mitte. Die chinesischen Börsen waren wegen des Neujahrsfestes geschlossen. Bei der Wiedereröffnung am 3. Februar fielen die Kursverluste entsprechend deutlich aus.

China reagiert auf mögliche Konjunktureintrübung

Die Verbreitung des Coronavirus außerhalb Chinas hält sich jüngsten Meldungen zufolge weiterhin in Grenzen. Für das Reich der Mitte hat die Deutsche Bank ihre Wachstumsprognose für das erste Quartal gegenüber dem Vorjahr zwar um 1,5 Prozentpunkte reduziert. Die chinesische Zentralbank hat aber bereits mit geldpolitischen Maßnahmen reagiert. Fiskalmaßnahmen seitens der Zentralregierung dürften folgen. Nach einer Erholung im zweiten Quartal erwarten wir deshalb für das Gesamtjahr 2020 noch immer ein Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts von 5,8 Prozent. Die Belastungen für die Konjunktur in Asien insgesamt dürften daher ebenfalls gering ausfallen – auch wenn man mit Aussagen rund um Covid-19 grundsätzlich vorsichtig sein muss.n.

Positive Unternehmenszahlen stützen Kurse

Der „harte Schlag“ durch das Coronavirus konnte an den weltweiten Börsen durch die positiven Unternehmensdaten aus der US-Berichtssaison für das vierte Quartal 2019 pariert werden. Insbesondere Technologietitel sorgten für gute Stimmung. Zahlreiche große Unternehmen aus dem Techsektor konnten mit Umsätzen und Gewinnen, die deutlich über den Erwartungen selbst optimistischer Analysten lagen, positiv überraschen. Zusammen mit guten Daten zur US-Konjunktur – der Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin solide und der Einkaufsmanagerindex ISM konnte zuletzt zulegen – drehte die Kursentwicklung an den Börsen Anfang Februar und zeigte wieder Richtung neuer Höchststände. Darüber hinaus dürfte auch die Rede des US-Präsidenten Donald Trump zur Lage der Nation zur positiven Stimmung beigetragen haben, während das gescheiterte Amtsenthebungsverfahren gegen Trump hingegen kaum für Bewegung am Markt sorgte. Der vorherige „Kurstiefschlag“ durch das Coronavirus konnte so nahezu vollständig kompensiert werden.

Bedeutende Aktienmärkte seit Jahresbeginn im Plus

Seit Jahresbeginn liegen der globale Industrieländerindex MSCI World und der US-amerikanische Leitindex S&P 500 aus Sicht eines Euroanlegers jeweils mehr als 4 Prozent im Plus. Für Anleger gilt es jedoch, die weiterhin bestehenden Risiken im Auge zu behalten. Die Schwächephase der europäischen Industrie ist beispielsweise noch nicht überwunden. Das gilt insbesondere für Deutschland: Die Industrieproduktion verzeichnete im Dezember 2019 ein Minus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise. Außerdem sind die laufenden Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich über ein Handelsabkommen für die Zeit nach Ablauf der Übergangsfrist Ende 2020 ebenso ein potenzieller Risikofaktor wie der US-Wahlkampf. Schwankungen an den Kapitalmärkten scheinen daher weiterhin möglich.

„Aktienmärkte präsentieren sich 2020 robust, weiteres Kurspotenzial scheint möglich, doch die Risiken bleiben bestehen.“

Aktien bieten weiterhin Kurspotenzial

Trotz der vielen unerwarteten Unsicherheitsfaktoren im Jahr 2020 gibt es aus Sicht der Deutschen Bank keinen Grund für Schwarzmalerei. Im Gegenteil: Nach dem Schock durch den Ausbruch des Coronavirus sollten Anleger wieder die langfristig positiven Gewinnerwartungen in den Fokus nehmen. Für Europa rechnet die Analystengemeinde 2021 mit einem Gewinnwachstum von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, für die USA wird ein Plus in Höhe von 11 Prozent erwartet. Zudem sinken weiterhin weltweit die Zinsen, was zum einen die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen verbessert – und zum anderen Rentenanlagen weniger interessant macht. Anleger mit entsprechender Risikobereitschaft könnten daher erneute Rücksetzer an den Aktienmärkten als Einstiegsgelegenheiten nutzen. Dabei dürften sich auch Renditemöglichkeiten in den Schwellenländern ergeben. Neben Aktien aus der Technologiebranche könnten auch andere Themeninvestments zu einer breiten Streuung des Anlagekapitals beitragen – zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit. Es gilt jedoch, das Depot gegen die weiterhin bestehenden Risiken abzusichern. Daher können bonitätsstarke Anleihen sowie Gold eine interessante Ergänzung im Portfolio darstellen.

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Redaktionsschluss: 14.02.2020