Volkswirtschaft / Geldpolitik | weitere Themen – 31.08.20

Schwacher US-Dollar: Risiko oder Chance?

Die wichtigsten Fakten:

  • US-Dollar zuletzt mit deutlichen Verlusten zum Euro
  • Schwächephase könnte auf absehbare Zeit anhalten
  • US-Investments bleiben langfristig interessant

Quelle: Peter Dazeley / Getty Images

Der US-Dollar hat in den vergangenen Monaten gegenüber vielen wichtigen Währungen zum Teil deutlich an Wert verloren – so auch im Vergleich zum Euro. Die US-Währung rutschte von 1,08 Euro/Dollar im Mai auf zwischenzeitlich mehr als 1,20 Euro/Dollar Mitte August ab. Die Gründe für die aktuelle Schwäche der Weltleitwährung könnten auf absehbare Zeit anhalten. Anleger sollten das Währungspaar weiterhin im Blick behalten, denn die Auswirkungen auf das Portfolio sind mitunter erheblich.

US-Dollar von vielen Seiten unter Druck

Unter Abwertungsdruck geriet der US-Dollar im Zuge der Coronavirus-Pandemie unter anderem durch die unlimitierten Anleihekäufe und die Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed. Sie ließen den Vorsprung der USA bei den Kapitalmarktzinsen, beispielsweise gegenüber der Eurozone, schrumpfen. Gestützt wurde diese Entwicklung durch die Aussage von Fed-Chef Jerome Powell, „nicht einmal daran zu denken, über Zinsanhebungen nachzudenken“, sowie seine Überlegungen, in Zukunft unter Umständen zeitweise auch Inflationsraten von mehr als 2 Prozent zu tolerieren. Hinzukommen die anhaltend hohen Coronavirus-Neuinfektionszahlen, allen voran in den südlichen Bundesstaaten, und die Tatsache, dass Anleger in Erwartung einer weltweiten Konjunkturerholung dem sicheren Hafen US-Dollar vermehrt den Rücken kehren. In den kommenden Monaten könnten Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf den Dollar zusätzlich belasten. Es bleibt die Frage, wieweit der US-Dollar noch fallen und welche Auswirkungen das gegebenenfalls auf die Märkte haben könnte.

Aus den USA sind ob der Dollarschwäche bislang keine allzu lauten, beunruhigten Stimmen zu vernehmen. Kein Wunder: Ein etwas schwächerer US-Dollar dürfte für die Wettbewerbsfähigkeit der dortigen Exportwirtschaft hilfreich sein. Zudem scheint der Großteil der auf dem Dollar lastenden Aspekte bereits in den aktuellen Wechselkursen eingepreist zu sein – Sorgen um einen spürbaren Kursabsturz und die Stellung des US-Dollars als Weltleitwährung erscheinen daher unbegründet. Nach den Entwicklungen der vergangenen Monate mehren sich vielmehr die Meinungen, dass der Euro-Dollar-Wechselkurs bald seinen diesjährigen Höchststand erreicht haben könnte.

Dollarschwäche treibt Welthandel

Im Juni hat der Welthandel im Vormonatsvergleich um 7,6 Prozent zugelegt – so stark wie noch nie. In den vorangegangenen Monaten war das Gesamtvolumen der Importe und der Exporte wegen der Coronavirus-Krise teilweise noch um bis zu 12 Prozent eingebrochen. Konjunkturelle Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Erholung im Juli und August fortgesetzt hat. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Dollarschwäche zur Erholung des Welthandels beigetragen haben dürfte. Etwa 40 Prozent der weltweiten Ex- und Importe werden in US-Dollar gehandelt – nicht nur diejenigen unter Beteiligung der USA. In den meisten Ländern ist der Anteil der in US-Dollar abgerechneten Importe deutlich höher als der Anteil der Importe aus den USA. Durch die handelsgewichtete Abwertung des Greenback um 5,5 Prozent seit März haben sich Importe aus Sicht der Nicht-Dollar-Währungsräume daher verbilligt, was den globalen Handel mit Gütern antreibt. Die Wirtschaft der Eurozone ist aufgrund der hohen internationalen Verflechtungen und eines Umsatzanteils von mehr als 50 Prozent außerhalb der Eurozone vergleichsweise anfällig für Währungsschwankungen – auch im Hinblick auf andere Währungen als den US-Dollar.

Eurostärke: eine Belastung für die Unternehmen der Eurozone?

Eine starke Gemeinschaftswährung könnte europäische Unternehmen, deren Kosten in Euro anfallen, während die Umsätze vorwiegend in US-Dollar erzielt werden, langfristig belasten. Betroffen sind hiervon vor allem Unternehmen aus den Bereichen Luftfahrt, Industrie und Gesundheitswesen sowie Auto- und Luxusgüterhersteller. Importeure – wie beispielsweise Unternehmen aus dem Einzelhandel – profitieren hingegen von einer Eurostärke. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Stärke des Euro auf die zügige Erholung der europäischen Wirtschaft, die Einigung auf den Wiederaufbaufonds und eine erfolgreiche Virusbekämpfung zurückzuführen ist. Auch haben sich hiesige Unternehmen gegen Währungsschwankungen abgesichert, weshalb sich die negativen Folgen auf ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in Grenzen halten dürften.

„Aktuelle US-Dollarschwäche kann Auswirkungen auf das Depot haben – positive wie negative.“

US-Dollarinvestments bleiben potenzielle Kernanlagen

Ein wachsendes US-Außenhandelsdefizit und Kapitalabflüsse aus US-Dollaranlagen könnten auf Sicht von sechs Monaten zu einer weiteren Abwertung des Dollar in Richtung 1,21 Euro/Dollar führen. Aufgrund der möglichen Auswirkungen auf Unternehmen rund um den Globus und da ein Investment in zum Beispiel US-Aktien zunächst auch direkt ein Investment in den US-Dollar ist, sollten Anleger die Entwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses stets sehr genau im Auge behalten. Die Deutsche Bank rechnet nicht mit einer grundsätzlichen Trendwende am Währungsmarkt und erwartet den US-Dollar auf 12-Monats-Basis bei 1,15. Damit bleiben ausgewählte US-Dollarinvestments für entsprechend risikobereite Anleger ein potenziell wichtiger Baustein für das Portfolio. Wer das Fremdwährungsrisiko dennoch scheut, hat die Möglichkeit, seine Investments währungsgesichert zu tätigen.

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Redaktionsschluss: 31.08.2020