Immobilien – 08.10.20

Trotz Corona: Was Gewerbeimmobilien interessant macht

Die wichtigsten Fakten:

  • Investitionen in Gewerbeimmobilien im zweiten Quartal deutlich gesunken
  • Druck vor allem auf Einzelhandelsobjekte könnte anhalten
  • Logistik- und Bürosektor vor nachhaltiger Erholung

Quelle: Getty Images

Der gewerbliche Immobilienmarkt in der Eurozone hat ein bewegtes erstes Halbjahr hinter sich: Nach einem starken Jahresanfang brachen die Investitionen im zweiten Quartal im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Infektionen um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Im Angesicht anhaltender Unsicherheiten über den Verlauf der Pandemie dürften sie sich im weiteren Jahresverlauf auch nur langsam erholen und die Immobilienpreise unter Druck bleiben. Die weniger flexibel anpassbaren Mieten hingegen blieben bislang weitestgehend stabil, wodurch die Mietrenditen entsprechender Objekte zuletzt insgesamt leicht anzogen – ein Trend, der sich auf absehbare Zeit fortsetzen könnte.

Trotz Corona: Was Gewerbeimmobilien interessant macht
Einzelhandel: Druck durch strukturellen Wandel

Blickt man unter die Oberfläche des Gesamtmarktes, wird jedoch verständlich, dass es zwischen den einzelnen gewerblichen Sektoren zum Teil deutliche Unterschiede gibt. Während der Logistik- sowie der Büromarkt vor einer Erholung stehen dürften, wird der Einzelhandelssektor wohl noch länger brauchen, um das Niveau der Vorkrisenzeit zu erreichen. Zwar konnten sich die Einzelhandelsumsätze in vielen Ländern der Eurozone sehr schnell von der Krise erholen, allerdings nur aufgrund zunehmender Online-Käufe. Dieser Trend, der sich durch die Coronavirus-Krise beschleunigt hat, geht zulasten des stationären Einzelhandels, dessen Geschäftsmodell dadurch langfristig Schaden nehmen könnte – viele Verbraucher dürften ihr verändertes Kaufverhalten auch nach der Coronavirus-Krise beibehalten.

„Gewerbeimmobilien: nach schwachem zweiten Quartal nachhaltige Erholung in der Eurozone möglich.“

Logistik: Profiteur der Digitalisierung

Profiteur des anhaltenden Onlineshopping-Trends ist hingegen der Markt für Logistikimmobilien. Kurzfristig belastete der massive Konjunktureinbruch natürlich auch diesen Sektor. Mittel- und langfristig dürfte die Flächennachfrage durch die bereits zu beobachtende wirtschaftliche Erholung und die beschleunigte Digitalisierung insbesondere im Bereich des Konsums aber wieder anziehen, wodurch Mieten und Preise rasch wieder steigen sollten.

Büros: hohe Nachfrage trotz Homeoffice

Ähnliches gilt für den Büroimmobilienmarkt, der im zweiten Quartal die geringste Nachfrage seit der Finanzkrise 2008 zu verzeichnen hatte. Ein Grund dafür war die verstärkte Nutzung von Homeoffice-Arbeitsplätzen im Zuge der angeordneten Kontaktbeschränkungen in allen Ländern der Eurozone. Zwar dürfte Heimarbeit in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen und damit die Büroflächennachfrage langfristig dämpfen. Dieser Entwicklung wirkt allerdings der strukturelle Dienstleistungstrend entgegen, durch den die Zahl der Schreibtischtätigkeiten tendenziell immer weiter zunimmt.

Gute Investmentaussichten, Sektorunterschiede beachten

Für entsprechend risikobereite Anleger erscheint der gewerbliche Immobilienmarkt der Eurozone damit nach wie vor als ein interessantes Investmentziel. Günstige Finanzierungskonditionen und die Aussicht auf eine baldige Konjunkturerholung stützen den Markt insgesamt – die langfristigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie dürften überschaubar und mögliche Preisrückgänge zeitlich sowie regional begrenzt bleiben. Als Investment für Anleger dürften sich angesichts der Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren breit aufgestellte Immobilienfonds eignen.

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Redaktionsschluss: 06.10.2020