Quelle: Vlad Kochelaevskiy / Adobe Stock

Aktien – 14.04.21

US-Bankaktien mit weiterem Aufwärtspotenzial

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Pandemie bescherte Banken erhebliche Gewinneinbußen
  • US-Banken kamen besser durch die Krise als europäische Institute
  • Aktienrückkäufe dürften US-Bankaktien 2021 treiben

Die Coronavirus-Pandemie ist auch am Finanzsektor nicht spurlos vorübergegangen. Im Umfeld einer steigenden Kreditnachfrage mussten die Banken im vergangenen Jahr – trotz umfangreicher Garantien der Regierungen – aufgrund der Sorge vor einer Welle von Kreditausfällen ihre Liquiditätspuffer anheben. Gleichzeitig sanken die Zinsen auf neue Tiefststände. Profitieren konnte der Sektor zwar von deutlich gestiegenen Handelsaktivitäten der Kunden an den Kapitalmärkten – der wachsende Wunsch vieler Kunden nach digitalen Angeboten verstärkte jedoch auch die Notwendigkeit von Investitionen in die Digitalisierung, etwa des Zahlungsverkehrs. Diese Entwicklungen wirkten sich insgesamt negativ auf die Geschäftsergebnisse der Finanzinstitute aus. Auch die merkliche wirtschaftliche Erholung zum Jahresende konnte daran nichts ändern. Regional betrachtet gab es dabei allerdings erhebliche Unterschiede.

US-Banken mit mehr Widerstandskraft

Mit einem Umsatzrückgang von 1 Prozent und Gewinneinbußen von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr sind die
US-Banken im Jahr 2020 insgesamt deutlich besser durch die Pandemie gekommen als ihre europäischen Pendants. Letztere verzeichneten ein Umsatzminus von 5 Prozent und einen Gewinneinbruch von rund 60 Prozent. Und das, obwohl die US-Banken 2020 ihre Kapitalrücklagen für Kreditausfälle um 140 Prozent auf das höchste Niveau seit 2010 angehoben hatten, während europäische Institute ihre Rücklagen „nur“ verdoppelt hatten.

Das insgesamt bessere Abschneiden der US-Institute hat vor allem strukturelle Gründe. Bereits seit der großen Finanzkrise ist zu beobachten, dass die US-Banken deutlich profitabler sind als ihre europäischen Pendants und ihren Vorsprung kontinuierlich ausbauen konnten. Dafür gibt es vielfältige Ursachen:

  • Die regulatorischen Anforderungen in den USA sind weniger restriktiv als in Europa, wo zudem – nicht zuletzt durch den Brexit – die vollständige Integration des Finanzmarktes noch immer weit entfernt scheint.
  • US-Banken haben in den vergangenen Jahren stark von Steuersenkungen der Trump-Administration profitiert, wohingegen viele Banken in Europa einer vergleichsweise hohen Besteuerung unterliegen.
  • Die Phasen äußerst niedriger Kapitalmarktzinsen und deutlich flacher verlaufender Zinsstrukturkurven halten in Europa schon länger an als in den USA. Die damit verbundenen sinkenden Nettozinseinkommen lasten schwer auf den Ergebnissen der europäischen Banken.
  • Die höhere Profitabilität der US-Banken ermöglichte es ihnen wiederum, mehr in wichtige Bereiche wie das Leistungspotenzial der Mitarbeiter und Technologie zu investieren.

„US-Banken haben in der Pandemie weniger stark gelitten als europäische – und bieten interessante Investmentchancen.“ 

Margendruck belastet europäische Banken

Hinzu kommt, dass die Banken diesseits des Atlantiks in den vergangenen Jahren im Investmentbanking deutlich an Boden verloren haben. Während die fünf größten US-Banken im globalen Emissions- und Beratungsgeschäft ihren gemeinsamen Marktanteil von 30 Prozent seit 2012 stabil halten konnten, sank der Marktanteil der sieben größten europäischen Institute um mehr als ein Drittel auf heute nur noch 14 Prozent. In dieser Zeit stiegen die Gebühreneinnahmen der US-Banken im Investmentbanking um 70 Prozent, die der Europäer nur um 10 Prozent. Der wettbewerbsbedingt große Margendruck belastet aber nicht nur das Investmentbanking, sondern insgesamt die Gebühreneinnahmen der europäischen Banken stark. Privat- und Unternehmenskunden zahlen in Europa häufig geringere Gebühren als in den Vereinigten Staaten.

US-Finanztitel mit Kurspotenzial

Die meisten der vorgenannten Faktoren dürften dafür sorgen, dass die US-Banken auf absehbare Zeit ihren Vorsprung gegenüber ihren europäischen Mitbewerbern halten werden können. 

Darüber hinaus gab die US-Notenbank Fed im März bekannt, dass für Banken, die den Stresstest im Juni bestehen, die derzeit geltenden Einschränkungen von Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen ab Juli aufgehoben werden. Schätzungen zufolge könnten die größten US-Geldhäuser dadurch allein in der zweiten Jahreshälfte Aktienrückkäufe über 63 Milliarden US-Dollar tätigen – nach bis zu 22 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal. Das entspräche mehr als 4 Prozent ihrer derzeitigen Marktkapitalisierung. Negativ könnte sich in Zukunft allerdings eine eventuell höhere Steuerlast für US-Banken unter Präsident Joe Biden auswirken. Insgesamt könnten Finanztitel aus den USA trotz deren Rallye der vergangenen Monate für entsprechend risikobereite Anleger weiteres Aufwärtspotenzial bieten.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 13.04.2021, 13:00 Uhr