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Aktien – 29.04.21

US-Infrastrukturpaket: Good News für deutsche Aktien?

Die wichtigsten Fakten:

  • Positive Effekte durch US-Infrastrukturpaket für deutsche Unternehmen möglich
  • Negative Auswirkungen durch geplante US-Steuererhöhungen erwartet
  • Vor- und Nachteile voraussichtlich ausgewogen – kein Handlungsdruck für Anleger

Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Geht es nach den Plänen von US-Präsident Joe Biden, werden die USA in den kommenden acht Jahren mehr als 2 Billionen US-Dollar in die Erneuerung ihrer Infrastruktur investieren. Unter anderem sollen 30.000 Kilometer Straßen und 10.000 Brücken modernisiert oder neu gebaut, der Breitbandausbau und die Elektromobilität vorangetrieben sowie das Gesundheits- und das öffentliche Schulsystem verbessert werden.

Finanziert werden soll das Paket unter anderem über eine Erhöhung der Unternehmenssteuer. Diese war 2018 von Bidens Vorgänger Donald Trump von 35 Prozent auf 21 Prozent gesenkt worden und soll nun auf 28 Prozent angehoben werden. Wie hoch der Anstieg tatsächlich ausfällt, bleibt abzuwarten. Denn sowohl die Republikaner als auch einzelne demokratische Abgeordnete haben sich bereits gegen Steuererhöhungen ausgesprochen – ein Kompromiss dürfte also wahrscheinlich sein.

Kurzfristige Konjunkturstimuli bleiben aus

Im Gegensatz zu anderen Fiskalmaßnahmen der jüngeren Vergangenheit, die eher auf kurzfristige nachfragestimulierende Effekte abzielten, dürfte sich das geplante Infrastrukturpaket vor allem langfristig positiv auf das Wirtschaftswachstum der USA auswirken. Aufgrund des lang angelegten Investitionshorizonts sind zeitnahe Konjunkturstimuli kaum zu erwarten – zumal eine Steuererhöhung für Unternehmen den positiven Investitionsimpuls sogar kurzfristig konterkarieren würde.

Direkte Auswirkungen auf deutsche Unternehmen

Die Entwicklungen jenseits des Atlantiks könnten auch viele deutsche Unternehmen betreffen: Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft. Rund 4.500 deutsche Unternehmen sind in den USA direkt tätig – mehr als aus jedem anderen Land der Erde. Diese erwirtschaften im Jahr rund 500 Milliarden US-Dollar Umsatz und sind mit fast 900.000 Beschäftigten der drittgrößte ausländische Arbeitgeber im Land.

Positive und negative Effekte halten sich die Waage

Die Deutsche Bank hat deutsche Unternehmen aus verschiedenen Sektoren hinsichtlich möglicher Auswirkungen eines steuerfinanzierten US-Infrastrukturpakets untersucht und errechnet, dass der negative Effekt einer Steuererhöhung den positiven Effekt des Konjunkturprogramms überwiegen dürfte: Bei einem Unternehmenssteuersatz von 28 Prozent betrüge der durchschnittliche Rückgang der Gewinne etwa 2 Prozent.

Käme es hingegen, wie von der Deutschen Bank erwartet, zu einem Kompromiss zwischen dem Biden-Lager und den Gegnern von Steuererhöhungen, könnte der Anstieg der Unternehmenssteuer auf 25 Prozent begrenzt werden. Dann würden die Gewinne der untersuchten deutschen Unternehmen im Schnitt um 3 Prozent steigen.

„Infrastrukturpaket und Steuererhöhungen: Wie sich die US-Fiskalpolitik auf deutsche Unternehmen auswirken könnte.“ 

Unterschiede mit Blick auf die Sektoren

Zu den langfristigen Profiteuren des US-Infrastrukturpaketes könnten auf deutscher Seite insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Grundstoffe, Maschinen- und Anlagenbau sowie Hardware zählen. Für Stahlunternehmen liegt der berechnete Nettoeffekt aus verbessertem Geschäftsumfeld und höherer Steuerbelastung (28 Prozent) mit mehr als 10 Prozent am höchsten. Die größten Verlierer kämen aus den Sektoren Pharma und Medizintechnik sowie Automobil. Vor allem Letztere zahlen in den USA viel Steuern, wodurch sie mit Gewinnrückgängen um 5 Prozent zu rechnen hätten.

Kein akuter Handlungsbedarf für Anleger

Insgesamt sollten sich die negativen und positiven Effekte des US-Infrastrukturpakets für deutsche Unternehmen in etwa die Waage halten. Für Anleger dürfte daher keine Veranlassung bestehen, Veränderungen an ihrem breit gestreuten deutschen Aktienportfolio vorzunehmen. Für entsprechend risikobereite Anleger könnten sich in den besonders aussichtsreichen Sektoren vielmehr einige interessante Investmentmöglichkeiten ergeben. Dabei sollten Anleger jedoch beachten, dass die positiven Erwartungen teilweise bereits in den Kursen eingepreist zu sein scheinen – ein Sektorengagement sollte also sehr selektiv erfolgen.

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Redaktionsschluss: 28.04.2021, 12:00 Uhr