Anleihen – 28.10.20

US-Staatsanleihen: Renditeanstieg in Sicht?

Die wichtigsten Fakten:

  • Renditen für US-Staatsanleihen bewegten sich zuletzt seitwärts
  • Konjunkturpaket könnte nach US-Wahlen Wachstumsimpulse geben
  • Fed dürfte bei möglichem Renditeanstieg zunächst nicht eingreifen
US-Staatsanleihen: Renditeanstieg in Sicht?

Quelle: Rudy Sulgan / Getty Images

Die Renditen für US-Staatsanleihen hatten im Zuge der Coronavirus-Pandemie bis Ende März stark nachgegeben und sich seitdem tendenziell seitwärts bewegt – trotz der pandemiebedingten starken Erhöhung der Staatsausgaben und dem damit einhergehenden Anstieg des Anleiheangebots. Nach den US-Präsidentschafts- und Kongresswahlen am 3. November könnte es jedoch zu einem Renditeanstieg kommen. Denn das bereits seit längerer Zeit geplante zusätzliche Konjunkturpaket, über dessen Ausgestaltung Republikaner und Demokraten – wohl auch aus wahlkampftaktischen Gründen – bislang keine Einigung erzielt haben, dürfte dann verabschiedet werden.

US-Staatsanleihen vor Renditeanstieg?

Fed dürfte Renditeanstieg akzeptieren

Die US-Notenbank würde sich einem solchen Anstieg der Renditen voraussichtlich nicht in den Weg stellen, sofern dieser nicht zu stark ausfällt. Dafür spricht unter anderem, dass auch die seit Juli steiler werdende Zinsstrukturkurve bei der Fed keinen Handlungsbedarf auslöste. Der Grund: Die Ausweitung der Renditedifferenz zwischen Staatspapieren mit 10- und 30-jähriger Laufzeit auf nahezu 100 Basispunkte wurde vor allem durch einen Renditeanstieg bei den 30-jährigen Staatsanleihen verursacht. Dieser wirkt sich jedoch kaum auf die Kreditzinsen für Verbraucher und Unternehmen aus. Zudem erholte sich der Leitindex S&P 500 relativ schnell vom coronabedingten Börsencrash im Frühjahr und verzeichnete im Sommer wieder neue Höchststände.

Die Analysten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Fed eine steilere Renditekurve toleriert, solange mit einem Anstieg der Renditedifferenz um 10 Basispunkte ein Plus des Aktienmarktes von etwa 0,7 Prozent einhergeht. Für eine Zurückhaltung der US-Notenbank beim Kauf weiterer Staatsanleihen spricht außerdem, dass sie nur 70 Prozent am jeweils ausstehenden Volumen von Anleihen verschiedener Laufzeiten halten darf. Bei Anleihen mit Laufzeiten von 10 oder mehr Jahren rückt dieser Grenzwert aktuell immer näher.

Wahlausgang könnte Höhe des Renditeanstiegs bestimmen

Noch ist allerdings fraglich, wie hoch der erwartete Renditeanstieg tatsächlich ausfallen wird. Ein wesentlicher Treiber der Entwicklung dürfte der Ausgang sowohl der Präsidentschafts- als auch der Kongresswahlen sein. Ein Wahlsieg der Demokraten inklusive Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus dürfte den stärksten Aufwärtsdruck auf die Renditen ausüben. Denn dann wären eine Steuerreform, die steigende Unternehmenssteuern zur Folge haben könnte, sowie eine zügige Verabschiedung eines Konjunkturpakets am wahrscheinlichsten.

„Die Renditen von US-Staatsanleihen könnten nach der Wahl wieder steigen. Was das für Anleger bedeutet.“

Die Sparneigung in den USA hatte im 1. Halbjahr spürbar zugenommen. Das führte dazu, dass trotz erhöhter Staatsausgaben und der damit einhergehenden Ausweitung des Angebots von Staatsanleihen die Renditen nicht wie erwartet stiegen. Entscheidend für die weitere Renditeentwicklung dürfte sein, ob es durch die oben genannten Maßnahmen gelingt, den Konsum anzukurbeln.

US-Staatsanleihen als Stabilisierungsfaktor

Anleger sollten den Ausgang der US-Wahlen also auch im Hinblick auf die Anleiherenditen im Blick behalten. Aus Sicht der Deutschen Bank erscheint es aber auch vor dem Hintergrund eines möglichen Renditeanstiegs nicht ratsam, sich jetzt von US-Staatsanleihen zu trennen. Im Gegenteil: Diese spielen als Stabilisierungsfaktor weiterhin eine bedeutende Rolle in einem breit diversifizierten Depot. Mit einem steigenden Marktzins könnten sich zudem interessante Einstiegschancen bieten. Mit Blick auf die unterschiedlichen Rendite- und Kursentwicklungen von Anleihen verschiedener Laufzeiten könnte dabei ein aktives Management sinnvoll sein.

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Redaktionsschluss: 26.10.2020, 10 Uhr