Aktien – 10.08.20

Wie es am US-Aktienmarkt langfristig weitergehen könnte

Die wichtigsten Fakten:

  • US-Aktien im letzten Jahrzehnt mit starker Performance
  • Positivtrend könnte sich in den kommenden Jahren fortsetzen
  • Langfristige Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet
Wie es am US-Aktienmarkt langfristig weitergehen könnte

Durchschnittlich 6 Prozent pro Jahr könnten die Kurse im S&P 500 bis zum Jahr 2030 zulegen und mit 90-prozentiger Sicherheit eine bessere Rendite abwerfen als US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 2030, so das Ergebnis einer neuen Studie. Dabei ist natürlich zu beachten, dass insbesondere an der Börse Entwicklungen über einen solch langen Zeitraum nicht genau vorherzusehen sind. Zu vielfältig sind die wirtschaftlichen und zu unvorhersehbar die politischen Einflussfaktoren – Stichwort Coronavirus. Dennoch lassen sich anhand bestimmter Modelle auf Basis bis in das Jahr 1880 zurückreichender Daten zumindest mögliche Trends erkennen. Verwendet werden dabei Näherungsverfahren, basierend unter anderem auf historischen Aktienbewertungen, Anlegerpositionierungen und Dividendenrenditen sowie den Prognosen zum US-Wirtschaftswachstum. 

Studie aus dem Jahr 2012 weist in die richtige Richtung

Dass solche Modellrechnungen durchaus ihre Berechtigung haben können, zeigt eine ähnlich der aktuellen Untersuchung konzipierte Studie aus dem Jahr 2012, die sich mit der Wertentwicklung des S&P 500 bis 2022 beschäftigte: Sie prognostizierte durchschnittliche jährliche Kurssteigerungen von 8 Prozent. Die Entwicklungsrichtung stimmt bislang – auch wenn das Ergebnis bisher noch besser ausfällt: Die Kurse im Leitindex S&P 500 legten seit 2012 im Durchschnitt um 14,1 Prozent pro Jahr zu. Maßgeblich dafür waren drei Faktoren: solide Dividenden, steigende Unternehmensgewinne und eine Ausweitung der Aktienbewertungen. Getrieben vom längsten Wirtschaftsaufschwung der US-Geschichte, von anziehenden Gewinnmargen, einer abnehmenden Steuerbelastung und hohen Aktienrückkäufen stiegen die Gewinne pro Aktie im Betrachtungszeitraum um insgesamt 59 Prozent. Den größten Einfluss auf die Wertentwicklung hatten jedoch die Bewertungsausweitungen: Lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P 500 vor rund zehn Jahren noch bei 12, liegt es derzeit bei etwa 22. Der Grund dafür ist unter anderem das niedrige Zinsniveau. Dadurch haben sich zum einen die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen verbessert, was zu steigenden Investitionen führte. Diese wiederum sollten sich positiv auf die langfristige Gewinnsituation auswirken. Zum anderen nahm die Risikoakzeptanz der Anleger zu: Da alternative rentierliche Investments immer rarer wurden, stieg die Nachfrage nach Aktien in den vergangenen Jahren stetig an.

Ein Blick in die Zukunft: Wie könnten sich US-Aktien bis 2030 entwickeln?

Langfristige Entwicklungen beobachten

Die jüngste Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Positivtrend der vergangenen Jahre auch in Zukunft fortsetzen könnte. Bei allem Optimismus sollten Anleger jedoch beachten, dass die Untersuchung lediglich auf historischen Daten basiert. Heute ist zum Beispiel schlichtweg noch gar nicht klar, welche Konzerne und Branchen in den kommenden zehn Jahren den S&P 500 prägen werden. Denn die Fluktuation im 500 Titel umfassenden Index ist hoch: Allein seit 2012 wurde rund ein Drittel der Unternehmen ausgetauscht. Neu hinzu kamen dabei auch solche Werte, die heute mit Blick auf die Marktkapitalisierung zu den Schwergewichten zählen. Zu den Risikofaktoren gehört unter anderem eine Verlangsamung der Globalisierung. Der Trade-Openness-Indikator der Weltbank, der als Gradmesser für deren Geschwindigkeit gilt, ist zuletzt zum ersten Mal seit achtzig Jahren gesunken. Sollte die weltweite Arbeitsteilung abnehmen, dürfte sich das negativ auf die Gewinne auch der US-Unternehmen auswirken – immerhin generieren sie mehr als ein Viertel ihrer Erlöse im Ausland. Ebenso könnten die Effekte einer alternden Gesellschaft und steigender Lohnkosten die langfristige Wertentwicklung des S&P 500 dämpfen. 

Einige Faktoren könnten dafür sprechen, dass die Kurse am US-Aktienmarkt in den kommenden Jahren steigen.

Digitalisierung als möglicher Kurstreiber

Demgegenüber besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Aktienmärkte von langfristigen Trends profitieren können – zum Beispiel von der fortschreitenden Digitalisierung und damit verbundenen Effizienzgewinnen. Insgesamt dürfte ein Investment in US-Aktien mit Blick auf die kommenden Jahre für langfristig orientierte und entsprechend risikobereite Anleger interessant bleiben, zumal die Perspektiven deutlich besser scheinen als am Anleihemarkt. 

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Redaktionsschluss: 10.08.2020