Aktien – 13.12.19 (Archiv)

Wird 2020 ein positives Jahr für den DAX?

Die wichtigsten Fakten:

  • DAX im Jahr 2019 bislang mit starker Wertentwicklung
  • Entwicklung der Weltwirtschaft maßgeblicher Einflussfaktor
  • Positiver Trend könnte sich mit geringerer Dynamik fortsetzen

Der deutsche Aktienmarkt könnte von der erwarteten globalen Konjunkturerholung in besonders hohem Maße profitieren. Quelle: Westend61 / Getty Images

Wenn der US-Präsident spricht, hören die Marktteilnehmer ganz genau hin. So war es auch beim NATO-Gipfel vom 3. bis 4. Dezember 2019 in London. Dort erklärte Donald Trump, es gebe keine „Deadline“ für die Unterzeichnung eines Teilabkommens im Handelsstreit mit China. Vielleicht sei es sogar besser, damit bis nach den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November 2020 zu warten. Die Investoren, die auf zeitnahe Fortschritte im Handelsstreit hoffen, reagierten enttäuscht – auch der deutsche Leitindex DAX gab zwischenzeitlich deutlich nach.

Insgesamt haben sich deutsche Aktien im laufenden Jahr bislang jedoch ausgesprochen positiv entwickelt: Seit Jahresbeginn gewann der DAX unter Schwankungen über 24 Prozent an Wert und notierte am 7. November mit 13.289 Punkten lediglich 270 Zähler unter seinem Allzeithoch vom Januar 2018.

Stimmung am Aktienmarkt besser als konjunkturelle Lage

Das insgesamt positive Bild, das der deutsche Aktienmarkt derzeit abgibt, unterscheidet sich damit deutlich von der konjunkturellen Lage im Land. Im dritten Quartal 2019 stieg die deutsche Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal um lediglich 0,1 Prozent. Nach einem Konjunkturrückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent im zweiten Quartal schrammte die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt damit nur knapp an einer technischen Rezession – zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Wirtschaftsleistung – vorbei.

Starke Abhängigkeit vom Auslandsgeschäft

Schwächelnde Konjunktur, starker Aktienmarkt – wie passt das zusammen? Die Antwort liegt in der Struktur des deutschen Aktienmarktes: Für die meisten Unternehmen im deutschen Leitindex ist die Nachfrage aus dem Ausland entscheidender als die hiesige Wirtschaftslage. Die 30 DAX-Konzerne generieren lediglich 23 Prozent ihrer Umsätze im Inland, 25 Prozent entfallen auf die Industrieländer Europas und 27 Prozent auf die globalen Schwellenländer. Kaum ein anderer Aktienindex weltweit ist so abhängig von der Weltkonjunktur wie der DAX.

Gestiegener Konjunkturoptimismus treibt Aktienkurse

Mit dieser starken globalen Vernetzung deutscher Unternehmen lassen sich die jüngsten Kurszuwächse im DAX erklären. In den vergangenen Monaten trieb insbesondere die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Weltkonjunktur die Kurse. Ausgelöst wurde diese von zwischenzeitlichen Entspannungssignalen im Handelsstreit zwischen den USA und China, der Erwartung konjunkturstimulierender Maßnahmen in China und einer leicht besseren Aussicht für die gesamteuropäische Konjunktur.

Gewinnsituation der Unternehmen könnte sich stabilisieren

Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürften die genannten Faktoren auch in den kommenden Monaten die Kurse am deutschen Aktienmarkt stützen. In der abgeschlossenen Berichtssaison zum dritten Quartal 2019 konnten beispielsweise rund drei Viertel der DAX-Konzerne die Gewinnerwartungen übertreffen, während es im zweiten Quartal noch etwa 60 Prozent waren. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass die Gewinnerwartungen der Analystengemeinde aufgrund von Gewinnwarnungen der Unternehmen und schwächeren Konjunkturdaten in den vergangenen Monaten bereits nach unten korrigiert wurden. Für die kommenden 12zwölf Monate erwartet die Analystengemeinde beim DAX aktuell ein aggregiertes Gewinnwachstum von rund 12 Prozent. Die Deutsche Bank ist zwar etwas weniger optimistisch, rechnet für 2020 aber mit einem moderaten Gewinnplus im mittleren einstelligen Prozentbereich.

„Nach bislang starken Kursgewinnen 2019: Der DAX könnte seinen Positivtrend 2020 mit geringerer Dynamik fortsetzen“

Zyklische Aktien derzeit gefragter als defensive Papiere

Positiv auf die Kurse am deutschen Aktienmarkt sollte sich außerdem die aktuell weltweit zu beobachtende Sektorrotation auswirken. Aufgrund der vergleichsweise hohen Bewertung defensiver Aktienmarktsektoren sowie der Konjunkturstabilisierung stehen zyklische Branchen aktuell stärker im Fokus der Investoren. Sollte dieser Trend anhalten, dürfte der zyklisch geprägte deutsche Aktienmarkt mit seinem hohen Anteil an Industrie-, Auto- und Chemiewerten in hohem Maße profitieren.

Deutsche Aktien als Beimischung im Depot interessant

Die globale, zyklische Ausrichtung des DAX birgt jedoch auch Risiken. Denn es macht ihn besonders anfällig für weltweite politische und konjunkturelle Unsicherheiten. Dazu gehört im kommenden Jahr neben dem Handelsstreit auch der US-Präsidentschaftswahlkampf. Ein allzu starker Fokus auf den Heimatmarkt erscheint aufgrund der hohen Konjunkturabhängigkeit daher zwar nicht ratsam. Im Rahmen eines breit gestreuten Aktieninvestments könnte der DAX jedoch Berücksichtigung finden. Zum aktuellen Zeitpunkt geht die Deutsche Bank zum Jahresende 2020 von einem DAX-Stand von 14.000 Punkten aus. Darüber hinaus könnten interessante Dividendenrenditen für deutsche Aktien sprechen. Trotz der Kursrallye im bisherigen Jahresverlauf liegt die Dividendenrendite im DAX bei 3,1 Prozent – und damit über dem Median seit 2003 in Höhe von 2,9 Prozent. Aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren bleibt ein aktives Management das Gebot der Stunde.

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Redaktionsschluss: 01.05.2020