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Aktien – 24.02.21

Zinspanik am Aktienmarkt?

Die wichtigsten Fakten:

  • Renditeanstieg bei Renten sorgt unter Aktienanlegern für Verunsicherung
  • Zunehmender Konjunkturoptimismus als Kurstreiber bei Aktien
  • Aktienmarkttrend weiterhin intakt, Zykliker im Fokus

Seit August 2020 sind in den USA die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen von rund 0,5 Prozent auf über 1,3 Prozent gestiegen. Der anhaltende Zinstrend sorgt für Verunsicherung bei einigen Marktteilnehmern, denn insbesondere hoch bewertete Aktien könnten dadurch zunehmend unter Druck geraten. Die Deutsche Bank sieht dagegen noch keine akute Gefahr für die Aktienmärkte: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Aktienmärkte und Anleiherenditen in gewissem Umfang auch gleichzeitig steigen können.

Anleiherenditen und Aktienkurse

Grundsätzlich betrachtet sind steigende Anleiherenditen Gift für die Aktienkurse. Zum einen lasten sie auf den Bewertungen von Aktien, da die möglichen Zinserträge für Anleger am Anleihemarkt steigen und vergleichsweise risikoreichere Aktien dadurch an relativer Attraktivität verlieren. Zum anderen wird es für Unternehmen bei einem erhöhten Zinsniveau teurer, sich zu refinanzieren, wodurch wachstumsfördernde Investitionen zurückgestellt werden könnten.

So einfach wie hier dargestellt ist der Zusammenhang zwischen Anleiherenditen und Aktienkursen aber nicht immer. Vielmehr gilt es auch, das konjunkturelle Umfeld zu betrachten: Ist der Konjunkturoptimismus der Marktteilnehmer so groß wie derzeit, stiegen Anleiherenditen und Aktienkurse in der Vergangenheit meist gleichzeitig an. Dies war immer dann der Fall, wenn die Zinsen wegen eines verbesserten Konjunkturausblicks graduell gestiegen sind – so wie derzeit. Das ist bei genauer Betrachtung wenig überraschend. Denn zunehmender Konjunkturoptimismus treibt nicht nur die Inflationserwartungen – und damit die Anleiherenditen –, sondern gleichzeitig auch die Gewinnerwartungen der Unternehmen, was sich wiederum positiv auf die Anlegerstimmung und die Kurse auswirkt.

In der Vergangenheit sorgten höhere Renditen hingegen immer dann für fallende Kurse am Aktienmarkt, wenn der Renditeanstieg nicht von der Konjunktur, sondern von den Notenbanken getrieben war. So geschehen beispielsweise während des Taper Tantrum im Jahr 2013. Damals sorgte die Ankündigung der US-Notenbank Fed, ihre Anleihekäufe herunterfahren zu wollen, für einen plötzlichen Anstieg der Renditen und für einen Abverkauf an den Aktienmärkten.

Kurzfristig ist mit einer ähnlichen geldpolitischen Wende in den USA jedoch noch nicht zu rechnen. Trotzdem sollten die zukünftigen Entscheidungen der Fed aufmerksam verfolgt werden.

Renditeentwicklung weiter beobachten

Die Deutsche Bank erwartet, dass sich die parallele Entwicklung von Renditen und Aktienkursen zunächst fortsetzen dürfte. Die sukzessiv sinkenden Coronavirus-Neuinfektionen und weitere Fortschritte bei den Impfkampagnen sollten das konjunkturelle Umfeld zunehmend stützen.

Kritisch könnte es für die Aktienmärkte dann werden, wenn es zu einem zu schnellen Anstieg der Anleiherenditen kommt – auch dies ließ sich in der Vergangenheit am S&P 500 beobachten. Sollten die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen in einem Umfeld stark steigender Inflationserwartungen mit 0,4 Prozent oder mehr im Monat zulegen, dürfte dies nach Einschätzung der Deutschen Bank die Kurse im US-Leitindex belasten.

„Was steigende Anleiherenditen und Inflationserwartungen für die Aktienkurse bedeuten könnten.“    

Weiterhin gute Aussichten für die Aktienmärkte

Insgesamt schätzt die Deutsche Bank die Aussichten für die Aktienmärkte auf absehbare Zeit weiterhin positiv ein. Die Zinsentwicklung sollte dennoch stets beobachtet werden, insbesondere die zum Teil bereits hohen Bewertungen einzelner Aktien verfügen jederzeit über Rückschlagpotenzial bei den Kursen. Das erwartete Zusammenspiel einer dynamischen Konjunkturerholung und eines eher moderaten Renditeanstiegs sollte Aktien jedoch begünstigen.

In der Regel entwickeln sich in einem Umfeld steigender Zinsen konjunktur- und zinssensitive Sektoren wie Finanzen, Industrie, Energie und Grundstoffe besser als defensive und dividendenstarke Sektoren wie Gebrauchsgüter, Lebensmittelproduzenten, Versorger und Immobilien. Letztere korrelierten in der Vergangenheit ebenso wie Softwareaktien deutlich negativ mit steigenden Renditen – selbst wenn sie von positiven Konjunkturaussichten getrieben wurden. Entsprechend risikobereite Aktienanleger könnten daher auf absehbare Zeit eher zyklische Bereiche des Aktienmarktes in den Fokus nehmen als den Gesamtmarkt.

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Redaktionsschluss: 23.02.2021, 12:00 Uhr