Basketball im Büro

Die Anleihemärkte dürften 2019 für Anleger herausfordernd bleiben. Als Absicherung im Depot können Rentenpapiere aber weiterhin Sinn machen. Quelle: Westend 61/Getty Images

Grenzen überschreiten für interessante Anleiherenditen

Die wichtigsten Fakten:


  • Steigende Kapitalmarktzinsen dürften Anleihekurse 2019 belasten.
  • Positive Erträge sind nur mit erhöhtem Risiko zu erwarten.
    • Euro zum US-Dollar etwas stärker erwartet.

    Dass die Konjunktur der USA auch im kommenden Jahr solide wachsen sollte, ist eine gute Nachricht. Schließlich handelt es sich um die bedeutendste Volkswirtschaft des Planeten – und hat diese einen Schnupfen, hustet die ganze Welt. Auch auf die
    Entwicklung an den globalen Anleihemärkten haben die Vereinigten Staaten großen Einfluss: Aufgrund der weltweit starken Vernetzung bleibt andernorts nicht ohne Wirkung, was am US-Markt geschieht. Insofern dürfte 2019 ein herausforderndes
    Jahr für Anleiheinvestoren werden, denn die Aussichten für die US-Rentenmärkte sind derzeit eher durchwachsen

    Steigende Zinsen – fallende Kurse

    Ausschlaggebend für die zurückhaltende Einschätzung zum US-Rentenmarkt ist ausgerechnet die gute wirtschaftliche Entwicklung im Land. Denn die stabilen Wachstumserwartungen für das kommende Jahr lassen vermuten, dass sich die Inflation jenseits des Atlantiks weiter auf einem erhöhten Niveau bewegen und die Fed ihren Leitzinserhöhungszyklus wie erwartet fortsetzen dürfte. In diesem Umfeld rechnet die Deutsche Bank mit einem Anstieg der Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen von derzeit rund 2,7 Prozent. Steigende Zinsen bedeuten im Gegenzug fallende Kurse bei bereits ausgegebenen Rentenpapieren, was die Gesamtrendite entsprechender Investments schmälert. Erst zum Jahresende könnten die Kapitalmarktzinsen im Zuge des auslaufenden fiskalischen Stimulus, der strafferen Geldpolitik und eines voraussichtlich abkühlenden Wirtschaftswachstums auf 3,1 Prozent ansteigen.


    In der Eurozone sind ebenfalls steigende Zinsen zu erwarten. Die Verzinsung 10-jähriger deutscher Staatsanleihen könnte am Jahresende 2019 bei 0,7 Prozent liegen. Voraussetzung für diese Prognose ist allerdings das Eintreten des politischen Basisszenarios der Deutschen Bank. Danach kommt es in den entscheidenden Problembereichen Brexit und globaler Handelsstreit nicht zu einer spürbaren Verschärfung der Lage. Gleichzeitig setzen die Notenbanken die Abkehr von ihrer ultralockeren Geldpolitik wie erwartet moderat fort.


    Käme es dagegen zu weiteren politischen Spannungen, wären Bundesanleihen mit ihrem Status als sicherer Hafen gefragter und niedrig bleibende Zinsen die Folge. Ausgehend vom Basisszenario erwartet die Deutsche Bank auch auf den anderen Rentenmärkten der Eurozone erhöhte Zinsniveaus, wobei die Spreads, also die Zinsunterschiede zu Bundesanleihen, leicht sinken oder etwa gleich bleiben sollten.


    Verstärken könnte den erwarteten Zinsanstieg das zum Jahresende 2018 geplante Auslaufen des EZB-Anleihekaufprogramms: Sollte die Notenbank in 2019 weniger Staatsanleihen ankaufen, müssten Staaten womöglich höhere Zinsen bieten, um neue Anleger zu gewinnen. In welchem Maße sich die EZB tatsächlich vom Rentenmarkt abwendet, bleibt jedoch abzuwarten. Denn die Währungshüter scheinen gewillt, auch in Zukunft flexibel auf aktuelle Marktereignisse zu reagieren.

    Zu wenig Rendite fürs Risiko

    Aktuelle Rendite

    Der erwartete Zinsanstieg ist nicht nur im Bereich der Staatsanleihen eine Herausforderung für Anleger. Denn auch die Verzinsung von Unternehmensanleihen orientiert sich am allgemeinen Kapitalmarktzinsniveau und dürfte daher in den kommenden Monaten ebenfalls anziehen. Positiv hervorzuheben ist, dass auch für 2019 mit geringen Zahlungsausfallraten in den USA und Europa gerechnet wird.


    Insgesamt sind Unternehmensanleihen zwar höher verzinst als Staatsanleihen. Allerdings werden Anleger damit aus Sicht der Deutschen Bank in Anbetracht der zunehmenden Schwankungsanfälligkeit aktuell nicht ausreichend für die höheren Risiken entlohnt. Das gilt auch für zum Beispiel Hochzinsanleihen aus den USA. Diese bieten mit durchschnittlich rund 7,2 Prozent zwar eine interessante Verzinsung. Kommt es an den Märkten jedoch zu einer Abverkaufswelle, kann es geschehen, dass Anleger aufgrund mangelnder Marktliquidität ihre Papiere nur mit großen Abschlägen verkaufen können. Zudem sind hier, wie bei allen Investments außerhalb der Eurozone, die zusätzlichen Währungsrisiken beziehungsweise die Kosten für eine Währungsabsicherung zu berücksichtigen. Im Falle von US-Anleihen betragen Letztere derzeit knapp 2,7 Prozent jährlich – was die Gesamtrendite spürbar schmälert.

    Herausforderungen für Euro und Dollar

    Den US-Dollar könnten zukünftig vor allem die steigende Staatsverschuldung sowie das Zwillingsdefizit der Vereinigten Staaten – also die Summe aus Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit – belasten. Für einen anhaltend stärkeren Euro wiederum müssten zunächst alle Zweifel am Fortbestand der europäischen Währungsunion ausgeräumt werden. Manifestieren sich Fortschritte bei Themen wie beispielsweise dem Brexit, dürfte die europäische Gemeinschaftswährung Ende 2019 aber zumindest etwas stärker notieren als heute – also bei mehr als 1,14 US-Dollar.

    Renditen jenseits der Schwelle

    Rentenanleger, die höhere Renditen als in der Eurozone und den USA suchen, könnten auch 2019 in den Schwellenländern fündig werden: Durchschnittlich mehr als 5 Prozent Zinsen werden dort bereits für Staatsanleihen geboten. Allerdings ließ sich in den vergangenen Monaten am Beispiel der Türkei, Brasiliens oder Mexikos beobachten, wie schnell sich der Wind an den dortigen Rentenmärkten drehen kann. Insbesondere die hohe Schwankungsanfälligkeit der Währungen führt zu Unsicherheiten. Der Zinsanstieg in den USA könnte die Wertentwicklung von Schwellenländeranleihen zumindest bis ins 3. Quartal 2019 belasten. Für ein Investment in den Schwellenländern bieten sich nach Auffassung der Deutschen Bank für entsprechend risikobereite Anleger daher eher die betreffenden Aktien- als die Rentenmärkte an.


    Insgesamt könnte sich das Umfeld für Rentenanleger nach dem erwarteten US-Zinshöhepunkt verbessern. Ungeachtet dessen dürfte ein aktives Durationsmanagement weiterhin ratsam sein. Für interessante Rentenrenditen müssen Anleger 2019 Grenzen überschreiten – regionale und solche aus Risikogesichtspunkten. Im Portfoliokontext können die schwankungsärmeren Segmente der Anlageklasse weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Diversifikation und Steuerung des Gesamtrisikos leisten.

    Das könnte Sie auch interessieren