Pandemie kann Immobilienboom nicht stoppen

Die Immobilienpreise sind weiter gestiegen – auch im Corona-Jahr 2020. Studien aus dem Haus Deutsche Bank zeigen konkrete regionale Entwicklungen und geben einen Ausblick auf die nächsten Jahre. Zum Beispiel im Postbank Wohnatlas 2021 und in einer aktuellen Studie der Deutsche Bank Research. Zu letzterer hören Sie hier gern einen Podcast mit dem Autor – demnach könnte sich der Boom bis mindestens 2024 fortsetzen.

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Der Corona-Pandemie und dem Shutdown vieler Branchen zum Trotz: Die Nachfrage nach Wohneigentum ist laut Postbank Wohnatlas 2021 ungebrochen. In mehr als 94 Prozent der deutschen Landkreise und kreisfreien Städte sind die Preise 2020 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Schnitt lag das Plus bei Eigentumswohnungen im Bestand inflationsbereinigt bei 9,6 Prozent – ein nochmals höheres Wachstum als im Jahr zuvor.

„Corona und die Erfahrung des Lockdowns haben bei vielen Menschen den Wunsch nach Wohneigentum noch verstärkt“, sagt Eva Grunwald, Leiterin Produktmanagement Immobilien Deutsche Bank Privatkundenbank und Leiterin Immobiliengeschäft Postbank. „Die Nachfrage reißt nicht ab.“

In Deutschlands teuerster Stadt München etwa legten die Wohnungspreise pro Quadratmeter um 6,1 Prozent auf durchschnittlich 8.613 Euro zu, gefolgt von Frankfurt am Main mit im Schnitt 6.050 Euro. Hamburg rangiert im Ranking der sogenannten Big Seven, der sieben größten deutschen Metropolen, mit 5.569 Euro auf Platz drei.

Neun der zehn teuersten Landkreise mit Quadratmeterpreisen von im Schnitt mehr als 5.000 Euro liegen in Bayern. Spitzenreiter ist jedoch der Kreis Nordfriesland, zu dem unter anderem die Urlaubsinseln Sylt, Föhr und Amrum, aber auch Ferienorte wie Sankt Peter-Ording gehören. Hier kostete der Quadratmeter 2020 im Schnitt 6.796 Euro.

Mittelstädte mit Potenzial

Der Quadratmeter in Großstädten ab 100.000 Einwohner war laut „Postbank Wohnatlas 2021“ im Schnitt für gut 3.000 Euro zu haben. Im Vergleich zu 2019 stiegen die Preise hier um rund neun Prozent. Sogar um ein Fünftel legten sie in Mönchengladbach, Kaiserslautern und Halle an der Saale zu.

Für Ihre kaufinteressierten Kunden könnte auch der Blick in die so genannten Mittelstädte mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern lohnend sein. „Häufig bieten die kleineren Zentren gute Infrastruktur und kurze Wege, hohe Wohnqualität und attraktive Objekte zu noch vergleichsweise günstigen Quadratmeterpreisen“, sagt Deutsche Bank-Managerin Grunwald. Preissteigerungen von mehr als 20 Prozent verzeichneten beispielsweise das bayerische Ansbach, Neustadt an der Weinstraße und Wilhelmshaven.

Preiszyklus bleibt intakt

Am Anstieg der Immobilienpreise dürfte sich kurzfristig nichts ändern. Niedrige Zinsen, große Nachfrage und ein knappes Angebot dürften den Preiszyklus noch bis mindestens 2024 intakt halten, prognostizieren die Analysten von Deutsche Bank Research. Erst dann könnte die fundamentale Angebotsknappheit nachlassen. Lesen Sie dazu gern mehr in der Studie von Deutsche Bank Research „Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2021 ff.: Hauspreiszyklus könnte im Jahr 2024 enden“ – oder hören Sie Erläuterungen dazu direkt vom Autor Jochen Möbert in der Podcast-Reihe „Podzept“ der Deutsche Bank Research.

Doch selbst nach einer zwischenzeitlichen Wachstumsdelle gehen die Experten weiterhin von beständig steigenden Hauspreisen aus. Ihre Kalkulation: Bei einem langjährigen historischen Durchschnitt von rund 2,5 Prozent Zuwachs im Jahr könnten Wohnimmobilienkäufer über die gesamte Dekade der 2020er-Jahre mit einem Wertzuwachs von rund 24 Prozent rechnen. Das ergibt auch langfristig positive Aussichten für Immobilienerwerber.