Netfalls / Adobe Stock

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Der Krieg in der Ukraine und die Folgen der gegen Russland verhängten Sanktionen sorgten nach einem bereits gemischten Jahresauftakt an den Aktienmärkten zwischenzeitlich noch einmal für eine deutlich erhöhte Volatilität. Weltweit schalteten Investoren spätestens zu Kriegsbeginn in den Risk-off-Modus und begannen, Kapital aus risikoreicheren Anlagen wie zum Beispiel Aktien in „sichere Häfen“ umzuschichten. Davon profitierte Gold, aber auch der als „sicher“ geltende Schweizer Franken.

Mit einem Schlusskurs von 2.050 US-Dollar erreichte die Notierung für eine Feinunze Gold (31 Gramm) am 8. März 2022 annähernd ihr historisches Allzeithoch aus dem August 2020. Die aktuelle Stärke des Goldpreises könnte aus zwei wesentlichen Gründen auf absehbare Zeit anhalten. Zum einen dürften die westlichen Staaten selbst im Fall einer baldigen diplomatischen Lösung für den Krieg versuchen, ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen schnell zu verringern. In diesem Umfeld sollten die Inflationsraten und -erwartungen noch einige Zeit lang auf vergleichsweise hohen Niveaus und die Realzinsen im negativen Bereich verharren – was die Opportunitätskosten von Gold niedrig und seine Attraktivität für Investoren hoch hält. Zum anderen könnten durch den Schock des Russland-Ukraine-Kriegs Anleger geopolitische Risiken stärker in ihr Portfoliomanagement einbeziehen. Auch das könnte für eine anhaltende Nachfrage nach dem „sicheren Hafen“ Gold sorgen. Zumal Zentralbanken das Edelmetall zukünftig stärker in ihren Währungsreserven berücksichtigen könnten. Die Deutsche Bank sieht den Goldpreis in 12 Monaten bei 2.100 US-Dollar je Feinunze. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass durch die steigenden Erwartungen an Leitzinserhöhungen der Notenbanken sowie stark angestiegene Kapitalmarktzinsen auch bereits deutlicher Gegenwind für die Goldpreisentwicklung aufgezogen ist.

Comeback der „Krisenwährungen“? Was Gold und Schweizer Franken jetzt für Anleger interessant machen könnte.

Die Schweiz befindet sich aufgrund ihrer geringeren Handelsverbindungen mit Russland in einer besseren Lage als manch anderes europäisches Land. Zwar kommt die Hälfte der Schweizer Gasimporte aus Russland, der Energiemix der Eidgenossen unterscheidet sich aber deutlich von dem anderer Länder: Während Erdgas im EU-Durchschnitt rund ein Viertel des Primärenergieverbrauchs ausmacht, liegt sein Anteil im Nicht-EU-Land Schweiz nur bei 11 Prozent. Unabhängig von den Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs befand sich die Schweizer Volkswirtschaft zuletzt in einer guten Verfassung. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im 4. Quartal 2021 um 0,3 Prozent, nach 1,9 Prozent im 3. Quartal.

Auch für das Jahr 2022 erwartet die Deutsche Bank ein solides Wachstum. Allerdings könnte sich in der Schweiz eine wirtschaftliche Schwächephase wichtiger Handelspartner bemerkbar machen. Deutschland beispielsweise steht für fast ein Fünftel der Schweizer Exporte. Zudem steht die Schweizerische Nationalbank (SNB) zurzeit vor einem Dilemma: Auf der einen Seite hält ein gegenüber dem Euro aufgewerteter Schweizer Franken die Inflation bei Importen in Schach, auf der anderen Seite belastet er die Exportwirtschaft. Die SNB dürfte daher eine gewisse Aufwertung des Franken tolerieren, könnte aber bei einem nachhaltigen Durchbrechen der Parität des Währungspaars eingreifen. Über kurz oder lang dürfte die geopolitische Risikoprämie des Franken zwar abnehmen, seine Rolle als „Krisenwährung“ dürfte er aber bis auf Weiteres behalten.

„Sichere Häfen“ im Fokus der Anleger Entwicklung des Goldpreises und des Euro/CHF-Kurses; li. Achse: US-Dollar je Feinunze; re. Achse: Schweizer Franken je Euro

Insgesamt könnte eine zunehmende Verschlechterung der weltweiten Fundamentaldaten im Zusammenhang mit einem weiteren Anstieg der Unsicherheiten an den Märkten Investments in sichere Häfen auf absehbare Zeit stützen. Im Portfolio sollten Gold und Franken als Beimischung im Depot ihrer Absicherungsfunktion gerecht werden können. Entscheidend bleibt grundsätzlich aber vor allem ein aktives Risikomanagement.

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Redaktionsschluss: 04. April 2022, 12 Uhr