Mehrere Pakete auf Transportrobotern

Negro Elkha / Adobe Stock

Am 15. November 2022 wird die Weltbevölkerung die 8-Milliarden-Marke knacken. Das geht aus den im Juli veröffentlichten „World Population Prospects 2022“ der Vereinten Nationen hervor. Und die Zahl der Menschen wird auch danach weiter wachsen, wenn auch voraussichtlich etwas verlangsamt – auf 8,5 Milliarden im Jahr 2030, 9,7 Milliarden im Jahr 2050 und mehr als 10 Milliarden zur Jahrhundertwende. Ein Problem: Während die Geburtenrate in einigen Regionen weiterhin relativ hoch ist, sinkt sie in vielen Industrieländern. Hinzu kommt, dass die Menschen insgesamt immer älter werden: In den Industrieländern liegt die Lebenserwartung für Neugeborene schon heute bei gut 79 Jahren, bis zum Jahr 2100 könnte sie auf mehr als 89 Jahre ansteigen.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser demografischen Entwicklung sind schwerwiegend. Denn in vielen entwickelten Ländern sinkt dadurch die Erwerbstätigenquote, also der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Spitzenreiter in Sachen alternde Bevölkerung ist Japan: Fast 30 Prozent der Japaner sind heute älter als 65 Jahre – das ist noch einmal deutlich mehr als im ebenfalls von Überalterung betroffenen Deutschland. Zudem sinkt die Einwohnerzahl Japans aufgrund niedriger Geburtenraten und einer nur geringen Zuwanderung seit zehn Jahren kontinuierlich. Der zunehmende Mangel an jüngeren Arbeitskräften zwingt viele japanische Industriezweige daher bereits, ihre Aktivitäten zu reduzieren oder ihre Produktionskapazitäten ins Ausland zu verlagern. Wichtige Investitionen in Japan selbst bleiben dadurch oft aus. Hinzu kommt, dass mit der sinkenden Zahl jüngerer, meist konsumfreudigerer Menschen auch die Nachfrage schrumpft. Insgesamt hat dies negative Auswirkungen auf die Steuereinnahmen des Staates und hemmt das japanische Wirtschaftswachstum: Zu einem wesentlichen Teil demografiebedingt verzeichnete Japan in den vergangenen 25 Jahren unter den zehn größten Volkswirtschaften der Welt (G10) neben Italien das schwächste durchschnittliche jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.

Automatisierungsbranche im Aufwind

Ein schrumpfendes Arbeits- und Fachkräftepotenzial in Verbindung mit steigenden Löhnen könnte vielerorts die Themen Automatisierung und Robotik vermehrt in den Fokus rücken – mit entsprechendem Potenzial für die Entwickler und Hersteller der dafür benötigten Technologien und Maschinen. Etwa zwei Drittel der Unternehmen des Automatisierungssektors stammen aus dem Technologiebereich, rund ein Drittel aus dem Segment Industriegüter und -dienstleistungen. Mehr als die Hälfte (rd. 56 Prozent) sind in den USA beheimatet, gefolgt von Japan (rd. 15 Prozent) und Deutschland (rd. 5 Prozent). Auf der Nachfrageseite könnten sich insbesondere die Branchen Automobil, Halbleiter, Mobilfunk und Unterhaltungselektronik als Wachstumstreiber erweisen. Der Umstieg auf E-Mobilität, aber auch eine steigende Nachfrage aus Ländern, die bisher einen vergleichsweise geringen Automatisierungsgrad aufweisen – etwa Indien –, könnten zum Beispiel den Roboterproduzenten aus Japan und Deutschland volle Auftragsbücher bescheren.

Demografische Entwicklung verleiht Automatisierungssektor langfristig Aufwind.

Betrug das globale Marktvolumen für die industrielle Automatisierung im Jahr 2021 bereits rund 192 Milliarden US-Dollar, könnte es nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Fortune Business Insights bis 2029 mit einer Rate von fast 10 Prozent jährlich auf mehr als 395 Milliarden US-Dollar anwachsen.1 Für einzelne Bereiche wie autonom agierende Drohnen oder 3D-Druck werden sogar noch höhere Wachstumsraten prognostiziert. Die deutsche Automatisierungsbranche verzeichnete laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 13 Prozent auf insgesamt 13,6 Milliarden Euro. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres stiegen die Auftragseingänge sogar um 38 Prozent. Wobei Lieferengpässe bei Chips, Sensoren und Antrieben das Wachstum vorübergehend hemmen könnten.

Die Aktien der Unternehmen des globalen Automatisierungssektors verzeichneten seit Jahresbeginn Bewertungsabschläge von knapp 14 Prozent. Auch wenn der Sektor mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25 auf 12-Monats-Sicht im Vergleich zum globalen Aktienmarkt noch immer hoch bewertet erscheint, könnten sich entsprechend risikobereiten Anlegern Einstiegschancen bieten. Denn vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des damit verbundenen wachsenden Fachkräftemangels sowie steigender Lohnkosten sollten ausgewählte Unternehmen des Automatisierungssektors langfristig Zukunftspotenzial aufweisen können. Anleger könnten zum Beispiel über regional breit gestreute, aktiv gemanagte Themenfonds am Zukunftspotenzial des Sektors teilhaben.

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Redaktionsschluss: 29. Juli 2022, 15 Uhr