Gina Sanders / Adobe Stock

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Der beste Anker ist das Haus, lautet ein deutsches Sprichwort. Seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie sehen das offenbar besonders viele Menschen so – und das weltweit. Die steigende Nachfrage nach Eigentum treibt die Wohnimmobilienpreise zu immer neuen Rekorden: Zuletzt lagen sie trotz der mittlerweile etwas verlangsamten globalen Konjunkturdynamik rund 13 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Allein im zweiten Quartal 2021 verteuerten sich Häuser und Wohnungen gegenüber dem Vorjahresquartal im Schnitt um 10 Prozent – die größte Preissteigerung seit 40 Jahren. Besonders starke Preiszuwächse verzeichneten mit durchschnittlich 12,8 Prozent die Industrieländer. Spitzenreiter war hier Neuseeland mit 22,8 Prozent, gefolgt von den USA (17,6 Prozent) und Australien (16,8 Prozent). In den Schwellenländern stiegen die Wohnimmobilienpreise im Mittel um 6,2 Prozent. Im Fokus der Nachfrage stehen weiterhin vor allem die großen Metropolen sowie deren jeweiliges Umland, das von einer corona- und preisbedingten Wanderbewegung profitiert.

Neben bekannten Faktoren wie niedrigen Zinsen und steigenden Einkommen wurde die Immobiliennachfrage in der Pandemie zusätzlich durch staatliche Einkommenshilfen und mangelnde Konsumalternativen gestützt. Außerdem stieg vielerorts das Interesse an den eigenen vier Wänden durch Mobilitätsbeschränkungen und den Trend zum mobilen Arbeiten. Preistreibend wirkten ebenfalls die aufgrund von Lieferengpässen gestiegenen Kosten für Baumaterial. In den USA macht sich aktuell zudem eine Spätfolge der Finanzkrise 2008/2009 bemerkbar: eine spürbare Neubaulücke. Mangels bezahlbarer Häuser verlegen sich viele US-Amerikaner daher mittlerweile auf das Mieten – mit entsprechenden Anlagemöglichkeiten für Investoren.

Logistiksektor im Aufwind

Weitgehend unverändert zeigen sich auch die Trends bei Gewerbeimmobilien. Der Logistiksektor profitiert nach wie vor vom Boom beim Onlinehandel, der sich in der Pandemie noch verstärkt hat: Von 2015 bis 2020 legten die Umsätze laut den Daten des Immobiliendienstleisters CBRE im E-Commerce weltweit um 140 Prozent zu. Eine Entwicklung, unter der vor allem der stationäre Einzelhandel leidet. Setzt sich der E-Commerce-Trend fort, dürften die Mieten für Logistikimmobilien in den kommenden Jahren weiter steigen und Einzelhandelsimmobilien zunehmend unter Druck geraten.

Bislang relativ stabil entwickelten sich trotz der coronabedingten Tendenz zum mobilen Arbeiten die Büroimmobilienmärkte. Allerdings könnte sich aufgrund der Langfristigkeit von Büromietverträgen ein möglicher Nachfragerückgang erst zeitverzögert bemerkbar machen. Darüber hinaus stützte bislang die wirtschaftliche Erholung die Büroflächennachfrage. Auch wenn die komplette Verlagerung von Bürotätigkeiten in das Homeoffice eher unwahrscheinlich sein dürfte, könnte es künftig zu einer flexibleren Nutzung und dadurch niedrigeren Nachfrage nach Büros kommen. Dabei gilt es allerdings regionale Unterschiede zu beachten, die sich aus der konjunkturellen Entwicklung, aber auch aus einer unterschiedlichen Bürokultur ergeben können.

Im Hinblick auf die Diversifikation und die langfristige Inflationsabsicherung eines Portfolios sowie einen möglichen realen Renditevorsprung gegenüber als sicher geltenden Staatsanleihen könnten Immobilieninvestments für Anleger interessant bleiben. Dabei sollten Risiken wie ein Wiederaufflammen der Coronavirus-Infektionen, mögliche Zinsanstiege oder politische Entscheidungen, etwa zur Begrenzung von Mieten oder zur verstärkten energetischen Sanierung, im Blick behalten werden. Nicht zuletzt sollten bei der Standortauswahl verstärkt die Risiken durch den Klimawandel berücksichtigt werden.

Nachfrage intakt: Wo Immobilieninvestments auf kurze und lange Sicht besonders interessant sein könnten

Interessante Renditechancen dürften weiterhin vor allem Wohn- und Logistikimmobilien in Ballungszentren bieten. Bei Büroimmobilien gilt es, die konjunkturelle Entwicklung und den Trend zum Homeoffice beachten. Einzelhandelsimmobilien könnten zwar in Toplagen gefragt bleiben, abseits davon scheinen die Risiken jedoch aufgrund des Trends zum Online-Shopping vergleichsweise hoch.

In regionaler Hinsicht könnten kurzfristig vor allem Länder mit guten Wachstumsperspektiven wie die USA und – mit etwas Verzögerung – einige europäische Staaten für ein Investment infrage kommen. Langfristig erscheinen Wohnimmobilien in Regionen mit günstiger demografischer Entwicklung oder einem Fokus auf innovative Technologien, sogenannte Tech-Cluster, besonders interessant. Potenzial könnten hier Städte wie Peking, Schanghai, Sydney, Barcelona, Madrid oder Atlanta (Demografie) sowie Seoul, Dublin, Stockholm, Amsterdam, Austin oder Denver (Tech-Cluster) haben. Dabei sollten Anleger sektoral wie auch regional eine möglichst breite Streuung anstreben.

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Redaktionsschluss: 05.10.2021