Dr. Ulrich Stephan

Meine Prognosen für 2022

POLITIK: Die Geschichte zweier Nationen

AKTIEN: Neutral ist das neue „Underweight“

ANLEIHEN: Die Rentenmarktrevolte

Corona wird bleiben, die Zinswende wird kommen. Wohin die Kapitalmärkte im neuen Jahr steuern, dürfte maßgeblich vom Pandemiegeschehen, den Notenbanken und der Inflationsentwicklung abhängen. Anleger sollten ihr Portfolio dynamisch an die neuen Realitäten anpassen.

Von Dr. Ulrich Stephan, Deutsche Bank Chef-Anlagestratege für die Private Bank in Deutschland

Das Jahr 2021 war geprägt von der Corona-Pandemie, einem starken globalen Wirtschaftswachstum und steigenden Preisen. An den Kapitalmärkten gerieten Anleihen weiter unter Druck, während Anleger mit Aktien, Immobilien und Rohstoffen zum Teil deutliche Gewinne erzielen konnten. 2022 sollte im Zeichen der Nachhaltigkeit (ESG) stehen – die sich auch im Nachgang der UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26 im November 2021) mehr und mehr zu einem Ankerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung mausert – und darüber hinaus zum Jahr der Zinswende werden. Denn das hohe Inflationsniveau und eine fortschreitende Wirtschaftserholung dürften vor allem die US-Notenbank Fed zu weiteren geldpolitischen Schritten veranlassen. Ich rechne im vierten Quartal 2022 mit einer ersten Leitzinsanhebung in den USA – Europa dürfte erst Ende 2023 folgen. An den Rentenmärkten könnte das Ende der Nullzinspolitik zu einigen Turbulenzen führen und den Aufwärtsdruck auf die Renditen erhöhen. Selbst bei Unternehmensanleihen guter Bonität könnten Anleger 2022 reale Verluste erleiden.

Ich rate Anlegern, auch im kommenden Jahr ihr Portfolio dynamisch zu verwalten.

Für Aktien hingegen schätze ich das Umfeld auch im kommenden Jahr positiv ein. Denn trotz der möglichen Leitzinserhöhung in den USA und geldpolitischer Straffungen auch in anderen Teilen der Welt dürfte die weiterhin expansive Notenbankpolitik die Märkte unterstützen. Das anhaltend negative Realzinsniveau sollte dazu führen, dass der Investitionsschwerpunkt der meisten Marktteilnehmer auch weiterhin auf Anlageklassen wie Aktien und Immobilien liegt. Für Aktien spricht zudem, dass die Auftragsbücher der Industrieunternehmen gut gefüllt sind und beim Konsum von Dienstleistungen bei einem Abflauen der Pandemie noch Luft nach oben besteht. Die Gewinnmargen der Unternehmen in den USA könnten sich trotz steigender Produktionskosten auf ihrem aktuellen Niveau behaupten – in Europa könnten sie sogar steigen. Ich erwarte, dass zu Jahresbeginn vor allem zyklische Titel im Fokus der Anleger stehen dürften. Insbesondere die in den vergangenen Jahren relativ unbeliebten Finanzwerte sollten von graduell steigenden Kapitalmarktzinsen profitieren. Defensive Titel und Techwerte könnten in der zweiten Jahreshälfte an Attraktivität gewinnen, was für eine „Barbell“-Anlagestrategie sprechen könnte.

Das Thema Nachhaltigkeit wird 2022 im Portfolio weiter an Bedeutung gewinnen. Der Umbau zu einer grünen Wirtschaft wird immer stärker vorangetrieben. Nicht nur die USA und die Europäische Union investieren sehr viel Geld in den Umbau der Wirtschaft im Allgemeinen und in die Infrastruktur im Besonderen – nachhaltigeres Wirtschaften ist mittlerweile ein globales Ziel. Das kann Anlegern interessante Investmentmöglichkeiten bieten – nicht nur, aber auch am Rohstoffmarkt, denn der Aufbau „grüner“ Infrastrukturen ist ressourcenintensiv und dürfte die Nachfrage nach traditionellen Rohstoffen langfristig stützen.

Insgesamt rate ich Anlegern, auch im kommenden Jahr ihr Portfolio dynamisch zu verwalten. Denn Risiken wie eine hohe Inflation, die Auswirkungen des Klimawandels oder der zeitweilige Gleichlauf von Anleihen und Aktien sind Gift für statische Anlagestrategien. Umso mehr bedarf es eines intelligenten Risikomanagements und entsprechender Absicherungsstrategien – im Jahr 2022 und darüber hinaus.


1. Politik – die Geschichte zweier Nationen

USA-China-Konflikt · Verschuldung · Umverteilung

„... es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit ...“ – der erste Satz aus Charles Dickens‘ „Eine Geschichte aus zwei Städten“ von 1859 könnte als Leitmotiv für das Jahr 2022 zutreffender kaum sein. In dem Maße, in dem die Welt mit dem Coronavirus zu leben lernt, gerät die Geopolitik wieder stärker in den Blick. Die Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Sozial- und Wirtschaftssystemen um Ressourcen, Handelsanteile, technologische Vormacht oder geopolitischen Einfluss – allen voran zwischen den USA und China – schlägt sich unter anderem in Ausfuhrbeschränkungen für Rohstoffe und in Finanzmarktrestriktionen nieder. Die monetären und politischen Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel könnten das Konfliktpotenzial innerhalb bestehender Ländergemeinschaften oder zwischen den Schwellen- und den Industrieländern erhöhen.

All dies geschieht zu einer Zeit, in der die Volkswirtschaften zwar stark wachsen, ihre weitere Entwicklung aber mit Unsicherheiten verbunden ist. So haben die Kosten zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie bereits große Löcher in die Haushalte gerissen. Zudem nimmt die Diskussion um eine Umverteilung der Vermögen an Fahrt auf – mit welchen politischen Herausforderungen hier zu rechnen sein könnte, werden 2022 unter anderem die Präsidentschaftswahl in Frankreich und die Zwischenwahlen in den USA zeigen. Auch viele autoritär geführte Nationen werden sich dem Verlangen ihrer Bevölkerung nach mehr sozialer Gerechtigkeit nicht verschließen können oder haben diese wie zum Beispiel China sogar zum Staatsziel erhoben.

USA-China-Konflikt

„Die Geopolitik dürfte 2022 wieder stärker in den Fokus der Märkte rücken.“


2. Wirtschaft – manche mögens heiß

Fiskalische Stimuli · Lieferketten · „grüne“ Infrastruktur

Die Weltwirtschaft dürfte 2022 trotz des Coronavirus weiter robust wachsen. Dabei könnten viele Volkswirtschaften im Zuge anhaltender fiskalpolitischer Stimuli „heiß laufen“, also deutlich über ihren eigentlichen Wachstumspotenzialen zulegen – was unter anderem weitere Inflationsrisiken zur Folge hätte. Die Geschwindigkeit der Erholung dürfte regional unterschiedlich ausfallen. Die Eurozone, allen voran Deutschland, könnte die USA überholen und China langsamer wachsen als 2021. Auch die Wachstumstreiber könnten wechseln. Staatliche Investitionen und der private Konsum, die die Volkswirtschaften aus dem Tief des ersten Corona-Schocks hievten, wurden unterstützt von umfangreichen Regierungsprogrammen wie NextGenerationEU in Europa oder dem billionenschweren US-Stimulus-Paket. Deren Effekte sind jedoch unterschiedlich stark und variieren zeitlich. Dafür dürfte der Export nach Auflösung der globalen Lieferkettenprobleme im zweiten Halbjahr 2022 einen wieder größeren Wachstumsbeitrag leisten können.

Umweltpolitische Themen sollten eine noch bedeutendere Rolle spielen – etwa die weltweiten Diskussionen über eine CO2-Bepreisung. Zudem scheint sich mittlerweile auf breiter Front die Überzeugung durchgesetzt zu haben, dass der Aufbau einer „grünen“ Infrastruktur zwar Kosten verursacht, letztlich aber deutlich positive Effekte auf die wirtschaftliche Entwicklung haben kann.

Weltwirtschaft wächst weiter

„Der Export dürfte im zweiten Halbjahr wieder einen größeren Wachstumsbeitrag leisten.“


3. Inflation – der Elefant im Raum

Ölpreis · Löhne · Fachkräftemangel

Die derzeit hohen Inflationszahlen sind Ausdruck temporärer und struktureller Faktoren. Temporär sind sicher die wirtschaftlichen Verwerfungen und Verschiebungen, die aus der Coronavirus-Pandemie resultieren, etwa Basiseffekte bei Rohstoffen oder die Störung der Liefer- bzw. Handelsketten. Auch administrative Preise wie die CO2-Bepreisung zählen hierzu. Strukturelle Preistreiber dürften Themen wie die Resilienz der Wertschöpfungsketten (Abnahme der globalen Arbeitsteilung, stärkere Lagerhaltung etc.), die Demografie (Facharbeitermangel) oder die grüne Transformation der Wirtschaft sein. Die Notenbanken haben durch die Änderung ihrer Inflationsziele bereits deutlich gemacht, dass sie eine höhere Teuerungsrate zulassen werden. Im neuen Jahr rechnet die Deutsche Bank daher zwar mit einer insgesamt erhöhten Inflation, aber unter anderem aufgrund der restriktiveren Geldpolitik sicherlich unterhalb des gegenwärtigen Niveaus.

Inflationserwartungen deutlich gestiegen

„Eine Rückkehr zu den extrem niedrigen Inflationsraten von vor der Coronavirus-Krise ist unwahrscheinlich.“


4. Festverzinsliches – die Rentenmarktrevolte

Geldpolitik · steigende Renditen · Verlustrisiken

An kleineren Rentenmärkten wie Kanada testen Anleihehändler mit Erfolg, wie sie die Geldpolitik der Notenbanken beeinflussen können. Eine solche „Revolte“ blieb in Europa oder den USA bislang aus. Insgesamt dürfte das allgemeine Renditeniveau steigen und seinen Höhepunkt im Zuge einer weniger expansiven Geldpolitik der Fed Mitte des Jahres 2022 erreichen, bevor es zum Jahresende aufgrund schwächerer Konjunkturerwartungen für 2023 nachgeben sollte. Die Kapitalmarktzinsen könnten nach Abzug der Inflation auf absehbare Zeit negativ bleiben. Hinzu kommt, dass sich die Kurse von Anleihen vor allem in den USA und Europa durch das Zurückfahren der Notenbank-Kaufprogramme zunehmend im Gleichlauf mit den Aktienkursen entwickeln dürften – was ihren Wert als Absicherung im Portfolio schmälert. Selbst Staatsanleihen der Industrieländer sind kein „risikoloses“ Investment mehr. Bei Unternehmensanleihen guter Bonität sind die Aussichten etwas besser, aber auch hier dürften höhere Zinskupons die Kursverluste kaum ausgleichen. Interessantere Renditen bieten Anleihen schwächerer Bonität zu einem höheren Risiko. Aus Renditegesichtspunkten sollten Anleihen 2022 kaum einen Platz im Portfolio finden.

Federal Reserve (Fed)

„Kapitalmarktzinsen könnten auf absehbare Zeit nach Abzug der Inflation negativ bleiben.“


5. Immobilien – reale Alternativen

Logistik · niedrige Finanzierungskosten · moderates Neubauangebot

2021 war ein Boomjahr für viele Immobilienmärkte weltweit. Insgesamt entwickelten sich vor allem Logistik- und Wohnimmobilien gut, während der Büromarkt sich langsamer erholte und Einzelhandelsobjekte unter Druck blieben. Eine hohe Nachfrage und geringe Finanzierungskosten als Haupttreiber dieser insgesamt positiven Entwicklung dürften 2022 bestehen bleiben. So ist das Verhältnis der Nettomieteinnahmen einer Immobilie zu ihrem Kaufpreis zwar vielerorts gering, liegt aber meist über dem Zinsniveau. Nachfragetreibend sollten sich unter anderem ein fortgesetztes Wirtschaftswachstum und die strukturell bedingt zunehmende Zahl von Bürobeschäftigten erweisen. Zudem könnte das weltweite Neubauangebot im Zuge stark gestiegener Material-, Arbeits- sowie Baukosten aufgrund strikterer Klimaschutzauflagen moderat ausfallen, was die Immobilienpreise stützen sollte.

„3,9 % erwartetes globales Mietwachstum bei Logistikflächen p. a. bis 2025.“


6. Aktien – „neutral“ ist das neue „Underweight“

Solides Gewinnwachstum · Zykliker · Sektorrotation

Die Aussichten für Aktien bleiben 2022 insgesamt positiv: Im Umfeld eines hohen nominalen Wirtschaftswachstums und behutsam agierender Notenbanken sowie stabiler Unternehmensmargen und einer weitgehenden Normalisierung der Lieferketten dürften weitere Kursgewinne möglich sein – die Unternehmensgewinne könnten in den meisten Regionen im höheren einstelligen Prozentbereich solide wachsen. Zudem sollten die fortschreitende digitale Revolution und die „grüne“ Transformation der Weltwirtschaft Anlegern auch weiterhin interessante Möglichkeiten eröffnen. Ein Portfolio ohne oder nur mit einem geringem Aktienanteil, also eine Untergewichtung von Aktien (engl.: underweight), erscheint für entsprechend risikobereite Anleger daher und aufgrund des Mangels an Anlagealternativen wenig ratsam.

Unter der Oberfläche der Leitindizes könnte es 2022 zu einer Rotation der Anlagefavoriten auf Sektorebene kommen: von zyklischen Sektoren im ersten Halbjahr zu defensiven Sektoren im zweiten Halbjahr – wobei zwischenzeitliche Änderungen der Rotationsrichtung möglich sind. Aus Anlegersicht könnte sich 2022 daher ein Investmentansatz empfehlen, der Wachstums- und Techaktien auf der einen sowie Substanzwerte und Banktitel auf der anderen Seite umfasst („Barbell“-Strategie).

Auf regionaler Ebene dürften in den USA vor allem der IT-Sektor, aber auch Bereiche wie Gesundheit, Finanzen, Immobilien oder Kommunikation interessant sein. In Europa könnte der Fokus auf Wachstumstitel aus dem IT-Bereich sowie auf zyklische Sektoren gelegt werden. Schwellenländeraktien sollten nach einem möglicherweise etwas holprigen Start ab Mitte 2022 zu den Gewinnern gehören – allen voran solche aus Asien. Von einer Verbesserung der Lage in China dürften dann auch japanische Aktien profitieren, die ähnlich wie viele europäische Werte relativ günstig bewertet sind.

Gewinnwachstum treibt die Kurse
Prognosen Aktienindizes 2022
Bulle - Börse Frankfurt

„Ein Portfolio ohne oder nur mit einem geringen Aktienanteil erscheint wenig ratsam.“


7. Asien – im Jahr des Tigers

Xi Jinping · Indien · Schwellenländer

Das neue Jahr steht in China ab Februar ganz im Zeichen des Tigers – und einer möglichen Wiederwahl von Präsident Xi Jinping im Herbst. Die Regierung in Peking dürfte ein großes Interesse daran haben, dieses Ereignis mit soliden Wachstumszahlen zu feiern. Die chinesische Zentralbank scheint sich dafür mit einer wieder etwas flexibleren Geldpolitik bereits positioniert zu haben. Eine Zunahme der fiskalischen Maßnahmen für Anfang 2022 erscheint ebenso möglich wie ein weiteres partielles Zurückdrehen der verschärften Marktregulatorik. Im Jahresverlauf könnte der Wachstumstrend sich dadurch stabilisieren, wenngleich Risiken, etwa am Immobilienmarkt, bestehen bleiben.

Stärker wachsen als China dürfte im neuen Jahr erneut Indien, wo die Notenbank mit ihrer moderaten Zinspolitik die Wirtschaft weiter stützt und vor allem der private Konsum und die Unternehmensinvestitionen Aufholpotenzial zeigen. Insgesamt könnte Asien 2022 geopolitisch und wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen, wodurch vor allem die Schwellenländer der Region zunehmend in den Fokus von Investoren rücken dürften.

Asien: viel mehr als nur China

„Asien könnte 2022 geopolitisch und wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen.“


8. Rohstoffe – Superzyklus 2.0

Infrastruktur · Goldpreis · Ölmarkt

Nach den deutlichen Preisbewegungen an den Rohstoffmärkten im Jahr 2021 könnten die Schwankungen 2022 etwas abnehmen, der Aufwärtsdruck insgesamt aber anhalten. Vor allem Industriemetalle scheinen über weiteres Preispotenzial zu verfügen. Treiber der Nachfrage ist unter anderem die Tatsache, dass der Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur über einen langen Zeitraum sehr energie- und ressourcenintensiv sein dürfte. Davon könnte etwa die Notierung von Kupfer profitieren. Bei den Edelmetallen gilt es, zwischen Gold und Metallen wie Silber, Platin oder Palladium zu unterscheiden. Während Letztere durch ihre Verwendung etwa in der Automobilindustrie zumindest mittelfristig gefragt bleiben dürften, könnte Gold aufgrund steigender Zinsen und damit steigender Opportunitätskosten für Anleger an Attraktivität verlieren.

Am Ölmarkt ist eine deutliche Ausweitung des Angebots im neuen Jahr eher unwahrscheinlich. In Anbetracht einer anhaltend hohen globalen Nachfrage dürfte der Ölpreis zum Jahresende 2022 dadurch etwa auf dem heutigen Niveau liegen. Längerfristig könnte die Investitionszurückhaltung aufgrund strikterer Umweltauflagen und einer CO2-Bepreisung die Produktionskapazitäten schmälern und den Ölpreis steigen lassen. Demgegenüber stehen eine möglicherweise nachlassende Nachfrage in den Industrieländern (grüne Transformation) und Produktionsausweitungen der OPEC+-Staaten.

Kupferdrahtrollen

„Vor allem Industriemetalle scheinen weiteres Preispotenzial zu haben.“


9. Trends – Finance for Future

Nachhaltigkeit · Klimawandel · Technologie

Geldanlagen mit Fokus auf den Umweltschutz, die Einhaltung sozialer Standards und eine gute Unternehmensführung (aus dem englischen ESG für Environment, Social, Governance) sind in den vergangenen Jahren weltweit zu einem Kernbereich des Investmentuniversums geworden. Vor allem der Kampf gegen den Klimawandel steht hier aktuell im Fokus. Entscheidend für einen Erfolg ist dabei unter anderem der technische Fortschritt – darüber herrscht Einigkeit. Um die Klimaziele, die zum Beispiel auf der UN-Klimakonferenz im November 2021 formuliert wurden, zu erreichen, müssen Innovationen etwa in den Bereichen Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, E-Mobilität oder Wasseraufbereitung jetzt aber auch schnellstmöglich vorangetrieben und umgesetzt werden, beispielsweise im Rahmen des europäischen Green Deals.

Insgesamt dürfte der starke Wachstumstrend nachhaltiger Investments anhalten und in allen drei ESG-Bereichen weit über das Jahr 2022 hinaus interessante Anlagemöglichkeiten bieten – auch und gerade als Teil eines aktiven Risikomanagements für das Gesamtportfolio.

Solarzellen

„Ohne technische Innovationen sind die globalen Klimaziele nicht zu erreichen.“


10. Risiko & Portfolio – von Bondbären und Aktienbullen

Neue Realitäten · ESG-Ansatz · Risikomanagement

Die extrem niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre dürften Geschichte sein – 2022 ist mit insgesamt steigenden Zinsen zu rechnen. Staatsanleihen guter Bonität könnten dadurch ihren Status als „risikoloses“ Investment verlieren. Die meisten Unternehmensanleihen wiederum bieten nur noch niedrige Renditen. Darüber hinaus könnten Anleihen durch einen zeitweiligen Gleichlauf ihrer Kurse mit den Aktiennotierungen weiter unter Druck kommen.

Im Aktienbereich besteht das Risiko, dass einzelne Unternehmen und sogar ganze Sektoren im Zuge des nachhaltigen Wandels der Wirtschaft aufgrund regulatorischer Vorgaben oder des Hinterherhinkens hinter „grüneren“ Technologien den Anschluss verlieren und stark an Wert einbüßen könnten. Anleger sollten ihre Portfolios an diese neuen Realitäten anpassen.

Insgesamt erscheint es sinnvoll, das Portfolio breit aufzustellen. Da Anleihen als Möglichkeit zur Diversifikation weitestgehend ausfallen könnten, sollte mehr denn je auch innerhalb des Aktienportfolios diversifiziert werden. Dazu könnte sich die gleichzeitige Berücksichtigung unterschiedlicher Aktienmarktsektoren anbieten, etwa Wachstumstitel mit langfristigem Renditepotenzial, zyklische Unternehmen mit kurzfristigem Aufholpotenzial sowie Investments mit einem ESG-Ansatz. Fehlen sollte zudem auf keinen Fall ein aktives und umfassendes Risikomanagement.

„Anleger sollten ihre Portfolios an die neuen Realitäten am Kapitalmarkt anpassen.“


Rückblick auf das Anlagejahr 2021

Fast alle unsere Kapitalmarktprognosen vom Jahresende 2020 haben sich im Laufe des Jahres 2021 erfüllt. Am Rohstoffmarkt und bei der Inflation gab es sogar eine Punktlandung.

Steigende Rohstoffpreise und Aktienkurse, die Rückkehr der Inflation, ein starkes Wirtschaftswachstum weltweit und Anleihen auf Abwegen – das Kapitalmarktjahr 2021 hat gehalten, womit die Deutsche Bank vor zwölf Monaten gerechnet hat. Auch der weitere Aufstieg Chinas zur globalen wirtschaftlichen und militärischen Supermacht hat sich in einem atemberaubenden Tempo fortgesetzt – begleitet von einem sich weiter zuspitzenden Konflikt mit den USA.

Einzig das Comeback der größten Corona-Verlierer aus dem Jahr 2020, etwa aus dem Tourismussektor, hat sich an den Börsen 2021 nicht in dem Umfang eingestellt wie erwartet – die „Letzten“ blieben teilweise hintendran.

Mit gemischten Gefühlen kann man die Immobilienprognose betrachten: Zwar setzte sich die positive Preisentwicklung wie erwartet fort, gleichzeitig bestätigte sich jedoch auch die Vermutung, dass in Deutschland nach wie vor zu wenig gebaut wird, um den Bedarf zu decken.

Rückblick auf das bisherige Anlagejahr 2021: unsere Prognosen im Marktcheck

Redaktionsschluss: 03.12.2021

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