Immobilien: viel mehr als nur Fassade

Die Coronavirus-Pandemie hat die Immobilienmärkte 2021 kaum belastet. Vor allem Wohn- und Logistikimmobilien entwickelten sich gut. Die weiteren Aussichten bleiben positiv. Dabei sollten Anleger jedoch mögliche Risiken, etwa durch steigende Zinsen, einkalkulieren.

Die wichtigsten Fakten:

  • Logistik- und Wohnimmobilien auch 2022 im Anlegerfokus
  • Bürosektor mit moderatem Renditepotenzial
    • Einzelhandelssegment insgesamt weiter unter Druck
    Immobilien: viel mehr als nur Fassade

    2021 war insgesamt ein gutes Jahr für die weltweiten Immobilienmärkte: Vor allem die Nachfrage nach Logistik- und Wohnimmobilien entwickelte sich dynamisch. Moderat aufwärts ging es auch am Büromarkt. Lediglich Einzelhandelsobjekte und Hotels blieben unter Druck. In der Eurozone, allen voran in Deutschland und Spanien, legten die Investitionen in gewerbliche Immobilien 2021 deutlich zu: Mit 47,6 Milliarden Euro wurden allein im dritten Quartal 40 Prozent mehr investiert als im Vorjahreszeitraum.

    Dieser Anstieg steht in Einklang mit einer ebenfalls gestiegenen Mietnachfrage nach Büroflächen, die in der Eurozone um 30 Prozent und in Deutschland sogar um 40 Prozent anzog. Damit liegt sie nach dem coronabedingten Einbruch im Jahr 2020 insgesamt jedoch noch immer unter dem Vorkrisenniveau. Als Folge der starken Nachfrage stiegen die Büromieten in der Eurozone so stark an wie seit Ende 2019 nicht mehr. Für das Gesamtjahr 2021 beträgt beispielsweise an den großen deutschen Büroimmobilienstandorten das Plus rund 3 Prozent. Die Mietrendite (Mieteinnahmen relativ zu Kosten) liegt aktuell etwa auf gleichem Niveau. Auf lange Sicht könnte der Trend zur Arbeit im Homeoffice die Büroflächennachfrage zwar dämpfen, ein fortgesetztes Wirtschaftswachstum und die strukturellbedingt zunehmende Zahl von Bürobeschäftigten sollten die Nachfrage aber grundsätzlich stützen.

    40 % mehr Nachfrage nach Büroflächen in Deutschland


    Logistiksektor im Fokus, Einzelhandel unter Druck

    Logistikimmobilien dürften weiter vom Siegeszug des Online-Handels und einem dynamischen Wirtschaftswachstum profitieren. Die Mieten sollten daher in diesem Segment tendenziell weiter steigen. Verlierer des Shoppingbooms im Internet sind Einzelhandelsimmobilien, die ebenso wie Hotels zudem unter den Folgen erneuter Restriktionen im Zuge eines Wiederaufflammens der Coronavirus-Pandemie zu leiden haben könnten. Die Mieten im Einzelhandelssegment dürften in den kommenden Quartalen jedoch zumindest stabil bleiben.

    Die Haupttreiber der insgesamt positiven Entwicklung am Gewerbeimmobilienmarkt, eine hohe Nachfrage und niedrige Finanzierungskosten, dürften 2022 bestehen bleiben. Zwar sind die Nettomieteinnahmen im Vergleich zum Kaufpreis von Immobilien vielerorts nur noch gering – insbesondere aufgrund nachgebender Mietrenditen im Logistikbereich. Im Vergleich zu den laufenden, meist negativen Realrenditen von Staatsanleihen könnten Anlagen am gewerblichen Immobilienmarkt mit Renditen von durchschnittlich 3 bis knapp 4 Prozent je nach Marktsegment aber nach wie vor interessant erscheinen.

    Anlagen am gewerblichen Immobilienmarkt könnten nach wie vor interessant erscheinen.


    Wohnen wird immer teurer

    Der Preisauftrieb im Wohnimmobiliensegment hält nun schon seit Jahren ununterbrochen an. In Deutschland etwa verteuerten sich neue Häuser im Oktober 2021 um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Ende des Booms ist auch 2022 nicht zu erwarten. Wohnraum ist weiterhin knapp, die Zahl der fertiggestellten Wohnungen gemessen am Bedarf weiterhin zu niedrig: Zwar sind derzeit 800.000 neue Wohnungen genehmigt, aber noch lange nicht gebaut. Preistreibend könnten sich kurz- bis mittelfristig zudem die Inflation bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie neue Anforderungen an die Energieeffizienz auswirken. Solange die Hypothekenzinsen auf niedrigem Niveau verharren, dürften sich viele Haushalte aber auch teurere Immobilien leisten können – was die Nachfrage hochhält.

    Redaktionsschluss: 10.12.2021, 18 Uhr

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