Aktien – 13.07.2022

Anfällige Märkte mit Aufwärtspotenzial

Die wichtigsten Fakten:

  • Der globale Aktienindex MSCI World All Countries befindet sich in einem Bärenmarkt.
  • Die Deutsche Bank hat ihre Prognosen für europäische und US-amerikanische Aktien angepasst.
  • Eine Korrektur der Corona-Politik und Konjunkturhilfen könnten den Aktienmarkt in China stützen.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Nerven behalten und nicht in Panik verfallen, lautet das Gebot der Stunde: Im Umfeld hoher Inflationsraten, kräftiger Leitzinserhöhungen und zunehmender Rezessionssorgen müssen Anleger an den weltweiten Aktienmärkten in den Sommermonaten mit starken Kursschwankungen rechnen. Aktuell befindet sich der Weltaktienindex MSCI World All Countries (MSCI ACWI) bereits in einem Bärenmarkt. Davon wird gesprochen, wenn ein Index von seinem letzten Verlaufshoch aus mindestens um 20 Prozent konsolidiert. Beim MSCI ACWI passiert das seit 1990 nun zum neunten Mal mit einer Dauer von mindestens vier Wochen.

In der Vergangenheit ging die Hälfte der Bärenmärkte mit einer Rezession in den USA einher und ließ den Weltaktienindex deutlich einbrechen. Außerhalb von Rezessionen lagen die Kursverluste im Schnitt „nur“ bei 21 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) fiel durchschnittlich bis 13,3, bei einer sanften Konjunkturlandung war der Boden jedoch bereits bei 15,5 erreicht. Auf Basis der historischen Daten preiste der Markt Ende Juni damit zu etwa 50 Prozent eine Rezession in den USA ein.

Die Eintrübung der gesamtwirtschaftlichen Aussichten und nach oben angepasste Zinserwartungen haben die Deutsche Bank veranlasst, ihre Prognosen für die führenden Aktienindizes zu senken. Auf Sicht von 12 Monaten werden nun beim marktbreiten US-Leitindex S&P 500 ein Stand von 4.200, beim europäischen Pendant STOXX 600 von 430 und beim Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets von 1.060 Punkten erwartet.

Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte Kursverlauf ausgewählter Aktienindizes und Deutsche Bank Prognose, Angaben in Indexpunkten

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 07.07.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Moderate Gewinne

Nach den jüngsten Kursverlusten erscheinen die Bewertungen für US-Aktien auf Basis der Gewinnschätzungen von Analysten wieder angemessen, die in Europa und den Schwellenländern sogar wieder günstig. Aktuell prognostiziert die Analystengemeinde (IBES-Datenbank), dass die konsolidierten Gewinne des S&P 500 bis 2025 jährlich um fast 10 Prozent steigen werden. Vor dem Hintergrund des abflauenden Wirtschaftswachstums und der hohen Inflation hält die Deutsche Bank die Prognosen aber für zu optimistisch und erwartet im Verlauf der kommenden Berichtssaison weitere Korrekturen nach unten. Dagegen dürften die Gewinne der im europäischen STOXX 600 gelisteten Unternehmen im Schnitt etwas weniger stark zulegen. Ein Grund ist die relativ höhere Indexgewichtung zyklischer Aktien. Außerdem sind IT-Sektoren im Vergleich zum S&P 500 unterrepräsentiert. Auf Sicht von 12 Monaten könnten die Aktienmärkte zwar höher notieren. Anleger müssen aber kurz- und mittelfristig mit stärkeren Schwankungen rechnen. Die Wachstumsrisiken durch den Krieg in der Ukraine, die anhaltend hohe Inflation und die Straffung der geldpolitischen Rahmenbedingungen werden die Märkte sehr wahrscheinlich weiter verunsichern.

„Bärenmarkt, Kurschwankungen, mögliche Rezession: Was langfristig trotzdem für Aktien sprechen könnte."

Profitable Titel

Derweil haben die Aktienmärkte in Hongkong beziehungsweise in Schanghai und Shenzhen den MSCI World seit Mitte Mai geschlagen. Die Auslöser: Die chinesische Regierung hat einige Konjunkturpakete verabschiedet; außerdem mehren sich die Anzeichen für eine maßvollere Regulierung von IT-Konzernen. Perspektivisch könnten chinesische Aktien von einem Wiederanstieg der Konsumausgaben profitieren. Wie viel der angestauten Konsumnachfrage der chinesischen Wirtschaft zugutekommen wird, hängt aber maßgeblich von der Corona-Politik ab. Verzichtet die Regierung in Peking wie zuletzt nach einem neuen Infektionsausbruch künftig auf flächendeckende Abriegelungen und kurbelt die Wirtschaft mit weiteren Konjunkturhilfen an, könnte sich an Chinas Börsen ein längerfristiger Auftrieb entwickeln.

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Redaktionsschluss: 07.07.2022, 18 Uhr;