Aktien – 07.10.21

Aktien: Eine Frage der Perspektive

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Fiskalpläne der US-Regierung könnten den Aktienmarkt in den USA belasten.
  • Technologieaktien haben sich zuletzt schwächer entwickelt als der US-Gesamtmarkt.
  • In Europa könnten zyklische Sektoren vom globalen Aufschwung profitieren – insbesondere Bankentitel.

Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Am weltweit größten Aktienmarkt ziehen dunkle Wolken auf. Ein möglicherweise im November beginnendes Tapering der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), aber auch die Unsicherheiten bezüglich des Bundeshaushalts und der Schuldenobergrenze in den USA, könnten unruhige Zeiten bescheren. So plant die US-Regierung, zur Finanzierung eines 3,5 Billionen US-Dollar schweren und auf zehn Jahre ausgelegten Fiskalprogramms unter anderem die Körperschaftssteuern zu erhöhen. Berechnungen zufolge würde der marktbreite Aktienindex S&P 500 rund 5 Prozent der erwarteten 220 US-Dollar Gewinn je Aktie im Jahr 2022 einbüßen. Überdurchschnittlich stark wären Unternehmen der Gesundheits- und IT-Branche betroffen.

Die Pläne von US-Präsident Joe Biden sehen neben Steuererhöhungen eine 2-prozentige Abgabe auf Aktienrückkäufe vor. Anders als etwa in Deutschland, wo die Unternehmen Aktionäre vorzugsweise über Dividenden am Erfolg beteiligen, setzen US-Konzerne stark auf Rückkaufprogramme. Die Verknappung der Papiere erhöht den Gewinn je Aktie und stützt die Kurse.

Schwache Performance

Ungewöhnlich, aber nachvollziehbar ist die Underperformance der größten Technologietitel, die im NYSE FANG+ Index gelistet sind. Im Vergleich zum S&P 500 hinkt der Index 2021 um gut 6 Prozentpunkte hinterher. Ein Grund sind die im Index gelisteten chinesischen Aktien, die seit der Regulierungsoffensive Pekings rund 30 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt haben.

Der zweite Grund ist ein Renditegefälle in Richtung steigender Bewertungsprämien und sinkender Eigenkapitalquoten. Während die Index-Zugpferde mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 34 um rund 50 Prozent zulegten, lag die durchschnittliche Rendite aller anderen gelisteten US-Techs bei nur 6 Prozent – bei fast doppelt so hoher Bewertung. In Zeiten steigender Kapitalmarktzinsen sollten Anleger nicht nur auf Wachstumschancen blicken, sondern auch auf Bewertung und Verschuldungsgrad achten.

Quelle: Datastream, Bloomberg L.P.; Stand 29.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Quelle: Datastream, Bloomberg L.P.; Stand 29.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Höheres Gewinnwachstum

Unterdessen konnten sich die Unternehmen des MSCI Europe nach dem Gewinneinbruch um 25 Prozent im vergangenen Jahr 2021 deutlich erholen: Die Analystengemeinde prognostiziert ein Gewinnplus von mehr als 50 Prozent. Für 2022 erwarten sie 7 Prozent – das aber könnte nach Meinung der Deutschen Bank zu konservativ sein. Sowohl das globale Wachstum als auch das im Euroraum dürfte 4,5 Prozent erreichen und insbesondere zyklische Sektoren wie Energie, Bau, Grundstoffe sowie Transport stützen. Daher erscheint ein niedriges bis mittleres zweistelliges Gewinnwachstum greifbar. Die dann erforderliche Anpassung der Gewinnprognosen könnte den Kursen entsprechend Auftrieb geben und dem Gesamtmarkt 2022 eine einstellige Performance ermöglichen.

Vergleichsweise gut erscheinen die Aussichten für Aktien europäischer Banken. Nach einer 5-jährigen Durststrecke mit einer durchschnittlichen Gesamtperformance von 1,2 Prozent pro Jahr verbucht der Sektor seit Januar nun ein Plus von rund 27 Prozent – und liegt damit 8 Prozentpunkte vor dem marktbreiten Index STOXX 600. Steigende Kapitalmarktzinsen, die Ausweitung von Kreditvolumina sowie zyklisch wachsende Gebühreneinnahmen könnten die Profite der Banken weiter steigern. Außerdem bewegen sich pandemiebedingte Kreditausfälle bislang sichtlich im Rahmen. Die hierfür gebildeten, aber nicht benötigten Rückstellungen kommen den Aktionären zugute. Auch das KGV von 9 auf Basis der Gewinne in 12 Monaten und die Aufhebung der Dividendensperre durch die EZB sprechen für europäische Bankaktien.

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Redaktionsschluss: 06.10.2021, 18.00 Uhr