Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Der Aufwärtstrend an den internationalen Aktienmärkten setzt sich aktuell fort. Auch im Juni haben in Europa und den USA die marktbreiten Leitindizes STOXX 600 und S&P 500, aber auch die führende US-Technologiebörse Nasdaq und sein deutsches Pendant TecDAX Allzeithochs erklommen. Doch die Risiken für Kursturbulenzen über die Sommermonate nehmen zu – eine breite Streuung bleibt oberstes Gebot für eine strategisch ausgerichtete Asset Allocation.

Die Impfkampagnen, die auch in Europa vorankommen, und der damit verbundene Schub ermöglichen zwar eine V-förmige Konjunkturerholung – oft aber genügen Produktions- und Lieferkapazitäten nicht, um die Nachfrage zu decken. Engpässe bei der Materialbeschaffung treiben die Kosten; Inflations- und Zinssorgen nehmen zu. Die Zeiten niedriger Preise und expansiver Geldpolitik scheinen zu Ende zu gehen. Dennoch führt aus Renditeerwägungen kaum ein Weg an Aktien vorbei. Langfristig profitable Technologietrends und konjunktureller Rückenwind versprechen perspektivisch eine robuste Aktienmarktentwicklung.

Aktien: Gipfelsturm mit Rückschlagspotenzial

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 01.07.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Mehr US-Anleger

Der STOXX 600 weist im Vergleich zum S&P 500 eine höhere Gewichtung von Substanzwerten (Value), Zyklikern und Finanzunternehmen auf. Der Index schneidet in der Regel besser ab, wenn Konjunkturindikatoren einen Aufschwung signalisieren und Kapitalmarktzinsen steigen. Die Anhebung der Gewinnprognosen für europäische Unternehmen im 2. Quartal um fast 10 Prozent wurde mit Kursaufschlägen quittiert. Auch US-Anleger orientieren sich nach Europa und haben innerhalb von 4 Wochen 6 Milliarden US-Dollar in Aktienfonds investiert – so viel wie seit 2015 nicht mehr.

Der Trend könnte andauern – vorausgesetzt, die 4. Pandemiewelle verläuft glimpflich. Denn der private Konsum ist ein wesentlicher Treiber der Wirtschaftsdynamik. In der Eurozone ist die Sparquote während der COVID-19-Krise von 12,5 Prozent auf knapp 20 Prozent des verfügbaren Einkommens angestiegen. Die Privathaushalte haben so zusätzliche Reserven zwischen 550 und 650 Milliarden Euro. Das entspricht rund 5 Prozent der Wirtschaftsleistung im Euroraum und könnte besonders Herstellern langlebiger Gebrauchsgüter wie Autos zugutekommen.

Hohe Dividenden

Während in den USA schon wieder mehr Fahrzeuge zugelassen wurden als 2019, lagen die Pkw-Neuzulassungen in der Eurozone im 1. Halbjahr immer noch um ein Viertel unter Vorkrisenniveau. Der Umbau der Produktion auf Elektromobilität ist gelungen, der Investitionsdruck sollte nachlassen. Lieferschwierigkeiten bei Speicherchips und hohe Kosten für Rohstoffe belasten zwar die Gewinne. Dennoch ist der Sektor auch nach der Rally am Aktienmarkt nicht hoch bewertet. Für den Sektor sprechen mittelfristig auch die positive Korrelation der Kursentwicklung mit Renditen deutscher Staatsanleihen und möglicherweise stattliche Dividendenzahlungen.

Der Engpass bei Halbleitern ist für die Autoindustrie ein limitierender Faktor. Spezialisierte Zulieferer weiten deshalb ihre Kapazitäten massiv aus. Geschätzte 6,5 Milliarden US-Dollar investieren 2021 allein die weltweit sechs umsatzstärksten Anbieter – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem bisherigen Höchststand von 2018. Das Risiko eines Überangebots dürfte vergleichsweise gering sein. Seit 2017 ist das Verhältnis zwischen Anlageinvestitionen und Umsätzen dieser Anbieter relativ konstant. Kurzfristig könnten die Angebotsknappheit und verzögerte Umsatzeffekte von Investitionen deren Kurspotenzial begrenzen, langfristig dürften sie von strukturellen Wachstumsaussichten profitieren.

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Redaktionsschluss: 08.07.2021, 14 Uhr