Aktien – 13.09.21

Aktien: Intakter Aufwärtstrend

Die wichtigsten Fakten:

  • Die US-Notenbank wird ihre Geldpolitik nur vorsichtig straffen – das beruhigt die Aktieninvestoren.
  • Die Berichtssaison in den USA, Japan und Europa ist deutlich besser als erwartet gelaufen.
  • Große, profitable US-Unternehmen stützen ihre Aktienkurse mit Rückkaufprogrammen.

Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Die Erleichterung der Investoren nach dem Auftritt von US-Notenbankchef Jerome Powell auf dem Jackson-Hole-Symposium Ende August war groß: Anders als einige seiner Kollegen aus dem Offenmarktausschuss schlug der Fed-Präsident moderate Töne an und relativierte die hohe Inflation in den USA sowie die Erholung am US-Arbeitsmarkt. Eine voreilige Drosselung der milliardenschweren Anleihekäufe (Tapering) werde es nicht geben. Besonders gut aber kam eine Bemerkung an: Das Tapering sei kein Signal für bevorstehende Leitzinserhöhungen.

Überzeugende Bilanzen

Der Aufwärtstrend an den globalen Aktienmärkten scheint aktuell intakt. Dazu tragen auch die Ergebnisse der Berichtssaison für das 2. Quartal 2021 bei. So haben US-Unternehmen ihre Gewinne gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt und die Analystenerwartungen in 85 von 100 Fällen übertroffen. In Europa überzeugten Unternehmen mit einem Gewinnwachstum von 71 Prozent gegenüber 2020. Knapp zwei Drittel lieferten bessere Ergebnisse ab als prognostiziert.

Gewinnerwartungen ausgewählter Anlageregionen

Quelle: Datastream; Stand: 03.09.2021; Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Und auch in Japan meldeten die Unternehmen 52 Prozent Gewinnzuwachs gegenüber dem Vorjahr. 70 Prozent der im Leitindex TOPIX notierten Konzerne haben die Prognosen geschlagen. Rund 15 Prozent erwarten nun auch für das Gesamtjahr höhere Gewinne. Die robusten Quartalszahlen und die nach einem schleppenden Start zunehmende Impfdynamik könnten dem japanischen Aktienmarkt zu einer Aufholjagd verhelfen. Seit Mitte März verläuft der TOPIX seitwärts, während Indizes in den USA und Europa Allzeithochs erklimmen.

Kurzfristige Wachstumsindikatoren deuteten zuletzt zwar eine Verlangsamung des globalen Konjunkturmomentums an. Dennoch dürfte die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit überdurchschnittlich stark wachsen. In diesem Umfeld sollten die Gewinne europäischer Unternehmen – die sehr konjunktursensitiv sind – weiter steigen, allerdings langsamer als in den zurückliegenden Monaten. Gleichzeitig sollten die Kapitalmarktzinsen moderat anziehen. Vor diesem Hintergrund und angesichts einer im historischen Kontext vergleichsweise hohen Bewertung dürfte sich das weitere Kurspotenzial für den breiten europäischen Aktienmarkt im laufenden Jahr in Grenzen halten.

Dagegen könnten ausgesuchte Sektoren den Gesamtmarkt spürbar outperformen. So sollten Banken und Versicherungen von steigenden Kapitalmarktzinsen profitieren – und für Anleger entsprechend interessant bleiben. Das gilt auch für Branchen, die noch nicht zu hoch bewertet sind: Grundstoffe, Automobile, Bau und Energie.

Interessante Einstiegskurse

In den USA tragen unterdessen Aktienrückkaufprogramme wieder spürbar zur positiven Kursentwicklung bei. Das gilt insbesondere für große börsennotierte US-Konzerne. Im 2. Quartal haben diese sogenannten Large Caps verstärkt eigene Anteilsscheine gekauft – und damit reibungslos an das Vor-Pandemie-Volumen in Höhe von netto 160 Milliarden US-Dollar angeknüpft. Das könnte erklären, warum US-Aktienindizes, in denen große Konzerne gelistet sind, seit April auf Eurobasis um gut 14 Prozent zugelegt haben, der Markt für kleine und mittelgroße Unternehmen aber ein Minus von 0,7 Prozent ausweist. Große, seit Jahren profitable US-Unternehmen mit erprobten Geschäftsmodellen, hoher Preissetzungsmacht und ausgewogener Finanzierungsstruktur dürften sich auch in einem Umfeld hoher Inflation und steigender Kapitalmarktzinsen vorerst besser behaupten als kleinere, junge und zinssensible Wachstumsunternehmen.

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Redaktionsschluss: 08.09.2021, 18.00 Uhr