Aktien – 06.08.21

Aktien: Von starken Ergebnissen und staatlichen Eingriffen

Die wichtigsten Fakten:

  • Nach der erfolgreichen Berichtssaison in den USA sollten Anleger nun verstärkt auf zyklische Aktien setzen.
  • Die hohe Bewertung des US-Tech-Sektors ist nicht vergleichbar mit der DotCom-Blase vor 20 Jahren.
  • Peking ordnet den privaten Bildungssektor neu. Anleger befürchten massive Eingriffe in Chinas „New Economy“.

Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Der Verlauf der Berichtssaison für das 2. Quartal 2021 bestätigt die Einschätzung der Deutschen Bank: US-Aktien gehören in jedes breit aufgestellte Depot. 86 Prozent der Konzerne die im US-Leitindex S&P 500 gelistet sind, übertrafen die Gewinnerwartungen im Schnitt um 18 Prozent. Das durchschnittliche Gewinnwachstum gegenüber 2020 liegt bei 99 Prozent. Auch die Ausblicke stimmen positiv: 9 von 10 Unternehmen, die ihre Prognosen angepasst haben, erwarten nun für das Gesamtjahr höhere Gewinne.

Allerdings ist der Basiseffekt nach der Pandemie nach wie vor hoch. Im Vergleich zu 2019 erwarten Analysten „nur“ 9 Prozent Gewinnwachstum. Gegenüber dem Vorquartal preisen sie sogar saisonbereinigt einen Gewinnrückgang von 9 Prozent ein – trotz einer dynamischen Erholung der Konsumnachfrage in den USA. Angesichts höherer Bewertungen, wachsender Zinssorgen und möglicher Rückschläge in der Pandemiebekämpfung nimmt das Risiko für Kurskorrekturen zu. Risikobereite Anleger sollten selektiv vorgehen und verstärkt auf zyklische Sektoren wie Konsum, Reise und Freizeit setzen, die von einer Konjunkturerholung profitieren.

Langfristig dürften auch Wachstumstitel interessant bleiben. Anleger stellen sich zwar vermehrt die Frage, ob der US-Tech-Sektor massiv überwertet ist. Billig sind die Aktien nicht, ein Vergleich mit der DotCom-Blase Anfang der 2000er-Jahre hinkt aber. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der IT-Konzerne im S&P 500 hat sich innerhalb von 10 Jahren zwar auf 26,6 mehr als verdoppelt – bleibt aber unter dem Spitzenwert von 48 aus dem Jahr 2000. Auch die Rentabilität der Unternehmen ist deutlich höher.

Aktien: Von starken Ergebnissen und staatlichen Eingriffen

Quelle: Datastream; Stand 04.08.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Hohe Risiken

Chinas Börsen verzeichneten zum Monatsende massive Kursverluste von rund 6 bis 8 Prozent. Allein vom 22. bis 28. Juli zogen Anleger umgerechnet netto 3,6 Milliarden US-Dollar von der Hongkonger Börse ab. Auslöser war die Ankündigung der chinesischen Regierung, den privaten Bildungssektor stärker zu regulieren. Gewinnorientierte Nachhilfeangebote sollen künftig untersagt werden – in China ein Geschäftsmodell mit immerhin rund 120 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.

Der Stellenwert privater Nachhilfe ist in der leistungsorientierten chinesischen Gesellschaft hoch und aus Kostengründen nicht selten ein limitierender Faktor bei der Familienplanung. Mit der nun eingeleiteten Umstrukturierung will Peking der Überalterung entgegenwirken. Außerdem sehen die Regierungspläne vor, ausländische Beteiligungen an Unternehmen des Nachhilfesektors einzuschränken. Analysten erwarten durch die Reform nun Umsatzeinbußen des Sektors von rund 70 Prozent bis 2025. Die Notierungen der betroffenen Unternehmen brachen um bis zu 40 Prozent ein.

Aber auch die großen Internet- und Video-Sharing-Plattform-Unternehmen Chinas verzeichneten teilweise Verluste im zweistelligen Prozentbereich. Mit dem drohenden Wegfall der Werbeeinnahmen aus der Bildungsindustrie würde ein signifikanter Anteil ihrer Geschäftsgrundlage wegfallen.

Interessante Einstiegskurse

Anleger befürchten nun weitere staatliche Eingriffe in Chinas „New Economy“, die insbesondere den Technologiesektor oder auch Unternehmen aus der Pharma- oder Immobilienbranche treffen könnten. Sobald sich hier aber die Lage beruhigt und der Trend negativer Gewinnrevisionen abebbt, könnten niedrige Kursniveaus Anlegern Einstiegschancen bieten. Aktuell liegt das für die kommenden 12 Monate erwartete Gewinnwachstum chinesischer Unternehmen im Durchschnitt bei rund 14 Prozent und damit bereits bei weniger als der Hälfte der Unternehmen anderer Schwellenländer wie Südkorea (32 Prozent), Indien (31Prozent) oder Brasilien (34 Prozent).

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Redaktionsschluss: 05.08.2021, 14:00 Uhr