Aktien – 03.06.2022

Anfällige Märkte mit Aufwärtspotenzial

Die wichtigsten Fakten:

  • Technologieaktien haben seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. Der Sektor ist in einem Bärenmarkt.
  • Die Lockdowns in China verschärfen die Probleme bei den internationalen Lieferketten.
  • Die Deutsche Bank bleibt vorsichtig optimistisch für die breiten Aktienmärkte in Europa und den USA.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Die Nervosität ist groß – insbesondere in den Industrieländern könnten die Kurse an den Aktienmärkten schwankungsanfällig bleiben. Tatsächlich sehen sich Anleger aktuell mit einer Vielzahl belastender Faktoren konfrontiert. In den USA strafft die Notenbank Federal Reserve (Fed) aggressiv ihre Geldpolitik, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Die US-Realrenditen, die inzwischen wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt sind, könnten noch zulegen und weitere Bewertungsabschläge bei Aktien auslösen. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte dem Vorbild der Fed bald folgen und könnte im Juli ihre erste Leitzinserhöhung beschließen.

Moderate Gewinne

Besonders stark unter Druck stehen Technologieaktien. Der Sektor befindet sich nach Einschätzung der Deutschen Bank inzwischen in einem Bärenmarkt. Dieser länger andauernde Abwärtszyklus setzt definitionsgemäß ab einem Minus von 20 Prozent ein. Andere viel beachtete Indizes schlugen sich besser und durchlaufen bislang nur eine Korrekturphase. Insbesondere die Sektoren Grundstoffe und Energie, die zuletzt ordentliche Bilanzen vorgelegt haben, stützen die Kurse.

Tech-Werte weisen in der Regel einen hohen Finanzierungsbedarf für ihr Wachstum auf und sind gegenüber steigenden Zinsen entsprechend anfällig. Außerdem ist ihre Gewinnentwicklung nicht vollständig konjunkturunabhängig. In Zeiten des Aufschwungs beschleunigt sich das Margenwachstum – und umgekehrt. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Konzerne während der Corona-Pandemie kräftige Gewinne eingefahren haben. Nun besteht die Befürchtung, dass die Unternehmen hier in diesem Jahr Abstriche machen müssen und die Anleger beim Gewinnwachstum enttäuschen könnten. Trotz der deutlichen Kursverluste, von denen auch „Big Tech“ zuletzt nicht verschont geblieben ist, rät die Deutsche Bank Anlegern weiter zu Vorsicht – noch könnte der Zinsanstieg nicht vollständig eingepreist sein.

Profitable Titel

Zu den großen Einflussfaktoren an den Aktienmärkten zählt der Russland-Ukraine-Krieg, die geopolitische Risikoprämie dürfte absehbar hoch bleiben. Schlechte Nachrichten kommen auch aus China. Restriktive Covid-Maßnahmen belasten die Wirtschaft stärker als befürchtet. Zudem verschärfen die Lockdowns die Unterbrechungen der globalen Lieferketten und hindern Unternehmen daran, ihre vollen Auftragsbücher abzuarbeiten. Andererseits preist ein Teil des Marktes bereits ein rezessives Umfeld ein. Auch die US-Inflation könnte ihren Höhepunkt erreicht haben. Hinzu kommt: Jede Erleichterung im Rahmen der chinesischen Null-Covid-Strategie würde nicht nur die Wachstumsdelle in China begrenzen, sondern hätte positive Implikationen für die globalen Wertschöpfungsketten und den Welthandel.

Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte Historischer Gesamtertrag und Entwicklung seit Jahresbeginn ausgewählter Aktienmärkte, Angaben in Prozent und in Lokalwährung

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 01.06.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Die Deutsche Bank bleibt vorsichtig optimistisch und sieht in ihrem Basisszenario (steigende Unternehmensgewinne, niedrige Realrenditen, sinkende Risikoprämien) für die breiten Aktienmärkte auf Sicht von 12 Monaten Aufwärtspotenzial. Das Kursziel für den US-Leitindex S&P 500 beläuft sich für Juni 2023 nun auf 4.400 Punkte. Dabei wird unterstellt, dass sich das Gewinnwachstum zwar verlangsamen dürfte, aber nicht unter Vorjahresniveau fällt. Auch das europäische Pendant, der STOXX Europe 600, könnte im Prognosezeitraum zulegen und bei 460 Punkten landen. Europäische Aktien profitieren in dem Szenario von einer konjunkturellen Erholung der Region und einer Beschleunigung des chinesischen Wachstums. Außerdem könnten relativ günstige Bewertungen und eine vergleichsweise hohe Gewichtung von Rohstoff- und Substanzaktien Mittelzuflüsse begünstigen.

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Redaktionsschluss: 01.06.2022, 18 Uhr